V 714 Novellen⸗Zeitung. 1(II. Jahrg. A. —
ſpielen vortrefflich, Baron, aber ach! Sie ſpielen auch Der Baron gab mit geſteigerter Würde die Antwort: ſtec
nur!“„Die Diplomatie beſteht nicht nur darin, den Krieg zu brnn
„Ich ſpiele nicht, aber—“ drohen, ſondern vielmehr darin, trotz aller Drohung ihn
„Nun aber—?“ zu vermeiden. Die Coquetterie ſoll nicht nur mit der
„Ich erſchrecke,“ ſagte er ernſt.. Leidenſchaft ſpielen, ſondern auch ſtets ihr aus dem Wege „Worüber?“ frug ſie. gehen. Wiſſen Sie, daß es ſehr leicht iſt, in ſolchem in⸗
„So ehrlich geweſen zu ſein!“ nerlichen deutſchen Gemüthe eine Leidenſchaft zu wecken, ich „Abſcheulich!“ aber unendlich ſchwer, die erweckte in Schranken zu halten? 1 „Darf ich mich Ihnen denn ganz vertrauen?“ ſprach Und was ich Ihnen damals in Paris ſagte, als ich Sie iu, Ottomar.„Und Vertrauen, volles gegenſeitiges Ver⸗ zwang, den Prinz aus Ihrem Netze zu entlaſſen, das wie⸗ nan trauen wäre doch das erſte Recht jeder Leidenſchaft!“ derhole ich jetzt, Mademoiſelle: worauf der Ehrgeiz der fem
„Ihr Lebenskeim!“ gab Adelaide zur Antwort. franzöſiſchen Intrigantin in Ihnen ausging, des Prinzen 5.
„Und wenn ich dieſes Recht von Ihnen anerkannt ſähe, Gemahlin zu werden, das werden Sie nie und nie erreichen! ihe
Adelaide—?“ ſprach er mit weicher zitternder Stimme. Ich ſtehe dafür ein: Prinz Max und Prinzeſſin Amelie dir „Ottomar!“ ſo ging ſie in dieſen Ton ein. ſind für einander beſtimmt! Und Sie, Adelaide, wenn har „Ich meine, was würde dann z. B. mein Prinz Max Sie wollen, daß ich die Macht, die ich über Ihr Schickſal M
ſagen?“ erwiderte er, plötzlich mit ſchneller Wendung in habe, zu Ihrem Guten anwende, ſo wiſſen Sie, wie Sie 1
kalte Ironie verfallend. ſich mein Vertrauen erwerben!“
„Was geht Prinz Max mich an?“ rief ſie innerlichſt Durch dieſe Worte war der ganze Stolz der Künſt⸗ k betroffen.„Sie wiſſen, daß ich längſt.—“ lerin wachgerufen und empört rief ſie aus:„Was fällt an „Daß Sie unlängſt erſt ihm geſchrieben haben.“ Ihnen ein, Baron! Oder ſoll auch das eine Komödie ha
„Und wenn es wäre!“ ſein? Sehr ungeſchickt! Dann verbitte ich mir ein für de
„So wäre es gegen unſer damaliges Abkommen.“ alle Mal ſolche Fadaiſen! Kommen Sie mir nicht wieder han „Liebenswürdig, wahrhaftig,“ ſo ſuchte Adelaide das vor die Augen, wenn Sie mich höhnen wollen!“ her ſoo ernſt gewordene Geſpräch wieder in den früheren Scherz Damit drehte ſie ihm den Rücken und rauſchte mit O. überzuleiten.„Schon eiferſüchtig! Aber nur werden ſtolzem Gange davon, heftig hinter ſich die Thüre zu⸗ wĩl Sie nicht pedantiſch, Baron! Bleiben wir bei unſerer ſchlagend. det Pbhiloſophie. Ja, ich habe mit ihm coquettirt, und ich ſage„Sie iſt impertinent,“ ſprach Ottomar hinter ihr her: Suf Igdhnen, er war köſtlich, der kleine Prinz! Ich hatte ihm„ſo muß ſie ein gutes Gewiſſen haben. Der Himmel gebe, gro⸗ Feerlaubt mich zu lieben, und er war ſtürmiſch genug, noch daß ſich das noch erprobe! Und wie ſich auch Dein Stolz gut
immer die Erwiderung zu verlangen. Und nun denken empöre, ſchönes verführeriſches Mädchen, ich will doch 4
Sie ſich meine Verlegenheit: wenn ich ihm die Wahrheit Deinen Hochmuth brechen; zu meinen Füßen will ich Dich ing
ſagte, ſo war die Komödie aus, und ſagte ich ihm die Er- ſehen, von mir Dein Daſein erflehend, oder— der Prinz nhg widerung zu, ſo war die Coquetterie zu Ende. O fürch- ſoll das Recht haben, mich einen guten Kerl zu ſchimpfen!“ an terliches Dilemma! Sagen Sie, helfen Sie, Attachéè,— Lachend ſuchte mit dieſem Ausruf der Baron zum Rück⸗
was räth die Diplomatie in dieſem Falle zu thun?“ zuge ſeine Tapetenthüre, als der Prinz, aus ſeinem Ver⸗
