Jahrgang 
27-52 (1856)
Seite
726
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handeln. O dieſe Welt! O dieſe Männer! O dieſe mo⸗ dernen jungen Mädchen!

So ſeufzte ſie pathetiſch, indem ſie, ohne des Marquis Erlaubniß abzuwarten, hinter dem Bücherregal verſchwand, hinter dem, wie wir wiſſen, auch der Baron von Velſen ſein Verſteck genommen hatte.

Dem Marquis blieb in ſeiner ſteigenden Verlegenheit nichts anderes übrig, als die Prinzeß zu empfangen, die mit den Worten eintrat:Ach, herziger Marquis! Iſt mein Liebestränkchen fertig?

Prinzeß, ich muß den Vollmond dazu erwarten, gab er zur Antwort.

Bis dahin iſt er längſt vielleicht wieder fort, klagte ſie.

Ich verſpreche Ihnen, der Prinz ſoll Ihnen nicht entgehen. Alle meine Geiſter wirken für Sie!

Noch haben ſie nichts geholfen. Bis jetzt, Marquis, haſſen wir beide uns!

So? Was ſagte er ihnen denn?

Nichts.

Und was ſagten Sie ihm?

Nichts! Aber dieſe beiden Nichts o, das war, als wenn wir uns an das Leben gehen wollten! O, war⸗ um dieſer Haß, dieſe Feindſchaft mit ihm, den ich liebe, ehe ich ihn kannte, ſo lange ich denken kann?

In dem Augenblicke neue Ueberraſchung, neuer Schreck! In der Mauer rumorte es. An der verkleide⸗ ten Tapetenthür, durch die Ottomar eingetreten war, pochte Jemand und von draußen ließ ſich eine tiefe, dumpfe Stimme vernehmen:Wo iſt das Schloß? Zum Teufelselement, wo iſt das Schloß der Thür?

Allmächtiger Gott, mein Onkel, ſchrie Amelie.

Der fehlte gerade noch! fluchte der Marquis.

Aufgemacht, ſo fuhr die Stimme draußen fort: Aufgemacht! Ich hörte ja ſchon ſprechen! Luft! Luft! Soll ich in dem engen Gange erſticken? Hollah!

Noveſſen⸗Zeitung.

[II. Jahrg.

Fort, Prinzeß, raſch fort! bat der Marquis.

Ich kann mich nicht rühren, ſeufzte ſie.Der Schreck iſt mir in die Glieder gefahren. Ich glaube, ich muß wohl gar in Ohnmacht fallen ach!

Nur bis an dieſes Fenſter verbergen Sie ſich hier! So nöthigte der Marquis ſie zu dem Vorhange, hinter dem wir den Prinzen Maximilian durch Ottomars Fürſorge bereits aufgehoben wiſſen.

Jetzt hatte der alte Reichsgraf draußen den Griff der geheimnißvollen Thür ergriffen die Thür ging auf ein Lichtſtrahl erhellte das Gemach, in dem der gedeckte Tiſch noch ſtand der Zug der offnen Thür verlöſchte das Licht im ſelben Augenblicke, und der alte Herr trat in die volle Dunkelheit ein.

Wer iſt hier? frug er.

Ihr Knecht Belmont, Durchlaucht.

Sonſt Niemand?

Mein Diener Vivona.

Bitte, laſſen Sie Licht machen. Ich bin ein wenig ängſtlich im Dunkeln, zumal ſeitdem Sie uns ſo viel von Geiſtern

Vivona holte Licht herein, natürlich nachdem er mit all' ſeiner Geſchicklichkeit vorher die Reſte der gedeckten Tafel hatte verſchwinden laſſen.

Nur Eines konnte er nicht ſo ſchnell vertilgen den ſüßen Duft dieſer Trüffelſauce und Faſanenflügel.

Ah, ſagte der Reichsgraf, tief einathmend,hier hat es etwas Gutes gegeben!

Mein Famulus ſoupirte hier.

Er macht eine Cour

durch, die Unſterblichkeitscur, die ſehr angreift und des⸗

halb ſehr nahrhafte Speiſen verlangt. Und Ihr, Marquischen, Ihr habt nicht ein Bischen geholfen? frug der Reichsgraf gemüthlich lächelnd. Erlaucht ſcheinen Zweifel an meinen Worten zu hegen, ſprach der Andere ernſt.

meinten den Indianer, der, wie ſie wußten, nicht ein Wort engliſch verſtand) im Hauſe ſei.

