Jahrgang 
27-52 (1856)
Seite
722
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Widmung.

In jeder Seele ſchläft ein ſtill Bedürfen, Den Traum der Kindheit wieder durchzuträumen, Aufs Neu' ihr ſorglos heitres Glück zu ſchlürfen, Zu ſchwärmen wieder in der Heimath Räumen, Denn ach, aus all' den Nöthen und Entwürfen, Die gleich der Meerfluth Brandung ſie umſchäumen, Keimt ſtetig wachſend endlich ſolch Bedrängniß, Als ſchmachtete die Seele im Gefängniß.

Dann ſtrebt ſie zürnend auf, ſich zu befreien, Miſcht Weh⸗ und Hülferuf, ſich zu erretten, Jedwede Tugend ſoll ihr Kräfte leihen,

Jedwedes Laſter ſtört ſie aus den Betten;

O ſeid gerecht und wollt es ihr verzeihen,

Daß ſie nur Gitter, Riegel ſieht und Ketten,

An Schranken, die der Himmel ſchuf zum Schutze, Vergreifend ſich in krankhaft frevlem Trutze.

Wer reicht die milde Retterhand der Kranken? Wer ruft zurück mit freundlich holdem Worte Die aufgeſcheuchten kindlichen Gedanken,

Die gläub'ge Treue zu dem ew'gen Horte?

Wer lehret ſie, daß, wenn auch Felſen wanken, Stets offen bleibt des Heiles ſichre Pforte

Und breit der Weg, auf dem ihr Rath beſchieden Und Troſt und jede Hülf' und ganzer Frieden?

Du ſchirmſt uns, Poeſie, du biſt der Seele Tiefinnerſtes Gebet und lautes Rufen. Du ſcheuchſt dahin die irdiſch kleinen Fehle Und leiteſt ſanft uns zu den Tempelſtufen; Ob wir vermeinten, daß er ſich verhehle, Wenn wir verſtörten Sinnes ihn gerufen, Du gibſt dem Auge wieder ſeine Klarheit Und zeigſt uns Gott in ſeiner ew'gen Wahrheit.

Du lehrſt die Seele wieder reines Schauen, Führſt wieder ſie in das verlor'ne Eden, Erneuſt in ihr das heilige Vertrauen,

Die keine Erdenmacht ihr darf befehden, Vermahnſt ſie, auf den Vater feſt zu bauen Und wie ein frommes Kind zu ihm zu reden, Zu unſrer Kindheit führſt du uns zurücke Und zu der Kindheit ſel'gem Engelsglücke.

Auch mir war ſchwer Bedrängniß nah, als ſchiede Die letzte Hoffnung ſich von meinen Wegen, Da fand ich dieſes Lied und aus dem Liede⸗ Quoll mir der wahren Dichtkunſt Hauch entgegen: In Glaube, Liebe, Hoffen Heil und Friede, Drum gönne mir's, vor Dir es hinzulegen, So nahin, geprüft in Trübſal, ſich dem Throne Der Ritter und die ſchöne Magelone.

Die ſchöne Magelone. Volksmärchen in zwölf Geſängen von Ellen. Gewidmet Ihrer Königl. Hoheit der Prinzeſſin Luiſe von Preußen. Lahr, J. H. Geiger(M. Schauenburg). 1856.

Novellen⸗Zeitung.

[II. Jahrg.

Schön Magelone.

Gern vernahm der ſchönen Magelone Lob der Ritter, doch faſt überkam ihn Zorn und Grauen, als der greiſe Hausherr Mit geſchwätz'ger Zunge alſo fortfuhr:

Vielumworben drum von ſtolzen Freiern Und von Königsſöhnen iſt die Jungfrau. Mancher hat vergeblich ſchon der Hoffnung Schaum geſchlürft, daß ſie ihm wohlgeneigt ſei. Doch nun hören, wahrlich mit Entſetzen,

Wir, daß Magelone von dem König

Heimlich angelobt dem rauhgeſinnten

Herzog Friedrich von Romagna. Grauſam Hält ſein Volk in feſtem Zaum der Herzog, Das ihm widerwillig dient. Aus niederm Blut hat er durch Mord ſich und Gewaltthat Ihm zum Herrn und Herzog aufgeworfen, Nennt ſich gleißend Friedrich von der Krone

Und bedroht mit Fehde jeden Nachbarn,

Der ihm abhold iſt. Die tapfern Männer

Von Neapel flüſtern wohl, es ſuche

König Magelon durch ſolch Verlöbniß

Mehr den Herzog zu des Landes Schützer

Und zum Bundsgenoſſen zu gewinnen,

Als daß er zum Eidam ihn begehre.

Denn in ſeinem Herzen ſei er gram ihm

Um der armen Magelone willen,

Deren Herz wie futdcher Schnee ſo rein ſei,

Auch ſo kalt noch und für Herzog Friedrich Nimmermehr in Liebe glühen werde. Aber ſeinem Volke, dem des Friedens G Heil er ſichern möchte, ſei gewillt er, Wie voreinſt der Grieche Agamemnon, Als ein königliches Opfer ſeine Heißgeliebte Tochter darzubringen.

Alſo geht bei allem Volk die Rede.

Unſre Frauen jammern und die Männer Grollen ſtill, denn lautes Murren ziemt nicht. Ach, die ſchöne Magelone ahnet 1 Nicht, welch düſter Schickſal ihr bevorſteht, 1 Sie iſt heiter wie der junge Morgen Und die Anmuth ſcheint in ihr verkörpert. Manche Kurzweil treibt man üebt bei Hofe, Und zu Ehren Heinrichs von Caprana, 2 Der dem Königshauſe ſtammverwandt iſt Und erſt kürzlich in Neapel ankam, Iſt ein feſtlich Rennen und Turnieren Auf den nächſten Sonntag ausgeſchrieben. Ach, dann werden wir die Blume aller ſ Schönheit nochmals recht im Glanze ſchauen, 1 Doch das Meſſer iſt bereits geſchliffen Für die Blume, denn in Herzog Friedrichs Rauhen Händen wird ſie nicht gedeihen.

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