Jahrgang 
27-52 (1856)
Seite
690
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ALBUM.

Novellen⸗ Zeitung.

Moritz Zille.

Der Thränenkrug.

Ach, im ſchwarzen Sarge haben

Sie mein Kindlein mir begraben, Wie es blühte roſenroth! Meine Luſt mein Kind iſt todt!

Tage gehen und erſcheinen,

Weinen muß ſie, immer weinen; Nächt'ger Schatten ſie umſchließt, Stets der Mutter Thräne fließt.

Und die mattgeweinten Augen Endlich kaum zum Weinen taugen;

Da ergreift nach langer Nacht

Sie des Schlummers ſtille Macht.

Und ſie ſchaut den Himmelsgarten: Blumen blühn von Wunderarten, Miſchen ihren ſüßen Duft Mit der ewigblauen Luft.

Kindlein da beflügelt ſchwingen Sich umher gleich Schmetterlingen, Jubeln laut bei Spiel und Tanz,

Haupt und Arm umſchlingt der Kranz.

Sieh, ein Kindlein, matt, erblichen,

Kommt da noch herbeigeſchlichen, Seufzend trägt es einen Krug, Kaum hat's dazu Kraft genug.

Wieder ſtürzt der Thränen Menge: Warun ſingſt du nicht Geſänge? Sage, welche ſchwere Laſt Du, mein Kind, zu tragen haſt?

2Mutter, ach, ich muß mich plagen, Deine Thränen all' zu tragen!

Stelle doch dein Weinen ein!

Laß mich leicht und fröhlich ſein!

Und von bängſtem Schreck entſchwunden Iſt der Traum der Morgenſtunden:

Da hat thränenlos gedacht

Sie des Kindleins bis zur Nacht.

Wieder ſah ſie Kinder ſpringen, Fliegen gleich den Schmetterlingen: In der Blumenvöglein Schaar Jetzt ihr Kind das frohſte war.

Des glückes Haus.

Oft müh'n umſonſt ſich tauſend Hände, Des Glückes Haus ſich zu erbaun;

Doch bringen's vier alsbald zu Ende,

Wenn ſich zwei Herzen nur vertraun.

Bilder des Lebens in Gott.

Dichtungen von Moritz Zille.

gott hilft zur rechten Zeit.

Was ſeufzeſt du in Leiden, Biſt voller Ungeduld? Gott wird nicht von dir ſcheiden, Der voller Gnad' und Huld! Laß dir den Muth nicht rauben Von deinem langen Leid! Das kannſt du ſicher glauben:

Gotthilft zurrechten Zeit.

Will dich der Unmuth plagen, Und ſiehſt du lauter Pein; Will ganz dein Herz verzagen, Weißt du nicht aus, noch ein Doch bleibt ein Ausgang offen, Die Hülf' iſt ſchon bereit Nur mußt du ſtille hoffen:

Gotthilft zur rechten Zeit.

Dich macht dein Murren, Klagen Elender, als du biſt:

Wer wird ſich ſelbſt noch ſchlagen, Wann er geſchlagen iſt?

Siehſt du in banger Wehmuth Die Hülfe weit noch weit

O, faſſe dich in Demuth: Gotthilft zurrechten Zeit.

Du glaubſt im Herzensgrunde, Daß Gottes Hülfe ſchützt;

So glaub' auch, daß die Stunde Er weiß, wann Hülfe nützt.

Muß ſich dein Auge trüben Ob deinem Herzeleid,

Das ſoll dein Glauben üben: Gotthilftzurrechten Zeit.

Riefſt ſchlaflos du in Nächten: O, komme, Morgenlicht!

All' deine Seufzer brächten Dir doch die Sonne nicht;

Zur Stunde ſchickt, zur rechten, Gott Licht und Heiterkeit

So harr' in Leidensnächten: Gotthilft zurrechten Zeit.

Und will ſich nimmer enden Der Erde Leid und Noth, Will Gott erſt Hülfe ſenden Dir Armen durch den Tod So wirſt du Dank ihm bringen Dort in der Herrlichkeit, Da wirſt du ſelig ſingen: Gotthalf zur rechten Zeit!

Leipzig: Verlag von Hermann Luppe. 1856.

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