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ter ſie weint, uderlein weifkt!“
Nr. 47.]
hovellen-Zeitung.
Wer iſt Caglioſtro?
Memoiren⸗Novelle
aus der Geſchichte des vorigen Jahrhunderts. „
(Fortſetzung.)
VII.
Das Nächſte, was der Marquis verſuchte, um ſeinen läſtigen Gegner ſich vom Halſe zu ſchaffen, war das, daß er zu dem Kanzler von Kotzenau eilte, den er anfuhr mit den Worten:„Warum haben Sie dieſen Gauner, dieſen
falſchen Caglioſtro nicht verhaften laſſen?“
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Kotzenau konnte ſich rechtfertigen: der Baron von
Velſen hatte ſich vor dem Reichsgrafen als den Attaché
eines befreundeten Hofes legitimirt, ihm ins Geheim ſeinen Namen von Velſen genannt, und verlangte nun, daß der Marquis durch ſeine Erkennung und Enthüllung ſeine Kunſt beweiſe.
Ueberhaupt machte der Kanzler ſeinen Bundesgenoſſen darauf aufmerkſam, daß er dem Hofe gegenüber jetzt einen ſchweren Stand habe: der ſogenannte Graf Caglioſtro habe den Herrſchaften ſehr imponirt, Prinzeß Amelie habe den Marquis einen Verräther und Betrüger genannt, Prinz Marximilian lache laut über ihn und, was das Schlimmſte ſei, er fange mit einem Male an, ſich der Prinzeſſin zu nähern; Comteſſe Minette allein ſei es, die noch feſt an dem neuen Meiſter halte, denn ſelbſt der alte Reichsgraf ſetze von Neuem Mißtrauen in den Zauberer und könne
vor allem deſſen plötzliche Ohnmacht nicht begreifen, die er
für Schwäche und ſomit für ein Zeugniß der Fehlbarkeit
und Ueberwindlichkeit des ſcheinbar Unfehlbaren und Un⸗
überwindlichen halte. Der Marquis lachte über alle dieſe Bedenken und Hin⸗
derniſſe und verſicherte, in den nächſten Stunden noch ſie
beſeitigen zu wollen. Noch in der kommenden Nacht, ver⸗ ſprach er, ſolle Alles zur günſtigen Entſcheidung kommen, ſolle Gottfrieds Geiſt citirt, das Document producirt und das Teſtament gemacht ſein.
Nur eine Vergünſtigung verlangte der virtuoſenhafte
Intrigant von ſeinem Bundesgenoſſen,— man ſolle ihm das Archiv öffnen, damit er das unterzuſchiebende Docu⸗
ment üͤber die Aufhebung der Erbverbrüderung dort depo⸗
aire; ſobald daſſelbe an einem andern Orte gefunden würde, nuüſſe es Zweifel erregen; wenn es aber im Archiv ſelbſt
nachgewieſen werde, könnte Niemand ſeiner Echtheit miß⸗ trauen. Dazu konnte von Kotzenau ſeine Hand nicht bieten. Das Archiv war unter Verſchluß des Hofrath Wagner.
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„Und dieſer,“ ſetzte der Kanzler achſelzuckend hinzu,„iſt leider ein Mann von Vorurtheilen,— er iſt ehrlich.“
„Aber dumm,“ erwiderte der Marquis.
„Das will daſſelbe ſagen.“
„Durchaus nicht in dieſem Fall. Seine Ehrlichkeit, das Vertrauen, das er genießt, ſoll uns ſelbſt zu Gute kommen. Laſſen Sie mich nur machen!“
Und der Marquis ſuchte ſogleich den Hofrath auf. Die⸗ ſer kam ihm entgegen mit den Aeußerungen des Schreckens. „Um des Himmels willen, Meiſter, es ſteht ſchlecht mit uns. Dieſer gemeine Betrüger iſt im Stande, Sie um allen Credit zu bringen. Erlaucht verlangen dringend von Ihnen das verſprochene Document.“
„Ich werde es noch heute produciren!“
„Dank! Dank!“
„Zwar kann es einen hohen Preis koſten!“
„Einen hohen Preis? Sind die Geiſter ſo theuer?“ „Ich ſpreche nicht von gemeinem Mammon,“ erwiderte der Marquis würdig.„Das Document kann höhere Preiſe fordern, z. B. mein Leben oder Ihres—“
„Meines?“ fuhr Jener erſchreckt zurück.
„Wenn die Geiſter für den Mißbrauch zu irdiſchen Dingen, den Sie verlangen, uns beſtrafen ſollten—“
„Mich? Sie werden doch nicht!“
„Der beſte Reiter kann vom beſtgeſchulten Pferde ſtürzen. Der Umgang mit Geiſtern iſt ein ewiges Kämpfen. — Ach!“ ſo ſeufzte der Marquis, und frug dann plötzlich: „Doch Sie wollen das Document um jeden Preis?“
„Nur nicht ans Leben muß es gehen, und auch die Geſundheit—“
„Es käme nur darauf an, daß man den Geiſtern die Arbeit menſchenfreundlich erleichterte—“
„Natürlich! So viel als möglich— immer menſchen⸗ freundlich!“
„Das Papier iſt da; die magnetiſche Kraft wird es verkünden,— nur den Beweis für ſeine Echtheit möchte iich ihr erſparen. Sie wiſſen, die Welt will gemeine, fac⸗ tiſche Beweiſe—“
„Leider! Leider!“
„Und ſolche Beweiſe ſchafften wir, wenn Sie das Do⸗ cument, das an ſich echt iſt, Ihrem Archive einreihten, und wenn die Geiſter es dort verkünden, daß es dann—“
„— daß es dann unter den alten, dahin pertiniren⸗ den Acten gefunden würde—“
„— verſehen mit der entſprechenden Nummer!“
Der Hofrath begriff den Plan ſehr ſchnell. Ob er die Abſicht des Betruges gemerkt habe oder nicht, wer wollte das entſcheiden! Da wondie eignen Intereſſen in das Spiel kommen, wie oft und wie gern iſt da die Ehr⸗


