Jahrgang 
27-52 (1856)
Seite
734
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Beobachtung, daß ſie ſo wenig Schatten werfen, daß ſie in ſchräger Beleuchtnng nicht zu finden ſind. Man hat die⸗ ſen künſtlichen Anlagen die Benennung von Strahlen⸗ ſyſtemen beigelegt, weil ſie von großen Niederlaſſungen nach allen Richtungen auslaufen; gleich wie auch hier die größten Mittelpunkte die meiſten Chauſſeen haben: was ſollte aber von Vulcanen in geraden Linien 10 bis 100 Meilen weit ausſtrahlen? Lava fließt nicht in gerader Rich⸗ tung und nur in der Nähe von Vulcanen. Was dieſe hellen Linien unzweifelhaft als Landſtraßen bezeichnet, iſt die Erſcheinung, daß ſie in der Nähe der Ringwälle zwi⸗ ſchen zwei Reihen von Hügeln(Kuppelgebäuden) laufen: alſo Vorſtädte, die den Vortheil einer Umwallung ent⸗ behren. Ziehen die Straßen ſich an Bergen entlang, ſo ſind ſie nur an einer Seite erhaben. unſern Bergſtraßen mit ihren künſtlich-horizontalen Flächen gleichen? faſt ohne Lichtreflection durch die grünen Ebenen. bei uns bleiben Feldwege durch Wieſen und Aecker, wie der Zufall ſie gegeben hat, und ſind dunkler als ſteinbe⸗ worfene Straßen.

Man hat die große Breite der meiſten Straßen gegen ihren Urſprung als Kunſtwerke eingewendet. Gruithuiſen

glaubte, dieſe ſeien flach bedeckte Wohnungen. Die Breite,

die übrigens durch die Expanſion des ſtarken Lichtes ver⸗ größert wird, kann auch ihren Zweck in den Transport⸗ mitteln haben, die über dieſe Flächen fortrollen. War es je möglich, daß Wagen mit Segeln über glatte Straßen vom Winde fortgetrieben werden, ſo muß dies auf dem Monde ſehr leicht ſein, wo wahrſcheinlich 7 bis 8 mal

ſtärkere Winde, als auf der Erde, mit je 14 Tagen, wie Fluth und Ebbe, ihre Richtung von Weſten nach Oſten

und von Oſten nach Weſten wechſeln.

Die ſogenannten Rillen auf dem Monde ſind ganz unzweifelhaft Canäle von derſelben Bauart wie auf der Erde. Schröter entdeckte deren im Jahre 1788 nur drei

Novelſlen⸗Zeitung.

Was kann mehr

Sie gehen ohne planmäßige Vertheilung und Auch

[II. Jahrg.

von bedeutender Länge. Mit der immer fortſchreitenden Annäherung des Mondes erkannte Mädler deren 90 bis zum Jahre 1830; Lohrmann fand deren 95 und Schmidt 97 bis zum Jahre 1842. So ſind deren jetzt 200 ſicht⸗ bar und es ergibt ſich, daß die ganze Mondkugel mit Ca⸗ nälen wie mit Landſtraßen überzogen iſt. Helle Streifen zeigen, daß Dämme oder Landſtraßen neben den Waſſer⸗ fahrten herlaufen.Dieſe haben auf dem Mond ganz die⸗ ſelbe Richtung, welche unſere Canäle nehmen. Sie gehen nirgend über Berge, ſondern biegen ſich ſanft um ſie herum, oder ſteile Berghöhen ſind durchſchnitten, um ſie durchzu⸗ laſſen. An einigen Stellen ſcheinen ſie ſich unter Bedeckung (überwölbt oder durch Tunnel) hinzuziehen. Was vol⸗ lends dem Zwecke unſerer von Stadt zu Stadt führenden Canäle entſpricht, iſt, daß dieſe Gräben die ſogenannten Ringwälle des Monds mit einander verbinden. Der Wall iſt beim Eingang wie beim Ausgang des Canals geöffnet. Einer dieſer Gräben läuft durch 10 Ringwälle. Die größte dieſer Umwallungen, vielleicht tiefer liegend, durchſchneidet er zwiſchen erhabenen Dämmen. Will man nun noch fort⸗ fahren, die Ringwälle für Krater erloſchener Vulcane zu halten, ſo möge man verſuchen zu erklären, wie der Vulcan mitten im Krater zwei ſchnurgerade und parallel neben einander laufende Dämme errichtet, und als denkender Baumeiſter genau in dieſelbe Linie als Fortſetzung des Canals errichtet haben kann.

