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Nr. 46.] pritte
„Na, na, ich mein's ja nicht böſe; ich gönn's Euch ja gerne!“ „Erlaucht vergeſſen, daß das Erſte, was ich von mei⸗ nen Jüngern verlange, Glaube, unbedingter Glaube iſt. Sie glauben meinen Worten nicht!“ So fuhr der Mar⸗
guis imponirend auf.
„Aber, Marquis, was denken Sie denn von mir?“ erwiderte Jener eingeſchüchtert.„Denken Sie denn, ich werde es nicht glauben, wenn mir Jemand Etwas ſagt? O, bitte, bitte ſehr! Ich bin ein biedrer, braver Deutſcher, das muß mir Jeder laſſen, und glaube Alles, was man mir ſagt! Hier, Hand drauf! Abgemacht!— Und nun, Sie haben mich kommen laſſen. Was ſoll's?“
„Ich—? Ja— allerdings wohl!“
„Nun, wer ſonſt? Ein Brief, der mit dem Schlüſſel zu dieſem geheimen, lange Zeit vergeſſenen Gange mir ge⸗ geben wurde, ruft mich in dieſes Zimmer. Ich ſoll hier einen„unbekannten Bekannten“ finden, der ein wichtiges Document entdeckt hat.“
„Das bewußte Document habe ich entdeckt.“
„Es iſt die höchſte Zeit. So will ich denn mein Teſtament machen! Und da Sie mir feſt verſichern, daß Prinz Max und Prinzeß Amelie nicht für einander be⸗ ſtimmt ſind, daß ſie nicht glücklich werden würden, weil ſie ſich haſſen, ſo will ich dieſen Lieblingsplan aufgeben und Minette zur Univerſalerbin—“
Da ertönte ein heller lauter Schrei. Gleich darauf fiel polternd und klirrend etwas zu Boden. Der Reichs⸗ graf, der ermüdet in einen Seſſel ſich niedergelaſſen hatte, ſprang auf und ſtumm vor Erſtaunen ſah er, daß durch eine heftige Bewegung der Fenſtervorhang mit ſeiner Stange niedergeriſſen war und hinter ihm ſeine Nichte Amelie ohnmächtig von den Armen des Prinzen Max auf⸗ gehoben wurde.
Amelie hatte hinter den faltenreichen Gardinen die Anweſenheit des ſchüchtern zurücktretenden Prinzen bisher
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nicht gemerkt; erſt als ſie den Entſchluß des Reichsgrafen und den Verrath des Marquis gegen ſie vernahm, ſuchte ſie, von ihren Kräften verlaſſen, hinter ſich einen Halt, und ſo war ſie ohnmächtig taumelnd in die Arme des von ihr geliebten Mannes gefallen. Von ihrer Bewegung war die Gardine herabgeriſſen, und der Prinz konnte nun nichts Anderes thun, als, die Situation unterbrechend, mit ihr in das Zimmer zu treten mit dem Ausruf:„Hülfe! Ein ohnmächtiges Mädchen! Hülfe! Hülfe!“
Und ſeinen Blick auf der knospenhaft vollen Geſtalt, dem bleichen zarten Antlitz und dem wogenden Buſen ruhen laſſend, mußte er unwillkührlich hinzuſetzen:„O, wie reizend ſie iſt!“.
Der Baron von Velſen indeß hatte ſchon länger eine ſchwerere Laſt in ſeinen Armen getragen. Comteſſe Mi⸗ nette hatte ihn ſogleich entdeckt, als ſie hinter ſeinem Bü⸗ cherbret eine Zuflucht ſuchte; er aber hatte ihr mit galant zudringlichen Pantomimen alsbald zu ſchweigen geboten, und als ſie darauf denn augenblicklich in Ohnmacht zu fallen beſchloß, konnte er nicht umhin, ſeine ſtarken Arme der großen Laſt ihrer beſinnungsloſen Geſtalt als Aſyl zu öffnen. Jetzt aber fand er den Zeitpunkt auch für ſich ge⸗ eignet, aus dem Hinterhalt in das freie Feld zu treten, und er that es, des Prinzen Wort perſiflirend:„Und hier noch Eine! Noch ein ohnmächtiges Mädchen! Hülfe! Hülfe!— O, wie reizend ſie iſt!“ ſetzte auch er mit ſei⸗ nem ironiſch höhnenden Lachen hinzu.
Alle Anweſenden waren ſprachlos vor Staunen, Schreck oder Wuth. Nur Vivona vermochte auszurufen:„Geiſter! Geiſter! Da ſind ſie! Nichts als Geiſter— hu!“
Dann ſam elte ſie, auch Minette zu einem Ausdruck ihrer Empfindungen.
