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U di Nr. 46.)
Weiſe Nahrung und Stärkung genoß.
ſeligen Weiſen Althotas, den wir in einer Kiſte mit uns
und Speiſen nahm und die Tafel deckte und ſervirte, ſchloß per Meiſter die Thüren und ſagte:
Dritte golge.
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Novellen-Zeitung.
Wer iſt Caglioſtro?
Memoiren⸗Novelle aus der Geſchichte des vorigen Jahrhunderts.
(Fortſetzung.)
VI.
Der Marquis hatte faſt die ganze vorige Nacht keine Kuhe genoſſen, denn er war mit der Einrichtung der egyp⸗ ſiſchen Loge, der Erbauung des Theaters beſchäftigt ge⸗ weſen, auf dem er verſprochener Maßen den Geiſt des ver⸗ ſchollenen Prinzen eitiren wollte. Während des Tages ulher hatte der Wundermann ſich ausſchließlich der Geſell⸗ ſchaft gewidmet, um durch ſeine Liebenswürdigkeit ſowohl ulss durch ſeine Wiſſenſchaft Anhänger ſeiner neuen Ge⸗ meinde zu ſammeln und zu bilden. Während der ganzen geit hatte er nichts zu ſich genommen; er hatte bei Tafel die feinſten Weine, die leckerſten Biſſen unberührt an ſich vwrübergehen laſſen, und keinen Augenblick hatte der Reichs⸗ graf ihn aus den Augen verloren, um ſich zu überzeugen, daß er trotz ſteter Heiterkeit und Aufgeregtheit in keiner
So trat Belmont durch Hunger und Durſt ganz er⸗
ſchöpft in ſein Zimmer.
„Zum Taufel jetzt mit dem Höheren!“ So fluchte er. „Jetzt raſch, raſch Etwas zu eſſen und zu trinken, und— etwas Feines, mein Junge!“
„Iſt ſchon geſorgt,“ antwortete Vivona pfiffig.„Der Koch bildet ſich noch immer ein, es ſei für den Geiſt des
führten. Was ſo ein Koch oft dumm ſein kann!“ Während Vivona aus einem Schranke Tiſchtuch, Teller
„So, daß uns Nie⸗ mand überraſche! Vor Allen Adelaide nicht! Und nun, mein Sohn, laß mich Menſch ſein, Menſch, ganz Menſch. Ich habe einen Hunger,— o einen Hunger, der bei der Belagerung von Jeruſalem noch aller Ehren werth geweſen
lus, den Champagner entkorkend,„warum Sie ſich frei— willig ſolche Tortur auferlegen. Gerade das Eſſen iſt doch das Beſte, was der Menſch thun kann!“ Und dabei wußte er an ein paar Paſtetchen zu zeigen, wie gern er ſelbſt es that.
„Sieh, lieber Sohn,“ erwiderte der Marquis kauend, „das verſtehſt Du nicht!— Gib mir Sardellen.— Das, was in mir wirklich das Große, Unerhörte iſt, wodurch der gütige Weltgeiſt vor allen meinen Nebenmenſchen mich ausgezeichnet hat, wie Du weißt—“
„Ja wohl, weiß ich!“ ſetzte Vivona hinzu, eine einge⸗
machte Orange hinunterſchluckend. „Das zu begreifen,“ fuhr Jener fort,„ſind die Men⸗ ſchen mit ihrem gemeinen, elenden, ſogenannten geſunden Menſchenverſtande viel— viel— zu gemein!— Die Trüffelnſauce her!“
„Ja wohl, ſie ſind gemein!“ beſtätigte Vivona, Cham⸗ pagner einſchenkend.
„Und darum,“ fuhr der Meiſter fort im Sprechen wie im Eſſen,„bleibt mir nichts übrig, als die Menge an meine Größe durch ſolches Poſſenſpiel glauben zu machen, das mir oft ſchwer, ach wahrlich ſchwer genug wird!“ Und er erſtickte einen gewaltigen Seufzer mit einem noch gewaltigeren Biſſen.
„Ach ja, ſo den ganzen Tag manchmal nichts zu eſſen, iſt keine Kleinigkeit,“ fügte Vivona aufrichtig theilnehmend hinzu.
„Aber willſt Du den Menſchen einmal etwas aufbin⸗ den, ſo mußt Du ihnen nichts halb, ſondern nur ganz Un⸗ vernünftiges aufbinden. Das merke Dir, mein guter Sohn. Sei ſtets radical— in der Lüge noch viel mehr als in der Wahrheit. Willſt Du den Menſchen das Mög⸗ liche wahrſcheinlich machen, ſo lachen ſie Dich aus; ver⸗ ſuchſt Du es aber mit dem Unmöglichen, ſo iſt es ihnen amuſant und Du thuſt ihnen einen Gefallen damit. Als ich der Univerſität in Bologna die neueſten großartigen Entdeckungen der Elektricität und des Magnetismus, des natürlichen und des thieriſchen, klar machen wollte, drohte man mir mit der Folter, wenn ich dieſe Wahrheiten nicht widerriefe. Ich bin kein Galilei, ich ging der Folter
— wäre! Rache lechzt mein ganzes Weſen, Rache für jeden aus dem Wege, lachte das„E pur il se muovet in mich ler Faſan, für jede Trüffel, die ich bei Tafel faſtend ver⸗ hinein, und ſeitdem hat man mir nie wieder mit der Folter nieſcheuen, ſchwinden ſah!“ gedroht,— ich habe nur gethan und geſagt, woran die ffm üs Bei dieſen Worten hatte der große Prophet ſeinen Welt Gefallen hatte.“
re langen Talar abgeworfen, über den kurzen ſchwarzen Und beſtialiſch vor ſich hinlachend rief er aus:„Und
reußen. von Attui
Sammet⸗Collet ſich die Serviette gebunden, und die Man⸗ ſchetten hoch in die Höhe ſtreifend, ſetzte er ſich haſtig und bequem an den wohlbeſetzten Tiſch.
nun gib mir Fleiſch, nichts als Fleiſch, Fleiſch zum Fleiſche, — haha, es iſt doch gut gemeint von meinem alten Freunde, dem Weltgeiſt, daß er uns Menſchen nicht reine Geiſter
„Ich begreif's aber auch nicht,“ frug ihn der Famu⸗
ſein ließ! Haha! Fleiſch! Fleiſch zum Fleiſche!“
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