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Nr. 44.) Dritte folge. 695
Hauptſache, und das iſt meine ſchwierige Aufgabe, das wie das Mieder einer Schäferin, vereinigte mit den Hüften Gold, das da iſt, zu denken, d. h. hinübetzutragen in das einer Venus dieſen Buſen einer Diana, über dem der Reich der Begriffe, und das kleine allerliebſte Kunſtſtück⸗ ſtolze Schwanenhals ſich erhob mit einem kleinen Haupte, chen unſers bewundernswürdigen Marquis iſt nun das, auf welchem die antiken Schlangen der Meduſe nach den daß er das Gold, das ich dort hinübergetragen habe, wie⸗ verwegenſten Syſtemen des gothiſchen Stiles ſich zu dem der zurück hinüberträgt in dieſe Welt der Wirklichkeit, und Höhepunkte dieſer Wundererſcheinung, dem merkwürdig⸗ ſo wird eben philoſophiſch Gold gemacht! Das iſt ſo klar ſten Rokoko⸗Bauwerk, einem Meiſterſtücke damaliger mo⸗ wie die Sonne!“ derner Friſirkunſt, gegipfelt hatten. Während der große
Dem Reichsgrafen kam die Sache durchaus nicht ſo Virtuoſe mit Haar und Puder hier ein gewiſſes Etwas klar vor, da er aber nun einmal ſich vorgenommen hatte, künſtlich conſtruirt hatte, das bald ſo ausſah, als bilde es der neuen Weltanſchauung nicht mehr zu widerſprechen, große orientaliſche Lotosblumen nach, die wollüſtig träge
um nicht als ein bornirter Menſch ſich kund zu geben, ſo nach jenem ſchönen Marmornacken ſich ſenken,— bald ſo,
fonnte er mit nichts als einem ſtaunenden„Ah“ antwor⸗ als ſei hier ein geologiſches Bild der Urwelt gegeben, in ten. Der Hofpoet ſetzte darauf noch ein ſehr beſtimmtes der aus dem Chaos Geſtalten ſich ringen, die noch nicht „Ja“, eingegeben von der ganzen Zuverſicht ſeiner Weis⸗ wiſſen, was ſie ſind und ob ſie ſind,— bald ſo, als ſähen
beit; worauf denn Erlaucht die letzte Möglichkeit eines wir ein Neſt behaglich ſpieleriſcher Kätzchen in dieſem be⸗ Widerſpruches in noch einem höchſt melancholiſchen„Ah“ V neidenswerthen Paradieſe gelagert, kurz, während all'
unterdrückte. dieſer Mannigfaltigkeit ſtrahlte das Antlitz der bewunderns⸗ Damit öffnete ſich die weite Flügelthüre des Salons, würdigen Dame in einer einfachen, ruhig würdigen, me⸗ der Ausrufer meldete:„Mademoiſelle Adelaide de Mont⸗ lancholiſch geiſtigen Schönheit, für die bei allen denen, die penſier,“ und den ſtaunenden Augen entgegen trat eine es ſchon einmal geſehen hatten, es nur einen Ausdruck, Geſtalt, in der Jugend, Schönheit, Grazie, Geſchmack, V nur einen Namen gab, den Namen Adelaide! Modeund Koſtbarkeiten, Stoff und Farben, Schnitt und Die verſammelte Geſellſchaft hatte dieſe Geſtalt noch Geſtalt, Sammet und Seide, Puder und Brillanten zu nicht geſehen, hatte dieſen Namen noch nicht gehört; man dem feenhafteſten Anblick vereinigt waren, der all' den An⸗ war für den erſten Augenblick in die Stimmung verſetzt, weſenden jemals in einer eleganten Dame begegnet war. nach dem vielen Wunderbaren, das man in den letzten All' die maleriſchen Figuren, welche die Phantaſie ſich dar- Tagen erlebt hatte und das für die nächſten Tage ver⸗ ſtellt als die vorzüglichſten Repräſentanten weiblichen V ſprochen war, auch dieſe Erſcheinung für ein Wunder zu Zaubers, ſie waren hier in ein einziges großes Wunderreich halten; erſt allmählich beſann man ſich darauf, daß der verſchmolzen: über dieſem kleinen, faſt ſchlangenartig Marquis von ſeiner Begleiterin geſprochen hatte, der ſchlanken Fuße der Balldame ſchmiegte ſich pomphaft präch⸗ ſchönen, engelgleichen Schülerin, die er mit ſich führe, die tig die ſchwere Schleppe der Königin; über dieſer hatte in er mit ſich in das Schloß einquartiert hatte, die aber noch den reichen Volants von weißem Flor die Fee gewiſſer⸗ Niemand vor die Augen bekommen. maßen ihr duftiges Wolkenzelt aufgeſchlagen, in welchem Während Erlaucht wie verſteinert mit großen offenen in friſchen Roſenbouquets zahlloſe neckiſche Amoretten ſich V Augen dieſe Feenerſcheinung anſtarrte, ſammelte Minette verſteckt hatten; dieſe blaue Atlastaille, einfach und knapp ſich mit Mühe zu den nothdürftigſten Bewillkommnungs⸗
mnit ihrem Faziolo. Eines Tages wollte ſie einen Hut mit Federn Aus der ichte haben; alle meine Gründe, mich dieſer lächerlichen Verkleidung zu V Seſ hies widerſetzen, waren nutzlos. Dann verlangte ſie die Kleidung einer Arſprung der Fuchstauſe.
