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über und erwiderte auf des Prinzen an ihn gerichtete Frage:„Denken Sie, mein Prinz, daß wir Beide Narren ſind, wenn wir nicht Freunde werden. Haha, verzeihen Sie dieſen Schreckſchuß. Nichts weiter war es! Sie werden doch nicht glauben, daß ich gegen meine ſcheckige Durchlaucht, die ich auf den Knien geliebkoſt habe, jemals Geiſter beſchwören würde? O, wir ſind ja Beide viel zu aufgeklärt, als daß wir uns nicht verſtändigen ſollten! Sie werden mich achten lernen, mein Prinz! Seien wir Freunde und es wird Alles uns Allen zum Beſten werden.“ Er drückte dem Prinzen die Hand und wandte ſich dann
ſan den alten Herrn:„Und Sie, Erlaucht, mein hoher
Gebieter, verzeihen Sie dieſen Auftritt an dieſem Tage!“ „Ihr habt mich noch nie ſo wie heut erſchreckt. Um Himmelswillen, meint es gut mit uns!“ Das war Erlauchts Antwort, und in demſelben Augen⸗ blicke ertönte des Ausrufers Parole:„Monseigneur, il est servl.“*
„Die Freude der Tafel ſoll die letzte Erinnerung die⸗
ſes Auftrittes tilgen. Zu Tiſch, Erlaucht, zu Tiſch!“ ſo rief Belmont freudig. Reichsgraf.
„Allerdings hat Ihr Diener,“ ſagte Belmont launig, „ſeit dem Jahre 1510 keinen Biſſen zu ſich genommen, weil jedes Irdiſche in mir den ſeindlichen Geiſtern Raum
gibt. Ich trank 1553 den letzten Tropfen Wein; aber ich will Erlaucht heute ſelbſt einen Champagner ſprudeln laſſen,
— die ewig jüͤgendliche Friſche meines Witzes, daß Er⸗ laucht lachen ſollen, lachen wie je ein König von Frankreich V bei Tafel lachte!“
„Mehr als zweihundert Jahre keinen Wein!“ ſtaunte Erlaucht ihn an.„Ich hielt es nicht zwei Tage aus. Par- pleu! Marquis, ich fange an Sie zu bewundern,— das heißt,“ ſo verbeſſerte er ſich ſchnell,—„ich habe längſt,
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aber das, nein, das geht über alle Begriffe!
Novellen⸗Zeitung.
Was wiſſen Sie von Tafelfreuden!“ ſcherzte der
Mit dieſen Worten bot Erlaucht der ſchönen Adelaide den Arm, der Marquis führte Minette, mit der er bereits in zärtlichſtem Einverſtändniß war, und ſo brach die ganze Geſellſchaft in den nebenan gelegenen Speiſeſaal auf.
Amelie aber wartete vergeblich, daß der Prinz ihr ſeine Führung anbieten ſolle; ſie mußte am Arme des Hofpoeten zur Tafel gehen, traurig ſich nach Marximilian umſehend, der wie verſteinert und an den Boden gewachſen an der⸗ ſelben Stelle ſtehen blieb.
„Steht denn die ganze Welt auf dem Kopfe? Sind das meine biederen verſtändigen Verwandten? Dieſe, dieſe, war das meine Adelaide?— Allbarmherziger Himmel, habe ich ſelbſt noch meinen geſunden Verſtand?“ ſo rief er beſtürzt, verwirrt vor ſich aus.
„Nein!“ erhielt er plötzlich zur unerwarteten Ant⸗ wort, indem er eine Hand auf ſeiner Schulter fühlte.
Er blickte um ſich und hätte vor Schreck in die Erde fahren mögen, denn dort vor ihm ſtand der Marquis de Belmont zum zweiten Male, während er ihn ſchon einmal dort durch die Thüre an der Tafel ſich niederſetzen ſah.
Das Geſicht im Schreck mit den Händen bedeckend ſchrie Maximilian laut auf.
Die Dienerſchaft, die Gäſte eilten herbei. Die Geſtalt war verſchwunden, aber mehr als ein halb Dutzend Leute hatten den Marquis zwei Mal auf ein Mal geſehen.
Eine ſchwere, ſtaunende und ſchreckenvolle Stimmung hatte ſich über die Tiſchgeſellſchaft gelagert. Wer aber nicht am wenigſten dieſe ſtaunende und ſelbſt ſchreckenvolle Stimmung auf ſich ruhen fühlte, als alle Welt mit Grauen ihn betrachtete, weil man ihn doppelt geſehen hatte, das war— Marquis de Belmont ſelbſt.
V(Fortſetzung folgt.)
Aus der neuen Welt.
