Jahrgang 
27-52 (1856)
Seite
693
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Erbverbrüderungsvertrages, Sachkenntniß des Wundermannes faſt glauben muß,

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Ihr ſprecht mir zwar immer von franzöſiſcher Lebens art und Etiquette; mir aber will dieſe Lebensart gar nicht gefallen, die mich immer und ewig an meinen letzten Willen erinnert. So brummte der Reichsgraf traurig vor ſich hin.

O mon frère! war Minettens einzige Antwort.

Ja, ma socur! erwiderte er.Damit ich Deine ſeinen oder unfeinen Anſpielungen, die mich auch heute an meinem Geburtstage wieder verfolgen, endlich los werde, ſo hört denn, wie ich mein Teſtament zu machen entſchloſ ſen bin.

Bei dieſem Gedanken konnte er nicht umhin, eine Thräner ſich aus dem Auge zu wiſchen, und ſich ſeiner eigenen Schwäche ſchämend, ſetzte er hinzu:Ach ja, es iſt hohe, hohe Zeit, ich treibe es nicht mehr lange ſo. Ich ſeh's, ich habe mich überlebt; eine neue Zeit kommt, die Alles umkehrt. Was früher unmöglich war, iſt heute alltäglich, was Wahnſinn war, wird Weisheit, was Vernunft, wird Unſinn.

Welt; ich muß zu Grunde gehen, oder meinen alten geſun den Menſchenverſtand auf den Kopf ſtellen, und der Himmel ſteh' mir bei, daß Ihr mich nicht auslacht das iſt bei meinen Jahren keine Kleinigkeit mehr.

O lieber, guter Onkel, ſagte die ſanfte Amelie, mit

folge.

ganze Wirthſchaft,

Ich bin ein einfacher, ungebildeter alter Knabe und habe keine Befähigung für das Höhere und dieſe neue

yren ſammetnen Händen ihm die runzligen Wangen⸗ tröſt⸗

lich ſtreichelnd.

Ja, ja, Du biſt ein liebes, treues Herzchen, erwi⸗ derte er, gab ihr während eines wüthenden ſtechenden Blickes von ſeiner Schweſter einen Kuß und fuhr dann, ſich ſammelnd, fort:So hört. Ich habe alſo dieſen wunderthätigen Marquis hier aufgenommen, damit er über des ſeligen Gottfrieds Ende mir Documente gperſchaffe. Habe ich dieſe und beſtätigt ſich dann die Aufhebung des

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was ich bei der genauen

dann verfüge ich ſo über meine Grafſchaft: Nimmt Prinz

Maximilian Dich, Du kleine große Heirathsluſt zur Frau, ſo wandte er ſich an Amelie,dann ſoll aller Zwieſpalt zwiſchen mir und ſeinem Vater ausgeglichen ſein und in freier Machtvollkommenheit ſetze ich Euch beide zu meinen Erben ein. Thut er das aber nicht, dünkt er ſich zue ſtolz dazu, und er ſoll bei ſeinem Vater ſowohl als in fremden Landen eine hochmüthige Geſinnung angenommen haben, dann nun, der und jener hole dann die dann erbt Minette, und ſie mag dann den Marquis Belmont oder den Herrn mit Schwanz und Pferdefuß ſelber zum Reichsgrafen machen!

Quelle raillerie! ſo rief Minette aus, als wolle ſie vor Schreck über ſolchen Scherz in Ohnmacht fallen.

Das aber ſage ich ihr, fuhr der Reichsgraf fort, ohne an die Möglichkeit ſolcher Zufälle zu glauben,bald muß der Marquis die Documente ſchaffen. Denn ſeit der Junge, der Prinz Maximilian, hier iſt, zittere ich am ganzen Leibe, als hätte ich ein böſes Gewiſſen. Ich weiß ja doch wahrhaftig nicht, wie ich ſo vor ihn treten ſoll!

Erlaucht iſt ein gutes, herrliches Onkelchen, ſagte Amelie, von neuem ihn ſtreichelnd.

Er iſt ein blöder deutſcher Michel! voilh tout! keifte Minette vor ſich hin.

Man war bei dieſen Worten auf dem Gange durch die Hauptgalerie des Schloſſes in den Empfangſalon einge⸗ treten, in dem die Beamten und Hofcavaliere verſammelt waren, um Erlaucht ihre Huldigung zu der Geburtstags⸗ feier darzubringen.

Ein Tuſch mit Pauken und Trompeten empfing die Eintretenden.

