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Auch der Reichsgraf fand allmählich Worte:„Das iſt ja horrend ſonderbar! Marquis, Sie haben mich gefoppt! Ich bitte um Aufklärung, oder— Wer iſt dieſer Mann?“
„Ich ſelbſt muß geſtehen—“ ſtotterte der Wunder⸗ mann:„Mein Herr, wie kommen Sie hierher? Herr, mit wem habe ich die Ehre?“ fuhr er Ottomar an.
„Marquis! Wie? Sie wollen mich nicht kennen?“ antwortete dieſer höchſt malitiös verwundert.
„Wer in des Teufels Namen ſind Sie, Herr?“
„Wer ich bin? Ich meinte, dem Herrn Marquis müſſe doch wohl Jedermann bekannt ſein?“
„Nur wer mir ebenbürtig—“
„Ich mache nicht Anſpruch, Ihr Oberer zu ſein.“
„Ein Anſpruch, den Sie büßen würden!“
„O bitte, alter Freund!“ fuhr Ottomar lächelnd fort:
„Was kommt Ihnen in den Sinn! Mich, der ich ſo ganz unverſtellt mich gebe, mich wollen Sie nicht kennen?“
„Nicht vor mir, vor dieſen hohen Herrſchaften haben Sie ſich zu legitimiren.“
„Nun, ich grolle Ihnen nicht! Wir haben uns freilich lange nicht geſehen.“
„Wirklich?“
„Ja, es ſind doch über dritthalb Jahrhundert her—“ ſo perſiflirte Ottomar ihr mit der gelungenſten Naivetät von der Welt.
„Dritthalb Jahrhundert?“ frugen Reichsgraf und Minette, plötzlich furchtbar neugierig.
„Ein wenig mehr!“ fuhr von Velſen im ſelben Tone fort.„Wenigſtens dächte ich, es war das letzte Mal, daß wir beiſammen waren, als Sie ſich an der Hammelskeule den Magen verdarben, Anno 1510, bei Luthers Doctor⸗ ſchmaus—“
„Mein Herr, Sie ſind—?“ fuhr der Marquis jetzt wüthend auf.
„Nun wer bin ich denn?“ ſagte von Velſen um ſo ge⸗ laſſener.
Noveſſen⸗Zeitung.
Mein
„Ich kann das Wort nicht finden—,“ ſo ſprühte Je⸗ ner Wuth und Rache.
„Das Wort nicht für— Ihren Großpapa?“ Das ſprach Ottomar ſo ruhig, höflich und lächelnd, daß die ganze Geſellſchaft in ſtummes Staunen verfiel, nachdem ſie einen Mann kennen gelernt hatte, deſſen Alter an die Tauſende reichte, nun noch einen anderen zu finden, der deſſen Großvater ſein wollte.
„Sein Großvater!“ ſeufzten Minette, Reichsgraf und Amelie tief auf.
Der Prinz aber, der den Marquis und dieſe Scene zu verſtehen begann, konnte nicht umhin, über von Velſen be⸗ wundernd zu lächeln, und ſagte ſich:„Der Tollkopf!“
Vivona aber ſchnalzte vergnügt mit den Fingern und dachte:„Einer von uns!“
Velſen ergriff nun das Wort, ehe der Marquis es ihm abſchneiden konnte, und ſtellte ſich in beſter Form der guten Welt den Verſammelten vor:„Meine Herrſchaften, ich habe die Ehre, Sie alle zu kennen: Erlaucht Ehrenfried, ein Biedermann— Comteſſe Minette, früher Comteſſe Mine genannt— Prinz Marximilian, ein jugendlicher Schwärmer— Prinzeß Amelie, ein Engel, wie vom Him⸗ mel geſandt— und ich, meine Herrſchaft, der ich gewagt hatte, Sie alle zu dieſer Vorſtellung hierher zu bitten, ich nenne mich— Graf Caglioſtro!“ 3
Wer es weiß, welche Bedeutung für die ganze gebildete Welt von Europa der Graf Caglioſtro damals hatte, der Großkophta, der Großmeiſter der egyptiſchen Loge, der Geiſterſeher und Prophet, dem es gelungen war, nicht nur der großen Menge, momentan ſogar den Höfen von Paris, London, Wien und Petersburg die Köpfe verrückt zu machen, der wird den Eindruck begreifen können, den der Ausſpruch dieſes berühmten und wunderbaren Namens machen mußte.
