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I
Nr. 45.] „Frau Marquiſe de Belmont?“ frug er boshaft. „Der Himmel bewahre mich davor!
Adelaide von Montpenſier. Sie wiſſen, daß mein herab⸗
gekommener Vater ſeinen Adel aufgegeben hatte, ich nehme
ihn wieder auf.“ „Sie machten ihm ſtets Ehre,“ ſagte Ottomar galant.
„Alſo noch Ihre eigne Adelaide!“
„Ach ja, eine einſame, verlaſſene, verzweifelnde Ade⸗
laide—“
„Sie haben Unglück gehabt?“
„Mein Schickſal iſt furchtbar verwirrt, ſeit wir uns nicht ſahen.“
„Warum entzogen Sie ſich meinem Schutze?“ frug Ottomar.
—
„Weil ich keinen Tyrannen dulden kann!“ gab ſie zur
Antwort.
„Mein Gott, ich war Ihr Sclave!“
„Sie verſtanden— Sie verſuchten, nach Ihrem Wil⸗ len mein Schickſal zu leiten, und deshalb— o, ich hatte
Urſache Sie zu fürchten, Ihnen zu mißtrauen, weil ich Sie kannte und weil ich Sie nicht kannte. Aber—“, ſagte
ſie wie neu auflebend,„ich bin eine Närrin! Ich ſagte Ihnen, ich ſei unglücklich, und ich bin ja glücklich, ſo über⸗ glücklich, daß Sie in meiner Nähe ſind.“
„Ich bringe auch eine Stützemit für Ihr— ſchwaches Herz!“
„Und welche?“
„Meine Philoſophie!“
„Ja, unſere Philoſophie: Das Leben iſt eine Ko⸗ mödie—“
„— und alle Liebe— Coquetterie!“
„Meinen Sie?“
„Wir aber die einzigen ehrlichen Seelen!“
„Weil wir eingeſtehen, daß wir nur coquettiren? O, leider, leider nur, weil Sie von Einem noch immer Nichts wiſſen!“
Dritte Jolge.
Ich bin noch
darauf, ich habe die Coquetterie zuerſt gemerkt!
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„Und dieſes Eine iſt—?“
„Die Leidenſchaft,“ ſagte Adelaide mit Betonung.
„Ei! Das Wort höre ich zum erſten Mal aus Ihrem Munde!“
„Ich glaubte nicht, daß Sie es kannten!“
„Ich kenne es nur von Einem Menſchen.“
„Und der Beneidenswerthe iſt—?“
„Ich bin es ſelbſt.“
„Sehr ſtolz!“
„Und vor mir ſelbſt oft ſo gedemüthigt!“ erwiderte Ottomar ſeufzend mit Ernſt und Wehmuth.„Wenn ich tage⸗ und nächtelang für die Fürſten, die mich in Dienſt nahmen, gearbeitet hatte, und dann jeder Nerv in mir lebendig wurde und ich mich frug: warum das Alles?— oder wenn ich, dieſes Warum zu übertäuben, geſchwärmt und genoſſen hatte und todtmüde mir ſagen mußte: was iſt Dir alle Luſt der Welt!— dann fühlte ich aus dieſer unendlichen Leere heraus eine Sehnſucht erwachſen, als müſſe es irgendwo ein Weſen geben, das mich allein aus dieſem Schmerze innerer Auflöſung erretten, das mir auf eins ein Gefühl der Einheit, Kraft, Liebe und Verſöhnung einflößen könnte,— und dieſe Sehnſucht, Adelaide, iſt ſie vielleicht das, was Sie eine Leidenſchaft nennen?“
„Sie ſprechen ſonderbar, ich kenne Sie nicht wieder,“ gab ſie, aufmerkſam ihn prüfend, zur Antwort.
