Nopellen⸗3
eitung.
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ALBIIM.
Schwediſche Volkslieder.
Des grafen Töchter am Elfenhang⸗
Es wohnte ein Graf am Elfenhang, Er hatte drei Töochterlein weiß und ſchlank. Mit Ehren—
Die Erſte war ſo lieblich, die Zweite war ſo hold, Die Dritte hatt' gelobt, daß ſie Jungfrau bleiben wollt.. Mit Ehren— Die Kunde ſcholl über Waſſer, die Kunde ſcholl über Land, Die Kunde kam zum Nix auch am Elfenſtrand. Mit Ehren—
Und der Nix er ſchwimmt zum ſchneeweißen Strand, Dort ſchafft er ſich um zum ſchönen Rittersmann. Mit Ehren—
Der Ritter kam gefahren vor's Schloß der Jungfrau hold, Und draußen ſteht ſie ſelber und kämmt ihr Haar von Gold. Mit Ehren—
„Und ſtehſt bier, ſchön Fräulein, und kämmſt dein goldnes Haar? Ich ſelbſt brächte gerne die Goldkrone dar.“ Mit Ehren—
Und das Fräulein, ſie geht in die Halle hinein: 17
„Chriſt gebe, der Ritter er wäre doch mein! Mit Ehren—
Und der Nix, er geht in die Halle hinein: Er wünſcht in ſeinem Herzen, die Jungfrau wär ſein. Mit Ehren—
„Willſt fahren zur Kirche, ſchön Jungfräulein? Ich ſelbſt möchte gerne dein Fuhrmann ſein.“ Mit Ehren—
Er fuhr über Waſſer, fuhr über Land zumal, Er fuhr die ſchöne Jungfrau zum allerletzten Mal. Mit Ehren—
„Und viellieber Ritter, o fahrt nicht ſo in Haſt! Meine Zügel ſind ſeiden, ſie ſind nicht von Baſt!“ Mit Ehren—
Er fuhr über Berg, über Thäler und Land, Fuhr weiter und weiter am Elfenſtrand. Mit Ehren—
„Und viellieber Ritter, o führet mich an's Land! Und Euch will ich geben mein rothes Goldband!“ Mit Ehren—
„Dein rothes Goldband, das acht'ich nicht ſehr! Doch gehſt du mir nie aus dem Wagen mehr!“ Mit Ehren—
„Und viellieber Ritter, helft mir an's Ufer doch! Auch meine goldene Krone, die geb ich Euch noch!“ Mit Ehren—
„Deine rothe Goldkron“, die acht ich nicht ſehr! Doch nimmer ſollſt du wandeln auf grüner Erde mehr!“ Mit Ehren—
Schwediſche Volkslieder der Vorzeit. Aus der Sammlung von Erik Guſtaf Geijer und Arvid Auguſt Afzelius. Mit einem Vorwort von Dr. Ferdinand Wolf.
von R. Warrens.
„Und weint daheim der Vater und die Mutter ſie weint, Und es weinen die Schweſtern und das Brüderlein weiſtt!“ Mit Ehren—
„Laß weinen, laß weinen daheim, wer will und kann! Doch nun biſt du hierinnen und dem Nix gehörſt du an! Mit Ehren—
Laß weinen, laß weinen daheim, wer will und kann! Doch auf die grüne Erd' kommſt du nimmer fortan!“ Mit Ehren—
Herr Magnus und die Meerfei.
Es war an einem Sonntag frühb, Eh' das Lied der Lerche erklungen, Ein Jüngling ruht' am Ufer hie, Er hoͤrt', wie die Meerfeien ſungen: „Ach höret, junger Magnus! Ich biet' Euch reiche Gaben, Wollet Ihr mein ſein?“
Euch geb' ich einen Mantel blau,
Den beſten, Ihr könnet gewahren,
Und jeglicher Faden, darin zu ſchaun,
Der ſei von Scharlachen, dem klaren. „Ach höret, junger Magnus! ꝛc.“
Euch geb' ich ein Schwert auch, neu und gefeit, An fünfzehn güldenen Ringen, Und jegliches Mal, Ihr es ziehet zum Streit, Soll es den Sieg Euch erringen.
„Ach höret, junger Magnus! ꝛc.“
Euch geb' ich ein Mühlenhaus gar neu, Mit fünfzehn Paar drehenden Steinen; Sie laufen ſo leicht auf der Erde frei, Wie andre im Strome, dem reinen. „Ach höret, junger Magnus! ꝛc.“
„Wohl könnt' ich und wohl möcht; ich dich frei'n, Wärſt du ein chriſtliches Fräulein; Doch biſt du eine der wilden Meerfei'n, Die in Klippen und Klüften verweilen.“ „Ach höret, junger Magnus! ac.“
Herr Magnus ſchwenkte ſein Rößlein werth, Er möcht ihr eilends entfliehen; Die Meerfrau fällt in die Zügel dem Pferd, Sie will ihn nicht laſſen ziehen:
„Ach höret, junger Magnus! ꝛc.“
Und hätte nicht Gott es gnädig verliehn, Daß der Hahn geregt ſeine Flügel, So verlockte gewißlich die Meerfrau ihn, Die da fliegt über Berg und Hügel:
„Ach höret, junger Magnus! ꝛc.“
Im Versmaß des Originals übertragen Leipzig: F. A. Brockhaus. 1857.
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