Man hat in der Verlegenheit, die grüne Farbe der Wieſenniederungen des Mondes wegzubeweiſen, gefragt: ob denn nothwendig dort die Wieſen grün, wie auf der Erde, ſein müſſen? Wenn ſie aber auch dort eine andere Farbe haben könnten, ſo wäre damit noch nicht bewieſen, daß die grünen Gegenſtände dort keine Pflanzen ſind; und wie deutlich die Pflanzen ihre grüne Farbe ſpiegeln, folgt daraus, daß das Grün der amerikaniſchen Prairien ſich von den harten Flächen des Mondes hierher zurück abſpiegelt.

Deutſche Original⸗Luſtſpiele von L. Feldmann. VIII. Band. Neue Folge II. Band. Berlin, Franz Stage, 1857.

Dieſer Band enthält 5 Stücke des beliebten Theaterdichters: Die Schwiegertochter, Des Glückes und des Unglücks Launen, Warum traut er einem Doctor?, Der Biberhof, Ein freigebiger Mann, Stücke, von denen ja wohl die meiſten ſich als bühnen⸗ wirkſam erwieſen haben.

Miscellen.

J. J. Rouſſeau's Frau.

Der Arzt Le Begue de Presle, einer der letzten und treueſten Freunde J. J. Rouſſeau's, erzählte, er hätte dieſen eines Tages in Montmorency beſucht und wäre ihm begegnet, wie er eben mit einem ſchweren Korbe voll Weinflaſchen aus dem Keller kam.

Ei, fragte er ihn,wie können Sie in Ihrem Alter ſich mit einer ſolchen Laſt plagen? weshalb überlaſſen Sie dieſe Sorge nicht Madame Rouſſeau, die jünger und kräftiger iſt wie Sie?

Ach wie wenig kennen Sie meine Frau, entgegnet Rouſſeau traurig;wenn ſie in den Keller geht, bleibt ſie drin. a.

Dampföoote für ſtarkgewundene oder flache Flüſſe.

Ein Dampfboot, welches den Dienſt zwiſchen Pittsburg und Cincinnati auf dem Ohio verſieht, bat zwei von einander geſon⸗ derte Maſchinen, deren jede für ſich auf eins ſeiner beiden Ruder

wirkt, welche nicht wie ſonſt gewöhnlich auf einer Achſe liegen. Dieſe Anordnung erleichtert außerordentlich die Schifffahrt auf dem ſtark gewundenen Ohio. Auf ſehr flachen Flüſſen wendet man in den Vereinigten Staaten Dampfboote mit flachem Boden an, deren Waſſergang nicht über 70 Centimeter beträgt und die durch ein einziges Schaufelruder getrieben werden, das im Hinter⸗ theile angebracht iſt. a.

Mannigfaltiges.

Die Ehrbegriffe über Nachdruck ſind in Wien ſehr ſchwache. F. Gerſtäcker hat jetztdie Donau verklagt, ſeine aus der Cölni⸗ ſchen Zeitung entnommene ErzählungDas alte Haus wider⸗ rechtlich benutzt, nebenbei durch Weglaſſung des letzten Capitels, das den Schlüſſel des Ganzen gibt, entſtellt zu haben. Seine Klage geht auf Beeinträchtigung ſeines Eigenthums und auf Miß⸗ handlung ſeiner Arbeit. Der WienerTelegraph druckte eben⸗ falls aus der Cölniſchen und ohne Angabe der Quelle eine Erzäh⸗ lungDas Geſpenſterſchloß nach. Eur.

Am Schluſſe eines Abiturientenexamens erzählt uns ein Augenzeuge ermahnt Herder die zur Univerſität abgehenden b Schüler, nicht das Lied:Ein freies Leben führen wir zu ſingen, ſondern:

Ein Muſenleben führen wir,

Ein Leben voller Wonne;

Die Wiſſenſchaft ſei unſre Zier, Die Wahrheit unſre Sonne!

r. 46.

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