Ein neuer amerikaniſcher Roman.
Marion Harland: The Hidden Path.— Dürr'’s Col- lection of Standard American Authors. Vol. 21.— Leipzig 1856. Der dunkle Pfad. Roman in drei Bänden. Von Marion Harland. Deutſch von A. Kretzſchmar.— Leipzig, Einhorn’s Verlag, 1856.(Beitrag zum„Leipziger Leſecabinet“.) Wiederum ein amerikaniſcher Roman, der wie„Onkel Tom“ und„Die weite, weite Welt“ große Verbreitung in Deutſchland findet. Dem Inhalt nach iſt es ein Seitenſtück zu„Jane Eyre“, dder Waiſen von Lowood, ein Gouvernanten⸗Roman, und zugleich Qeeiine Verherrlichung des weiblichen Schriftſtellerthums. Alſo auch Du, große neue Welt jenſeits des Oceans, haſt ſchon Deine Blau⸗ ſtrümpfe und Deine Blauſtrumpfliteratur? Du kannſt Dir übri⸗ gens gratuliren, ſo viel geſunden Sinn und praktiſche Lebenskraft aauch in dieſer Seite Deines Lebens zu offenbaren. Selbſt Deine Caaltjungferliche Schönſeligkeit iſt kräftig und thätig und ſchreckt naicht davor zurück, in einem bunten, rückſichtsloſen Leben ſich ſelbſt eeiine Bahn zu brechen!— Der Roman iſt vom Standpunkte des Frrauenherzens geſchrieben; wie ſie gegen die beiden Heldinnen der V Erzählung, die Gouvernante und die Schriftſtellerin, ſich beneh⸗ men, danach allein iſt der Werth der Männer abgeſchätzt. Dabei muß man geſtehen, daß die Abneigung vornehmlich die Feder der Verfaſſerin zu ſchärfen verſtanden, und die von ihr übelwollend aufgefaßten Charaktere, beſonders der Stiefvater, Mr. Snowden, uunnd Willard, der treuloſe Geliebte, ſind mit höchſt eingehender und
ſicherer Charakteriſtik geſchildert. Nur iſt es bezeichnend für den
Geſichtspunkt der Verfaſſerin, daß z. B. alle Schuld des gebroche⸗ nen Verhältniſſes auf den Liebhaber geſchoben wird: wenn zwei Perſönlichkeiten, die einander nahe zu treten verſuchten, in ihren Anſprüchen und Anſichten ſo verſchieden ſind, daß ihre Verbindung einer ewigen Disharmonie entgegen gehen würde, iſt es dann nicht ein Verdienſt deſſen von beiden, der dieſe Differenz zuerſt begreift, daß er ihre Folgen zu verhindern ſtrebt?— Im Uebrigen iſt das Buch in der Weiſe der engliſchen biographiſchen Romane angelegt, die ihre Helden von der Wiege bis mindeſtens zur Verheirathung ver⸗ folgen; es leidet hie und da an Breiten, zeugt aber doch von einem tiefen Verſtändniß der epiſchen Form und bietet Partien von vor⸗ trefflicher Wahrheit oder Anmuth der Schilderung.— Auch dieſer „Dunkle Pfad“ iſt uns ein werthvoller Beitrag zur Kenntniß des amerikaniſchen Lebens und gibt von neuem Kunde von der äͤſthe⸗ tiſchen Richtung der feinſten Humanität, die ſich aus dem Chaos dort emporzuarbeiten vermochte.
Die Schriftſtellerinnen auch unter den Yankees können ſich kleiner Perſönlichkeiten und Häuslichkeiten nicht enthalten. So wird hier bei Gelegenheit eines Geſpräches über weibliche Er⸗ ziehung Frau Beecher Stowe herangezogen, um als abſchrecken⸗ des Beiſpiel einer Frau, die die Hauswirthſchaft nicht verſteht, zu gelten., Mein Himmel,“ ſo heißt es,„ich denke immer noch dar⸗ an, zu welchem Diner ich mich einmal niederſetzte, in dem Hauſe eines vornehmen Mannes. Wir waren unſrer zwanzig— einge⸗
ladene Gäſte, und Sie werden mir kaum glauben, liebes Kind,
die ſämmtlichen Gerichte beſtanden in einer Seite Speck, einem
Schinken, und zwiſchen den Salz⸗ und Pfefferbüchſen einem Teller geſchnittener Gurken mit einer rohen Zwiebel oben darauf. Ich werde niemals vergeſſen, wie verlaſſen dieſe arme Zwiebel ausſah.
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Mrs. einen Als S elklär damit thum⸗ muß,
I Oppos. Uifetm dle ac Erfurt,