Dann trat der Hofpoet Hofrath Profeſſor Wagner,

der würdige Voltaire von Sayn⸗Sayn⸗Kiffhauſen, mit

Pſerde gehoben, um in eine Gondel zu ſteigen, die ganz aus Sammet und Seide beſtand. Ach welch eine Fahrt! Aber Ihr oßt ja keine Auſtern mehr, Ihr Herren?

In der That verzehrten wir begierig den Roman, den ſie uns

iim venetianiſchen Dialekt und mit ſo pomphaften Bildern erzählte,

Sie fuhr fort: Ich war glücklich, er

als ob Byron ſelbſt durch ihren Mund ſpräche. Wir legten am Palaſt Mocenico bei.

ſchrocken, außer mir. Ein Palaſt, ein großer Herr, viche Lakaien,

während meine Mutter mich am Rialto zum Abendeſſen in unſerer Hütte erwartete; meine Mutter eine Fiſchhändlerin! Die Lakaien riſſen die Augen auf, groß wie die Vogenfenſter des herzoglichen Palaſtes; ich wagte es nicht, vor ihnen vorbei zu gehen, aber er, der mich ſchon liebte, ſtützte mich mit ſeinem Arm und führte mich nach ſeinem Zimmer. Sobald er die Thür geſchloſſen hatte, gab er mir einen türkiſchen Cachemir und befahl mir, mein Gewand zum Fenſter hinauszuwerfen; er erwartete mich zum Abendeſſen und wollte nicht, daß mein ärmliches Gewand mit von dem Feſte ſein ſollte. 7.

Am nächſten Tage ſagte er mir, daß eine Gondel meiner am Thore des Palaſtes warte, um mich zu meiner Mutter zu bringen. Ich will nicht zu ihr, ſagte ich ihm. Er bat, er befahl; ich blieb unerſchütterlich.Kann ich es jemals wieder wagen, mich der Sonne des Rialto zu zeigen? fragte ich.Meine Mutter

wuürde mich ſchlagen; doch nicht meine Mutter iſt es, die ich fürchte, lſondern die

. Sonne,Nun gut, ſagte er, indem er mich käßte, ſo fahre dieſen Abend, wenn die Sonne untergegangen iſt. Nie! rief ich außer mir. Wir brachten den Tag heiter und traurig zu. Ja, was wollt Ihr, er unterhlelt und langweilte ſich mit mir. Ich wußte

nicht, was ich ihm ſagen ſollte, außer daß ich ihn liebte und für ihn ſterben möchte. Nun, Ihr Herren, noch einige Auſtern⸗

Als der Abend kam, nahm er mich ſanft bet der Hand.Lebe wohl, ſagte er, indem er mich fortzog,dle Sonne iſt unter. Lebewohl! Wir ſehen uns bald wieder!

Ich vermochte nicht mehr zu widerſtehen und ließ mich fort führen wie ein Kind. Als wir auf der Treppe des Palaſtes waren, gab er mir ein Zeichen, in ſeine Gondel zu ſteigen; der Gondoller erwartete mich mit aufgehobenem HuteLebe wohl! rief er mit entſchloſſenem Tone; er wollte mir die Hand bleten, doch ſchon hatte ich mich in den Canal geſtürzt,

Wirklich, Ihr Herren, es ſcheint, als ob Euch die Auſtern nicht ſchmeckten. Ihr begreift wohl, daß ich nicht lange in dem Waſſer blieb; er war es, der mich rettete. Als ich zu mir kam, war ich wieder in ſeinem Zimmer; ein Arzt leiſtete mir Beiſtand, und er ſtützte meinen Kopf mit der Zärtlichkeit eines Bruders. Er war bis zu Thränen gerührt über mein Lebewohl in dem Waſſer.

Margarita, ſagte er voll Leidenſchaft,Du bleibſt jetzt im⸗ mer bel mir.Immer! murmelte ich traurig.Das Immer Lord Byron's dauerte ſechs Wochen, ſechs Jahrhunderte freilich, wenn die Jahrhunderte ſich nach den Stunden des Glückes zählen. Welche ſchöne Tage! welches Feſt für das Herz! Welche köſtliche Thorheit!

Wir fuhren täglich in der theuren Gondel, in der ich mein Gzlück verbarg, von dem Palaſte Mocenico nach irgend einer fernen Inſel, oft nach dem Lido, wo wir daß prächtige Pferd witderſan. den, das wieherte, wenn es uns ſah. Ach, wie ich das Meer liebte! Das Meer, das mir von der Liebe und dem nds yp.

Wenn er ſprach, ſo verſtand ich ihn nie und dennoch hörte

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