vornehmen Dame. Sie wollte ein Schleppkleid haben; Widerſtand Unter dem Titel„Altdeutſcher Studentenſpiegel“ hat Karl⸗ war unmöglich und ſie zog ihre verwünſchte Schleppe nach, wo ſie Seifert, der fleißige culturhiſtoriſche Mitarbeiter des„Bremer ving und ſtand. Sonntagsblattes,“ ein Heftchen herausgegeben, in dem er alte
„Sie liebte mich mit ungemeiner Heftigkeit. Aneinem Herbſt⸗ Studentenſitten aus den Quellen ſchildert, um daran als Beiſpiel tage war ich mit meinen Gondolieren nach dem Lido gefahren; ein zu zeigen, daß die Bildung und Geſittung der Welt fortſchreite. veftiger Wind überfiel uns und brachte uns in Gefahr. Die Gon⸗ Und wahrlich er kann furchtbare Thatſachen alter eingebürgerter del war voll Waſſer, das Steuer gebrochen, das Meer ſehr ſtür⸗ Rohheit citiren. Dem Leſer werden einzelne Daten über die
niſch; der Regen goß in Strömen herab, wir ſahen die Nacht ein⸗ früheren Geſetze des„Pennalismus“, der Abhängigkeit der
brechen, und der Wind legte ſich noch nicht. Endlich kehrten wir jüngeren Studenten von den älteren, merkwürdig genug erſcheinen. nit großer Anſtrengung nach Venedig zurück und ich erblickte Es heißt: Wir müſſen uns eines Brauchs erinnern, welcher ſchon Margarita auf den Stufen vor dem Palaſt Mocenico, die Augen in weit älterer Zeit ſtattfand, im ſiebzehnten Jahrhundet aber ſich in Thränen gebadet, die Haare aufgelöſt und vom Regen durch⸗ ſo zum Mißbrauch ſteigerte, daß er zu ſeiner Vernichtung reif näßt. Mit ihrem bleichen Geſicht und ihren feurigen Augen über wurde; es iſt die Depoſition oder die ceremonielle Aufnahme, das zu ihren Füßen tobende Meer ſchweifend, glich ſie der Medea, wodurch der die Univerſität beziehende Bean(Beanus von dem die aus ihrem Wagen herabgeſtiegen, oder dem Gott des Sturmes; romaniſchen bec jaune, Gelbſchnabel) zum jungen Studenten
fein anderes lebendes Geſchöpf war da, uns bei unſerer Ankunft oder Pennal aufgenommen wurde. zu begrüßen. Als ſie mich ſah, eilte ſie nicht auf mich zu, wie Es iſt ein uralter Brauch, der ſich bis auf unſre Zeit in nan dies hätte erwarten dürfen, ſondern ſie rief:„Ah! cun della ſchwachen Spuren erhalten hat, daß ein Großjähriger oder Mann⸗ Madonna, nad esta per andaa all' Lido!“— und dann prügelte barer, der in einen Stand oder eine Genoſſenſchaft trat, ſich einige fie alle Welt, die Gondoliere und die Bedienten.“ Mißhandlungen und Thätlichkeiten gefallen laſſen mußte. Das Byron ſagt nicht, ob er ſelbſt auch Schläge bekommen habe, war dann das letzte Mal, daß man ſeinen Leib ungeſtraft mit uber es ſcheint mir kaum zweifelhaft zu ſein, denn wie Voltaire Stoß oder Schlag berühren durfte, denn nach dieſer erſten und agt, wird im Theater nicht bloß der ausgepfiffen, der es will, und letzten thätlichen Beleidigung von Seiten ſeiner Standesgenoſſen Byron ſelbſt ſagt: in der Liebe bekommt nicht bloß der Schläge, war er ebenſo ehr⸗ und wehrhaft wie dieſe ſelbſt; vom Ritterſchlag der ſie verlangt. a. bis auf die Ohrfeige, welche der Altgeſell dem in den Geſellenſtand 5 eintretenden Lehrling gab, ward auf verſchiedene Weiſe der Neu⸗