„O, ein ſchändlicher, ein gräßlicher fremder Menſch!“ ſtöhnte ſie mit einem Blicke, als wolle ſie Ottomar die Augen auskratzen, und an den Marquis wandte ſie ſich: „Abſcheulicher! Geht man ſo mit einem Mädchenrufe um?“
Landſtraße zu begegnen, und ich kann dieſen Vorfall nur durch die Annahme erklären, daß die Bewohner der Hütte keine Amerikaner rvaren. G. L. L.
Aus der Geſchichte. Neunzehn Regierungen in einer Stadt.
Die Begeiſterung, mit welcher die Schaaren des chriſtlichen Europa in den erſten Kreuzzügen zur Eroberung des heiligen Grabes und des ganzen heiligen Landes auszogen, war durch enancherlei Aberglauben und durch grauſame Verföolgungen gegen die unglücklichen Juden gleich anfangs ſtark getrübt. Im weiteren Verlaufe des Kampfes aber, nachdem die ſtreitenden Kräfte die in Paläſtina gegründete Macht bereits gekoſtet, trat immer mehr eine nüchterne Betrachtung der Dinge ein, und eigennützige Berechnung war es, was ſich unter dem Paniere des Kreuzes verbarg und was den ausziehenden Streitern aus Italien und Frankreich, aus Deutſchland und England das Schwert gegen Türken und Sara⸗ cenen in die Hand drückte. Für die Kirche war die Erwerbung neuer Pfründen, für die Fürſten und ihre Großen die Ausſicht auf Eroberungen und auf Ausdehnung des Lehnweſens, für die ein⸗
zelnen Ritterorden ihre Ehre und Bereicherung und der dadurch
erhöhte Einfluß des Adels, für die freien Städte Italiens endlich die Blüthe ihres durch den Transport der Kreuzfahrer und die Be⸗ friedigung ihrer Bedürfniſſe in Schwung gebrachten Handels das Hauptaugenmerk. Hatten ſich aber ſolche Beſtrebungen ſchon geltend gemacht, als chriſtliche Truppen Paläſtina beſetzt hielten und als ein Königreich Jeruſalem beſtand, ſo traten ſie noch viel
Saladin wiedererobert und die chriſtliche Macht in einen Zuſtand gebracht worden war, in welchem es die Reſte ihres Beſitzes zu vertheidigen und möglicher Weiſe das Land wiederzuerobern galt. Die getrennten Intereſſen der Kämpfer lähmten nothwendig ihre Einigkeit, ſchwächten ihre Kraft und löſchten das Glaubensfeuer aus, an dem ſich ihr Muth einſt entzündet hatte. Im engſten Rahmen aber und auf eine wahrſcheinlich den Mohamedanern ſelbſt lächerliche Art ſtellte ſich das ſo entſtandene Zerrbild dar, als nach der Erhebung der tapferen Mamelucken die chriſtliche Macht
V auffälliger in den Vordergrund, nachdem die heilige Stadt durch
Acre oder Ptolemais zuſammengedrängt ſah. der letzten Könige von Jeruſalem und ihre bedeutendſten Va⸗ ſallen, die auf ihre früheren Beſitzungen fortdauernd Anſpruch machten, europäiſche Mächte, die an den Kreuzzügen am lebhafte⸗ ſten theilgenommen hatten, verſchiedene Ritterorden, die Kirche und ihre geiſtlichen Orden, die italieniſchen Republiken,— ſie alle ſahen in jener Stadt das Thor, durch welches ſie aufs Neue ſieg⸗ reich in Paläſtina eindringen und ihres Herzens Wünſche befriedi⸗ gen wollten. Alle beſtanden hier im 13. Jahrhunderte unabhängig von einander, und es bildeten ſich nach und nach folgende von ver⸗ ſchiedenen Mächten beſetzte Stadttheile: 1) der des Königs von Jeruſalem, d. h. des franzöſiſchen Königs von Cypern, welcher von Guido von Luſignan, letztem Könige von Jeruſalem vor der Eroberung durch Saladin, ab⸗ ſtammte und deſſen Haus kurz nachher durch Richard Löwenherz
in den Beſitz jener griechiſchen Inſel gekommen war, ſeine Anſprüche
auf Jeruſalem aber nicht aus den Augen ließ; 2) der Stadttheil des Königs von Neapel und Sieilien, d. h.
außer einigen unbedeutenderen Poſten ſich auf die feſte Seeſtadt Die Nachkommen
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