ſchritt, Glaubens⸗ und Gewiſſensfreiheit wie Geſinnungstüchtig⸗ des Jahres 1848, und ein oftgenannter ſüddeutſcher Märzminiſter z
keit“; hier nöthigt Schiller’'s Angedenken dem Einen das Be⸗ findet ſich ſchon am 11. März 1849 zu dem Bekenntniſſe veranlaßt: Pr
kenntniß ab:„Mein Glaube iſt die Schönheit“; dort wieder heißt Die Freiheit lebt nur in dem Reich der Träume ä
es:„Schiller iſt der Saulus und Paulus der deutſchen Dichtung, Und alles Schöne lebt nur im Geſang. di
in ihm vermählen ſich Heidenthum und Chriſtenthum.“ Es läßt Eine preußiſche, nun geſtorbene Autorktät, die in Erfurt die 5
ſich denken, daß aus Schiller's eigenen Werken häufig beziehungs⸗ Spitze ihres Anſehens erreichte, ſchreibt vom Frankfurter Parla⸗ mn
volle Stellen aufgeführt werden.„Ehret die Frauen“, oder; mente aus: 2 h
„Eine lebendige Welt ewiger Bildungen“, oder:„Der Menſch iſt Innerlich Freiheit, äußerlich Maß in Allem und Schranke,
frei geboren, iſt frei“ u. ſ. w. durften nicht fehlen. Auch Schiller's Das iſt des Lebens Geſetz, wie zu dem Menſchen es ſpricht. 4
Form wird öfter nachgeahmt und die„Drei Worte inhaltſchwer“ Mitten unter den begeiſternden Lobſprüchen über die erhabenen d
z. B. werden zu„drei Blicken“, nämlich rückwärts auf ſein Tendenzen in Schiller's Werken nimmt es ſich etwas wunderlichu 8
Leben, in ſich und auf Gott. Zu bemerken iſt, daß die Blätter aus, wenn ein ſehr bekannter Geſchichtſchreiber von der Spre ſie
im Jahre 1848 verſendet waren und alſo meiſtens noch ſtarke bemerkt:„Jede patriotiſche, politiſche, ſittenbeſſernde, belehrende ſo.
Spuren jener gewaltigen Bewegung an ſich tragen. Und ſo heißt Dichtkunſt ſtürzt aus den wolkenloſen Höhen des Parnaſſes“; n
es denn auch gleich hier auf einem Blatte:„Der gegenwärtige welchen Worten ſich die Verſe des alten Arndt ziemlich ſcharf Pul
Kampf iſt ein heiliger Kampf“; eine ſehr hochgeſtellte Perſon⸗ widerſetzen, indem ſie es ſehr löblich finden, daß Schiller den ſ un
bemerkt:„was Poſa zu Philipp vergebens geſagt, ſei in manches deutſchen Herzen ſo viele„prometheiſche Flammen zugetragen“. Lerf
Fürſten Herz gedrungen“; der Kaiſerdeputation nach Berlin wird. Wie ein maßvoller Weiſer ſpricht daneben ein berühmter Orient⸗ b uür
(aus dem„Lager Wallenſtein’s“) zugerufen: reiſender aus München, indem er bemerkt:„es müſſe dicht Aufgabe ni
194 9,„, e. ſein, die höhern Volksclaſſen herabzudrücken, ſondern die niedern 4 Ee ſteht keine on⸗ j feſt ſo ſoc th! menſchlich emporzuheben.“ Auch hört es ſich artig an, wenn ein 7 er muthige Springer erreicht ſie doch⸗ evangeliſcher Biſchof bemerkt:„Schiller ſei nur darum ſeinen eine
Ein beliebter Luſtſpieldichter aus Wien ſchreibt, daß„die deutſche Deutſchen der Liebſte, weil er ihnen ſo ganz der Rechte ſei.“ 4
Literatur von Luther und Hutten bis Goethe, Schiller und Börne Es würde uns offenbar zu weit führen, wollten wir fortfahren, de
das wahre Vorparlament der Deutſchen geweſen“; ein anderer die vielen trefflichen und wohlgemeinten Sinnſchriften des Schiller⸗ Li
bekannter Luſtſpieldichter aus Köln weiſt Schiller einen großen albums zu charakteriſiren; wir wollen uns begnügen, nur noch eſ
Theil des Verdienſtes an der Bewegung jenes vielgenannten Jahres einige allgemeine Bemerkungen hier folgen zu laſſen. Es hat uns Y Lan
zu. Dagegen thut der liebenswürdige Geiſterſeher und Nachbar gefreut auch hier wie in Marbach ganze Gelehrtencorporationen deſ der„Weibertreue“ in Schwaben ſehr kleinlaut über„das Unglück“im Album aufgeführt zu ſehen, z. B. die geſammte philoſophiſche ſeher ——Q—Q—Q—Q—Q—Q—Q—Q—Q—Q—Q—— 1
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