Die Mutter(denn als ſolche war ſie zu erkennen) bat ſie, nicht ſo laut zu ſprechen, erwähnte meine Uhr und zog Beide in einen Winkel, wo eine Unterhaltung ſtattfand, deren Inhalt zu errathen für mich nicht viel Scharfſinn erforderlich war. Ich berührte leiſe meinen Hund. Er wedelte mit dem Schwanze, und mit unbe⸗ ſchreiblichem Vergnügen ſah ich ſeine ſchönen Augen abwechſelnd auf mich gerichtet und zu den Dreien im Winkel erhoben. Ich fühlte, daß er die Gefahr meiner Lage verſtand. Der Indianer wechſelte einen Blick mit mir.

Die Burſchen hatten ſich durch Eſſen und Trinken in einen Zuſtand gebracht, daß ich ſie ſchon für kampfunfähig anſah, und der häufige Zuſpruch, dem der häßliche Mund ihrer Mutter der Whiskyflaſche that, mußte ſie, ſo hoffte ich, bald in einen gleichen Zuſtand verſetzen. Man denke ſich daher mein Erſtaunen, als ich ſah, wie der eingefleiſchte Teufel ein großes Vorſchneidemeſſer er⸗ griff und zum Schleifſteine ging, um ſeine Schneide zu wetzen. Ich ſah, wie ſie das Waſſer auf die Drehmaſchine goß, und beob⸗ achtete, wie ſie das gefährliche Werkzeug zurichtete, bis ein kalter Schweiß meinen ganzen Körper bedeckte, trotz meiner Entſchloſſen⸗ heit, mich bis aufs Aeußerſte zu vertheidigen. Als ſie mit ihrer Arbeit fertig war, ging ſie zu ihren taumelnden Söhnen und ſagte:Da, das wird ihn bald abthun! Sie wies ſie dann an, den Indianer zu tödten, während ſie ſelbſt mich abfertigen wolle.

Ich wandte mich, machte ſtill meine Flinte zurecht, berührte meinen treuen Gefährten und lag da, bereit aufzuſpringen und den Erſten niederzuſchießen, der mein Leben angreifen würde. Der Augenblick näherte ſich raſch, und jene Nacht häte die letzte mei⸗

nes Lebens ſein können, hätte nicht die Vorſehung Anſtalten zu

meiner Rettung getroffen. Alles war fertig; die alte Hexe trat ſacht herzu, wahrſcheinlich um die beſte Art zu überlegen, wie ich abzufertigen ſei, während ihre Söhne ſich mit dem Indianer be⸗ ſchäftigen ſollten. Ich war einigemal nahe daran, aufzuſpringen und ſie auf der Stelle niederzuſchießen, aber ſie ſollte nicht auf dieſe Weiſe beſtraft werden. Plötzlich wurde die Thür geöffnet

und zwei ſtattliche Reiſende traten herein, jeder mit einer langen Flinte auf der Schulter. Da ſprang ich auf die Füße, hieß ſie

herzlich willkommen und ſagte ihnen, wie gut es ſei, daß ſie in dieſem Augenblicke hätten ankommen müſſen.

Die Geſchichte war im Augenblicke erzählt. Die trunkenen Söhne wurden feſtgenommen, und die Frau, trotz ihrer Verthei⸗ digung und ihres Geſchrei's, theilte daſſelbe Schickſal. Der ver⸗ wundete Indianer tanzte förmlich vor Freude und gab uns zu verſtehen, daß, da er vor Schmerz nicht ſchlafen könne, er über uns wachen wolle. Man kann ſich denken, daß wir weit weniger ſchlie⸗ fen, als ſprachen. Die beiden Fremden ſagten mir, daß ſie ſelbſt einmal in einer ziemlich ähnlichen Lage geweſen wären.

Am nächſten Morgen wurden unſere Gefangenen losgebun⸗ den, und nachdem wir ihnen eine geeignete Züchtigung ertheilt und den freundlichen Indianer angemeſſen belohnt hatten, reiſten wir weiter, nach den Anſiedelungen zu. Während einer Zeit von fünf⸗ undzwanzig Jahren, in der ſich meine Wanderungen über alle Theile der Vereinigten Staaten erſtreckten, war dies das einzige Mal, daß mein Leben von Seiten meiner Mitgeſchöpfe in Gefahr war. In der That laufen Reiſende dort zu Lande ſo wenig Ge⸗ fahr, daß kein Einheimiſcher je davon träumt, einer ſolchen auf der

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