Billet.“
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Wer iſt Caglioſtro?
Memoiren⸗Novelle aus der Geſchichte des vorigen Jahrhunderts.
(Fortſetzung.)
Hier bekam Maximilian den Muth, auch etwas zu er⸗ widern, und mit lächelndem Trotze ſagte er:„Halt, Ba⸗ von! Am Ende haben Sie doch Unrecht! Sie hat wohl von ſich hören laſſen.“
3„Sie hätte?“ rief Ottomar aus, in einer Weiſe, die ähn dem Prinzen hätte verdächtig machen müſſen, wenn es deſſen Art geweſen wäre, die Denkungsart der Menſchen ſtets aus deren Mienen leſen zu wollen.
„Ja,“ fuhr der Prinz deshalb ruhig fort:„vorge⸗ ſtern, im Begriffe von Hauſe abzureiſen, erhielt ich dieſes
Er zog ein Billet aus ſeiner Bruſttaſche und reichte es dem Anderen. „Ihre Hand!“ ſprach Ottomar für ſich bei dem erſten Anblick und las dann das Billet:„Prinz, Sie dürfen bei Ihren Schwüren der Liebe mich nicht kennen, wenn Sie wiederſehen— Ihre— ewig die Ihre— Adrienne!— So?—“ frug er lakoniſch,„und Sie haben Sie ge⸗ ſehen?“
„Ich habe keine Ahnung, wann noch wo!“ war die Antwort.
„Sie wüßten nicht—?“ war jetzt Ottomars gewaltig ſtaunender und dabei doch auch freudig triumphirender Ausruf:„Prinz, Sie hätten wirklich keine Ahnung?“
„Nein, wahrlich in der That nicht! Sie aber ſcheinen das auch nicht zu wiſſen! Wo, wo iſt ſie? Ich bitte, erklären Sie mir—“
„Nun— hier! Hier iſt ſie!“ erwiderte Ottomar kurz, des Eindruckes ſich erfreuend.
„Hier?“
„Hier in Kiffhauſen!“
„Unmöglich!“ rief der Prinz. denken?“
„Wenn Sie es können, ſo denken Sie, daß Adelaide niemand Andres iſt als die, von der ſie ſchon ſo viel gehört, die deſtinirte Pompadour Ihres ſehr ehrwürdigen Ohms, die Marquiſe von Belmont, die Nichte des großen Gauners,
pielleicht— ſeine Maitreſſe!“ „Unmöglich!“ „Nein, ſehr wahrſcheinlich! Durchlaucht Max ſicher⸗
„Was, was ſoll ich
ten, ohne daß wir ſelbſt, Ihre Freunde, es wußten, ihre
Dritte folge.
Novellen-Zeitung.
Erfolge im Théatre Royal und hatten— der Komödiantin die Ehe an linker Hand verſprochen.“
„Sie ſind ein Orakel.“
„Nur ein Diplomat!“ erwiderte Ottomar und fuhr fort:„Aber Adelaide erfuhr von gewiſſen diplomatiſchen Verhältniſſen, die ihr eine ſolche Ehe unmöglich erſcheinen ließen—“
„Durchaus nicht! Ich weiß von keinen Vorurtheilen—“ fiel der Pfinz ein.
„— bod von manchen hierin ſehr wichtigen Dingen auch nicht!“ gab von Velſen zur Antwort.„Kurz, ich ſage Durchlaucht die Thatſache: Adelaide wußte, daß ihre Verbindung mit dem Prinzen eine Unmöglichkeit war,— und folglich—“
„Nun, was folgte daraus für ihre Liebe?“
„Für ihren Verſtand zunächſt das, daß ſie eine andere Verbindung ſuchte, die— ihr in einer ähnlichen Weiſe Ruhm und Glanz ſicherte, und da—“
„Nun?“
„— und da fiel ſie, weiß der liebe Himmel, wie, in die Hände dieſes Erzſchurken, des ſogenannten Marquis Belmont, der ſie, weiß ich nach was für Abenteuern, von Paris hier an den Hof des gutmüthigſten, leichtgläubigſten Reichsgrafen Ehrenfried brachte—“
„Aber nein, Baron!“ rief der Prinz aus.„Es kann nicht ſein! Was wäre dann noch Wahrheit, Wort, Liebe, Treue—!“
„Larifari!“ antwortete Ottomar kurz.„Von Lieb' und Treue um Nichts und wider Nichts kann bei unſrer Aufklärung nicht mehr die Rede ſein. Die Intereſſen nur können die Menſchen zuſammenführen; die Intereſſen aber der Demoiſelle Adelaide haben mit den Ihrigen, Durch⸗ laucht, nichts gemein— ich kann es Ihnen verſichern, und die ſogenannte Marquiſe Belmont wäre wohl die Letzte, die ſich durch Redensarten, Empfindungen und ſon⸗ ſtige poetiſche Regungen imponiren ließe!“
„Sie kennen ſie? Ich denke, nicht!“
„Ei nun, wohl kenne ich ſie,“ lenkte Ottomar raſch ein,—„oberflächlich!— wen ſollte ich auch nicht kennen!“
„Nein, Baron, Sie kennen ſie nicht,“ erwiderte der Prinz,„ich ſage es Ihnen, denn ſie iſt das edelſte, reinſte, treuſte Mädchen, das die Erde getragen. Ich werde ſie retten aus einem unſteten Schickſal; ſie iſt geboren, neben Fürſten einher zu gehen!“
„Durchlaucht, aber Ihr Vater, Ihr Land! Be⸗ denken Sie!“
„Ich bin nicht Fürſt, um Sclave zu ſein,— ich bin
ein Fürſt, um der Glücklichſte meines Volkes zu werden.“
ſfj
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