Alles war erſtaunt, nur der Marquis war wie zer⸗
des hohenſtaufiſchen Hauſes, welches, da Kaiſer Friedrich II. in der That Jeruſalem im J. 1228 auf kurze Zeit wiedererobert und als letzter bisheriger König daſelbſt dageſtanden hatte, wohl eben⸗
falls von Anſprüchen auf die Krone der heiligen Stadt reden
konnte;
3) der Stadttheil des Fürſten von Tarent, Vaſallen des Vorigen;
4) der des Fürſten von Antiochia;
5) der des Grafen von Joppe;
6) der des Grafen von Tripolis, in der That Grafen von
Toulouſe;
7) der des Fürſten von Galiläa,— lauter Nachkommen euro⸗ päiſcher Fürſten, welche als Vaſallen der Könige von Jeruſalem Beſitzungen in Paläſtina oder Syrien gehabt hatten;
8) der des Königs von Armenien, der ſich durch ſeine Ver⸗ wandtſchaft mit den Luſignans auf Cypern zur Vereinigung mit der Sache der Kreuzfahrer bewogen finden mochte;
9) der des Herzogs von Athen, des bedeutendſten Vaſallen in dem 1204 durch franzöſiſche Kreuzfahrer in Conſtantinopel ge⸗ waltſam gegründeten lateiniſchen Kaiſerthume;
10) der Stadttheil des päpſtlichen Delegaten, der die In⸗
tereſſen der Kirche beim Kriege gegen die Ungläubigen wahrzu⸗ nehmen hatte;
11) der des Patriarchen von Jeruſalem und Joppe und der Ritter des heiligen Grabes;
12) der des Johanniterordens und ſeines Großmeiſters;
13) der des Templerordens und ſeines Großmeiſters;
14) der des deutſchen Ordens, der um jene Zeit zwar mit der Eroberung Preußens und der Bekehrung der heidniſchen Letten be⸗
ſchäftigt war, ſeine Entſtehung in Paläſting aber und zwar eben bei der Belagerung von Ptolemais im J. 1190 nicht vergaß und daher ebenfalls dort vertreten war; 15) der des Ritterordens St. Lazari und ſeines Großmeiſters, — beſtimmt zur Pflege kranker Pilger;
16) der Stadttheil der Republik Venedig;
17) der der Republik Genua; 18) der der Republik Piſa; 19) der der Republik Florenz.
Darf man ſich verwundern, daß bei dieſem vielköpfigen Com⸗ mando innerhalb der Stadt Neid und Eiferſucht nicht aufhörte und daß außerhalb derſelben vereinzelte, den Verträgen zuwider⸗ laufende Angriffe der einen oder andern Macht, wovon die übrigen nicht unterrichtet waren, die Kraft des Ganzen ſchwächte und den Mamelucken Muth und Erbitterung zugleich einflößte? Die Eroberung und furchtbare Zerſtörung der Stadt durch den Sul⸗ tan Malek Scharaf Chalil machte am 18. April 1291 der wun⸗ derlichen Vielherrſchaft und den Kreuzzügen überhaupt ein Ende
G. L. L
Zur Statiſtik.
Statiſtiſches über Paris. Die gegenwärtige Umfaſſung von Paris ſchließt einen Flä⸗ chenraum von 3402 Hectaren und 55 Aren in ſich; auf dieſem weiten Raum zählt man 30,770 Häuſer mit 385,242 Hauswirth⸗ ſchaften. Wenn Paris ſich bis zu den Befeſtigungen ausgedehnt haben wird, umfaßt es nicht weniger als 7450 Hectaren.
III. Jahrg.
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vmett und di ſeine? macht ſie un Glie nen hina
laſen


