überraſcht, rief Adelaide aus:„Was wollen Sie?
708 2 wiederum, erſchreckt durch die neue Entdeckung ihres Ge⸗ heimniſſes, in ihrem Mißtrauen gegen ihn erſchüttert war. „Aber wiſſen Sie denn wirklich Alles, Marquis? Und
Noveſſen⸗Zeitung.
wie— wie iſt das möglich?“ rief ſie in ihrem Ent- zu Hofe gehen als an meiner Seite; Sie werden bei Hofe mit Niemandem ſprechen, ohne daß ich es höre. Sie haben
ſetzen aus.
„Ob es möglich iſt, mögen Sie prüfen, und wie es möglich iſt, muß meine Sache ſein. Wenn Sie aber da⸗ nach neugierig ſind, ſo iſt Ihre Verſchloſſenheit jedenfalls das ungeeignetſte Mittel, um darüber Aufſchluß zu er⸗ halten!“
„Aber wenn Sie von meinen Beziehungen zu dem Prinzen wußten, warum frugen Sie mich nicht früher ſchon danach?“
„Ich habe es Ihnen ja oft geſagt, ſelbſt mein Geiſt vermag nicht in einem Augenblicke Alles zu erfaſſen; ſo⸗ bald er aber auf einen beſtimmten Punkt all' ſeine Auf⸗ merkſamkeit lenkt, wird er Alles davon wiſſen. In dem
Augenblick, als der Prinz mir entgegentrat, wußte ich, was
ihn angeht und Sie! Und in demſelben Augenblicke faßte
ich den Entſchluß, um Ihres eignen Beſten willen meine
Macht über Sie von nun ab anders anzuwenden, als bis⸗ her. Sie wollen nicht freiwillig mir gehorchen, ſo werde ich Sie zum Gehorſam zwingen; ſie wollen in freiem Willen Ihr Glück nicht ergreifen, ſo werde ich Ihr Glück Ihnen aufdringen!“
Von dem plötzlich veränderten Ton des Geiſterſehers
ſinnen Sie?“
„In meinen nächſten Schutz Sie ziehen,“ erwiderte er, feſt ihre Hand ergreifend, mit gewaltigem Ernſte:„Sie dürfen nicht mehr wie bisher ſich ſelbſt überlaſſen bleiben—“
„Mein Gott, ich durfte ja ſchon immer mit Nie⸗ mandem verkehren, Sie hielten mich ja faſt wie eine Ge⸗ fangene—“
„Sie werden jetzt völlig eine Gefangene ſein. Seit ich ſehe, daß Sie mir nicht trauen, daß ich Ihnen noch
Was
immer nicht trauen kann, werde ich eine ſtrenge Grenze gegen die Umgebung ziehen, die in dieſem Schloſſe ſich an Sie drängen dürfte. Sie werden nicht ohne meine Er⸗ laubniß dieſe Ihre Zimmer verlaſſen; Sie werden nicht
jetzt meine Befehle vernommen, Adelaide—“
„Befehle?“ ſo ſuchte ſie gegen ſeine Macht ſich zu empören.„Befehle— mir? Herr Marqauis, ich habe nie in meinem Leben einem Manne gehorcht, und meinen Sie, ich würde Ihnen folgen, einem—“
Sie unterbrach ſich, von ſeinem imponirenden Blicke zur Ruhe verwieſen, und er vollendete mit gelaſſenen Hohne ihre Rede:„— einem Teufel, wollen Sie ſagen! So ſagen Sie es doch, und weil Sie vielleicht recht da⸗ mit haben, ſo ſagen Sie und— folgen Sie dennoch, oder—“
„Nun oder—? Was— oder? Herr Marqguis, etwa: oder wir haben nichts mehr mit einander gemein! Ei nun, wenn Sie es durchaus meinen, ſo— machen ſie es doch wahr! Geben Sie mir für die 20,000 Francs, meine ganze letzte Jahresgage vom Théatre Royal, die ich Ihnen zahlte, die gewünſchte Aufklärung, und— gut denn, wir haben nichts mit einander gemein!“
Der ſtolzen Entſchiedenheit gegenüber, mit der ſie das ſprach, lenkte der Marquis denn doch ein wenig ein und beruhigend redete er ihr zu, den väterlichen Ton einſchla⸗ gend, den er ſich bisweilen herausnahm, wenn er als der hohe Meiſter ſeinen Jüngern imponiren wollte:„Willſt Du noch immer von der unglückſeligen Leidenſchaft nicht laſſen? Der Mann, deſſen Aufenthalt Du wiſſen willſt, iſt mit falſchem Namen Dir genaht, und weil meine Geiſter ihn nur bei dem Namen kennen, den die Taufe ihm gab, ſo können ſie ihn nicht finden. Dennoch habe ich Zeichen, — an der Unruhe Deiner Seele, an dem elektriſchen Schlage Deines Pulſes, an der geſteigerten Ausſtrömung
Feuilleton.
