Jahrgang 
27-52 (1856)
Seite
686
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Novellen⸗Zeitung.[II. Jahrg. ich komme! Nelly bringt ihr Kind, vielleicht kann die Wie macht dies Wort mein Herz erbeben, warme kleine Hand ihn zurückrufen, vielleicht ſtrömt von Wehmüthig zieht es durch mein Leben, der friſchen Kinderlippe wieder Leben durch die müden Ein Gruß aus längſt verſunkner Welt; Glieder. Ich hab's geweint, ich hab's gelacht, Der alte Mann regt ſich nicht, die Augen bewegen's hat froh, hat traurig mich gemacht, ſich nicht, ſie blicken ſtarr zum Himmel empor; das Hat mich umnachtet und erhellt. Kind weint, als die Lippen die kalte Wange berühren, die Bei Dir vergaß ich's, ganz will ich genießen zarte Frühlingsblume auf dem Schooße des ſterbenden Den Traum des Augenblicks, er wird zerfließen,

Winters. Dann, einen Schatten von entſchwundnem Glück, Der alte Mann iſt für immer entſchlummert, ſein Laß zum Gedächtniß mir dies Wort zurück, Traumleben beendet. Und wieder feſſ'le mich ſein Zauberbann:

Ich denke dran!

Ein Tag mit Dir. dich albert Träger. gedichte von Albert Cu ager. Du gleichſt ſo ganz dem ſonnenhellen Tag, * Den ich mit Dir wie einen Traum durchlebte, Der duftig über Thal und Höhen lag,

J'y pense! Daß jedes Blatt in Sommerluſt erbebte.

(Ein Vielliebchen.)

Es klingt ein Wort ſo ſüß und lauſchig, Gedenk' ich Dein, dann lächelt mir, erhellt So gluthenheiß, ſo ſchattenrauſchig, Von Deinem Blick, die heitre Welt entgegen: Mehr als ein Leben ſchließt es ein. Die Blüthe duftet und die Knospe ſchwellt, Iſt es der Schmerz, dem es entſtammt? Auf jedem Halme ruht ein ſtiller Segen.

Iſt es die Luſt, aus der es flammt? Erzeugt von beiden muß es ſein. Und in mir jauchzt es: ſieh, der Sommer hat

Sich ewig ſeine Heimath hier gegründet

Und ob die Lippe zuckt, die's bebend flüſtert, Und ich vergeſſe, daß manch welkes Blatt

Ob harter Thränen Naß den Blick umdüſtert,

Ob's jubelnd wie der Quell dem Schacht entſpringt Zu meinen Füßen ſchon den Herbſt verkündet. Hervor aus meinem vollen Herzen dringt, Gleich mächtig ſpricht's die tiefſte Seele an: 8

Ich denke dran!

Rleine Chronik. Herrn beſucht, und es wurde ihm der Auftrag, dem Juden die Her en deſſen Namen wir irrthümlich als Aufor Maulſchelle zu geben. Er that dies mit einer ſolchen Gewalt, Hermann Jäger, deſſen Namen wir irrthümlich als Autor daß er dem Ünglücklichen die Hirnſchale zerſchmetterte, daß das

derAngelroder Dorfgeſchichten für pſeudonym hielten giſt Hof⸗ Gehirn und die Augen umherſpritzten. So erzählt es Athémar

gärtner des Großherzogs von Weimar zu Eiſenach und Verfaſſer in ſeiner Chronik. a.

mehrerer volksthümlicher Schriften. Von Joſef Rank erſcheint nächſtens bei H. Mendelsſohn in..

Leipzig ein zweibändiger Roman:Achtſpännig, welcher das Mannigfaltiges.

Schiakſal eines durch die Eiſenbahn ruinirten Juhrmannes behan⸗ Herr von Madaillan forderte den Marquis von Rivarolles,

delt. Von Auerbach iſt eine größere, einen ganzen Band füllende von dem er vor längerer Zeit beleidigt worden war, ohne zu wiſſen,

ErzählungBarfüßle zu erwarten. Auch Gutzkow ſoll einen daß derſelbe unterdeſſen vor Puycerda ein Bein verloren hatte.

großen Roman für F. A. Brockhaus zu vollenden im Begriff ſein; Der Marquis verſprach am andern Morgen Ort und Zeit zu be⸗

ſeine italieniſche Reiſe ſteht noch immer in Ausſicht. ſtimmen, ſchickte aber einſtweilen ſeinen Arzt zu Herrn von Ma⸗ daillan mit der Bitte, dieſem zu erlauben, ihm ein Bein abzu⸗ ſchneiden, da er ihn für einen zu guten Edelmann halte, um von Miscellen. ihm zu glauben, daß er unter ſo ungleichen Verhältniſſen ſich ſc en werde. Die Hand des Caplans. ſchlagen werde. t In Toulouſe hat das Rathhaus den ſtolzen Namen des Ca⸗ In der Chronic. Chronicor. Politic. lib. II. p. 349 wird er⸗

pitols, obgleich es eben kein anſehnliches Gebäude iſt. Sein Ein⸗ zählt, daß dem Könige Franz J. von Frankreich 1530 ein Drache

gang iſt eng, die Säle ſind nur von mittelmäßiger Größe und die geſchenkt wurde, der ſieben Köpfe und zwei Füße hatte und den

Fagade iſt überladen. Damit aber Niemand an ſeinem Alterthume man der Seltenheit wegen auf 2000 Ducaten ſchätzte. c.

zweifle, trägt es die Inſchrift: Capitolium. 1 Unfern davon ſteht die Kathedrale des heiligen Stephan; doch Es wird behauptet, daß die Erfindung des Schießpulver

auch dieſe hat nichts Merkwürdiges, als die folgende Sage: ſchon ſeit funfzehnhundert Jahren in China bekannt ſei. Die

Gegen das Jahr 1027 berrſchte in Toulouſe der Gebrauch, Engländer ſchreiben dieſelbe dem gelehrten Roger Bacon zu, der zur Feier des Oſterfeſtes in der St. Stephanskirche öffentlich einem anderthalb Jahrhunderte vor Berthold Schwarz lebte, und Mil⸗ Juden eine Maulſchelle zu geben. Huy, Caplan Aimery's, ton in ſeinem ſchönen Gedichte ſehr poetiſch den abgefallenen Vicomte's von Rochechouart, hatte Toulouſe im Gefolge ſeines Engeln. c.

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