„Wie erſt, wenn ich Ihnen nun ſagte, daß die Hoff⸗
nung ſolcher Leidenſchaft nach unſerer erſten Begegnung in Paris mich an Sie, Adelaide, gefeſſelt hatte, daß ich,
um Sie aus dieſen unwürdigen Banden zu reißen—“ Sowohl um ihre Verlegenheit zu verbergen, in welche dieſe Erwähnung Ottomars ſie verſetzen mußte, als auch um von dem Spiel nicht überliſtet zu werden, das er un⸗ ausgeſetzt mit ſeinen und Anderer Empfindungen trieb, unterbrach ſie ihn, lachend die frühere Neckerei wieder her⸗ beiziehend:„Bravo, bravo! O, ich verſtehe mich auch Sie
des Herrn Arthur oder des Herrn Guſtave geben.—„Corneille hat uns viel Schaden gebracht,“ ſagte die Beaupré, eine berühmte Schauſpielerin ihrer Zeit.„Ehedem hatten wir Theaterſtücke für drei Thaler, die man in einer Nacht ſchrieb; man war daran Zewöhnt und wir gewannen viel; gegenwärtig koſten uns die Stücke des Herrn v. Corneille viel Geld und wir gewinnen daran venig.“— Beſonders auf Hardy, den fruchtbaren Verfaſſer von 5600 Theaterſtücken in Verſen, ſpielte die Beaupré an, als ſie die
gute alte Zeit beklagte, in welcher eine Tragödie nicht mehr als
drei Thaler koſtete und in einer Nacht geſchrieben wurde. Alexan⸗ per Hardy ſtand im Gehalt einer Schauſpielertruppe, die er mit Tragödien verſehen mußte, ſo viel ſie deren bedurfte. Ein ſolches Abkommen war damals nicht ſelten. Beinahe jede Truppe hatte ihren Dichter, der auch, wenn es nöthig war, Aenderungen an den Repertoirſtücken vornehmen mußte, um ſie den Hülfsmitteln der Truppe und den Erforderniſſen des Augenblicks anzupaſſen. Sehr oft war der Dichter zugleich auch Schauſpieler, zuweilen ſogar Director. Die Zahl der Autoren⸗Schauſpieler des 17. Jahrhun⸗ derts, die wir hier anführen könnten, iſt ſehr groß von Molière dis zu Dancourt, von Baron bis zu Champmesle, Man fand uf allen Seiten in dieſem Verein ſeinen Vortheil. Die Autoren wurden von den Schauſpielern, in deren Solde ſie ſtanden, nicht ſehr geachtet. Später, als der Preis der Werke ine vernünftige Höhe erreichte, ſicherten ſich die Schauſpieler eine dinterthür, durch die ſie zum Theil zu ihren Koſten gelangen ſonnten. Dieſe merkwürdige Ausflucht war auf folgende Weiſe nöglich. Die Schauſpieler hatten das Recht, den Ertrag für ein Stück für ſich zu behalten, ſobald es einmal unter die geringſte Man begreift wohl, daß
es ihnen immer leicht war, dieſes Reſultat in dem Augenblicke her⸗ beizuführen, in welchem ſie es für zweckmäßig erachteten; dazu genügte, das beſte Stück an einem unpaſſenden Tage, z. B. wenn ein öffentliches Feſt ſtattfand, zu geben. Beaumarchais begann einen Kampf gegen dieſen Mißbrauch, der ſo zu ſagen zum unbe⸗ ſtreitbaren Geſetz geworden war, aber erſt unter der Revolution ganz geſtürzt wurde. a.
Zur Literaturgeſchichte. Das Weimariſche Schiller⸗Album von 1848.
(Aus Joſef Rank's„Schillerhäuſer“. Brockhaus' Reiſebibliothek, 1856.)
Das Album, das in Schiller's Studirſtube in ſeinem Hauſe in Weimar ausliegt, zwei prachtvoll gebundene Bände mit Schiller's Bruſtbild aus Elfenbein, haben die Buchhändler Janſen und Voigt geſtiftet und ließen vor mehren Jahren gegen tauſend Albumblätter von hier aus durch ganz Deutſchland zum Zwecke von Einzeichnungen verſenden. In Folge deſſen ſind etwa zwei⸗ hundert Blätter mit Namen von bedeutenden Autoritäten zurück⸗ gekommen. Viele von den Aufzeichnungen des Albums wären auch von allgemeinerm Intereſſe; da es indeſſen nicht erlaubt iſt, dieſelben ganz mitzutheilen, ſo wollen wir uns begnügen, eine kurze Charakteriſtik derſelben zu geben.—
Im Allgemeinen iſt natürlich viel von Begeiſterung und Ver⸗ ehrung für den großen Dichter die Rede, und zwar in Proſa und Verſen; Schiller wird ein„Lehrer und Freund“ der Menſchen genannt; an ſeinen Namen knüpfen ſich alle Ideen von„Fort⸗
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