—ae
Bos von Beénac. Eine Legende.
Bos von Benac, ein tapferer Ritter, vom heiligen Ludwig beehrt mit ſeiner Freundſchaft, machte mit dieſem den Kreuzzug nach Egypten und tödtete hier zum Heile ſeiner Seele viele Sara⸗ zenen; endlich erlagen die Franzoſen in einer großen Schlacht und
os von Bénac blieb für todt auf dem Schlachtfelde liegen. Doch er war nicht todt, ſondern ein ſchlimmeres Loos ſollte ihm werden. Die Ungläubigen ſchleppten ihn gefangen mit ſich fort und zehn Jahre lang mußte er unter heißem Sonnenbrande ihre Heerden hü⸗ ten und wurde viel mißhandelt, weil er Chriſt und Franke war.
Als er eines Tages in einer öden Gegend ſein Schickſal laut beklagte, erſchien plötzlich an ſeiner Seite ein kleiner ſchwarzer
Menſch mit Hörnern auf der Stirn; der Bos war ſo daran ge⸗
wöhnt, häßliche und ſchwarze Leute zu ſehen, daß er nicht einmal das Zeichen des Kreuzes ſchlug. Dies machte ſich der Teufel, denn er war es in eigener Perſon, zu Nutze und ſagte mit höhni⸗
ſchem Gelächter:„Bos, was nutzt es Dir nun, daß Du für Deinen ſuch ſchuldig bei Deiner Rückkehr in das Land.
Gott gekämpft haſt? Du biſt hier der Knecht meiner ſchwarzen Knechte und die Hunde Deines Schloſſes werden beſſer behandelt
S—
als Du. Man hält Dich für todt, und morgen vermählt ſich Deine Gattin. Geh jetzt und melke Deine Schafe, edler Ritter.“ Bos ſtieß einen lauten Schrei aus und Thränen entſtürzten ſeinen Augen, denn er liebte ſeine Frau gar ſehr. Da that der Teufel, als empfände er Mitleid mit dem Armen, und ſagte:„Ich bin nicht ſo boshaft, wie Deine Prieſter ſagen. Du haſt Dich tapfer geſchlagen, und ich liebe die Tapferen. Dieſe Nacht noch ſollſt Du in Deinem ſchönen Vaterlande ſein, und ich verlange dafür nichts, als eine Schüſſel mit Nüſſen von Deiner Tafel. Nun, Du zögerſt noch? Bildeſt Du Dir etwa ein, die Rüſſe hätten eine Seele? Entſcheide Dich raſch, denn ich habe nicht viel Geduld.“ Bos vergaß, daß es eine Todſünde ſei, dem Teufel irgend etwas zu geben, und reichte ihm die Hand; ſogleich wurde er in einem Wirbelwinde davon getragen, und durch die Lüfte fliegend erblickte er wenige Augenblicke ſpäter die ſpitzen Gipfel der Pyre⸗ näen und war von Freude erfüllt. Dann ſagte der Teufel zu ihm:„Bos, komm zunächſt zu meinen Dienern auf dem Berge. Du biſt ihnen wohl einen Be⸗
II. Jahrg. 4
Sie ſind ſchöner als die Engel und werden Dich lieben, weil Du mein Freund biſt.“ Der edle Ritter entſetzte ſich davor, der Freund des Teufels
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Ibrach 9
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