Jahrgang 
27-52 (1856)
Seite
680
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, 680 Novellen⸗Zeitung.[II. Jahrg. Ar 4 eiſigen Regionen haſt Du mich aus der wohligen Sphäre d Prinz in ſeinem Erſtaunen fort, aber freudig ihm ent⸗ dert Deines Athems vertrieben! gegenkommend. undntte Halblaut, doch ſo, daß ſein Herr es noch hören konnte,Ja ich, Durchlaucht, Ihr böſer Genius! Und fals nic ſprach Friedrich vor ſich hin:Noch immer die Pariſer auch Deiner, Monſieur Friedrich! Was, heißt das ein Jabot rniſhlo Schauſpielerin! Wenn Durchlaucht doch endlich an ihre knüpfen? Prinz, wie können Sie ſich ſo entſtellen laſſen! läſſg d Untreue glauben wollten! Narſch, Friedrich, hinaus! Und Sie, Durchlaucht, die Sie Sie iſt mir nicht untreu, ſagte der Prinz mit Ge⸗ erlauben mir Ihre Toilette zu vollenden oder vielmehr von 8 wißheit,ich habe ein Document dafür, das nicht in Frage Anfang an beſſer zu machen! 78 geſtellt werden kann! In der Liebe wenigſtens vermag Friedrich, der die Art des Herrn von Velſen kannte, kahes ſolch ein Schwindler, wie dieſer Marquis Belmont, keine ging halb erſchreckt und halb erfreut, halb zitternd und Il, Rechte zu ſtehlen und keine Rechte zu lügen. halb lachend, zur Thür hinaus. Der Prinz ließ in der Ihredi Pſt, pſt! Um des Himmels willen, Durchlaucht, That lächelnd zu, daß Ottomar, der Genoſſe ſeiner ver⸗ liethe ſo fiel Friedrich ihm ins Wort.Nur nicht auf den gnügten Pariſer Jugendſtreiche, ſich zu ihm ſetzte, und ihm Amelie Marquis räſonniren! Das wagt Niemand im ganzen die Cravatte von neuem knüpfend begann dieſer: den. Schloſſe, denn wenn der ſo etwas hört er hört AllesIch will im Voraus an Durchlaucht Etwas gut halt dann kann er uns ſogleich vernichten; er kann machen, machen, denn ich werde wieder ſehr viele Vorwürfe ver⸗ Dinnſ daß die Decke einſtürzt oder der Ofen, oder daß der Leibs dienen. Ich komme wieder, nur um zu moraliſiren! Gart haftige ſelbſtSie, der Sie ſtets die tollſten Streiche machten? verſp Im nämlichen Augenblicke vernahm man ein Geräuſch lachte der Prinz. latvte an der Thür, lauter Wortwechſel mit der DienerſchaftAber nie dumme! war die Antwort.Und ein draußen und eine deutliche, ſcharf accentuirte Stimme ließ dummer Streich avec permission iſt Ihre Liebe! mare ſich vernehmen:Und wenn Er mich auch nicht kennt,Was für eine Liebe?Mi ich brauche nicht gemeldet zu werden, niemals!Die alte, die immer noch nicht roſten will! Friedrich, im Schreck über das Ungewöhnliche, dasWas wollen Sie wiſſen? Gehe ſich dort vor der Thür eines kurfürſtlichen Prinzen be⸗Alles! Sie wiſſen, ich weiß immer Alles, was ich Stell gab, fuhr zuſammen und lispelte:Allmächtiger, ſteh' nicht wiſſen ſoll. Frem uns bei, der Leibhaftige ſelbſt, oder wohl gar derNur von ſolcher Liebe, wie ich ſie vielleicht hege, er⸗ aaden Marquis! widerte Durchlaucht ernſt,werden Sie nie Etwas wiſſen ſchoſ Aber indem öffnete ſich die Thür und ein eleganter, können, denn dazu ſehlt Ihnen das Nothwendigſte das Gegne ſicher auftretender Herr mit Perrücke, Puder, Degen und Herz! Mörde blitzenden Schuhſchnallen trat herein.Verſtand iſt mehr werth! warf von Velſen kurz ein den? Alle guten Geiſter! rief der Prinz,wer iſt das? und fuhr ſchnell fort:So hören Sie, Durchlaucht: ich deenl, Ihr Satan, mein Prinz, ſprach der Fremde höflich meine die Liebe Aber ſehn Sie in den Spiegel, Prinzz dheokes und lächelnd,Ihr Antichriſt und Antipode, wie Sie das wird ein Jabot, nicht wahr? ſagte er dann plötzlich Drau wiſſen ſich unterbrechend. den Sie? Iſt es möglich, von Velſen? fuhr derWelche Liebe? frug der Prinz dringend. Citian's geliebte. Paletten auf die Leinwand gleiten, wenn ein ſolches Mädchen der .di ndes ls es altern die ſchü unſer Atelier mit ihrer Erſcheinung würdigte! Welch eine ſtolze den: TSie war die Tochter des Malers Palma des ältern, die ſchöne und elegante jagende Diana! Welch eine Venus, blendend durch 8 dor fumf. Sellina dir Fe erhlü 3 Leben und Licht! vor, Als der funfzehnte Frühling für ſie erblühte, kniete der Vater Ewen und Elcht:) lt ſfer ſaate Titian erariffen,ſo wür 9 als Maler vor ſeiner Tochter nieder, wie vor einem Bilde der heil. ich iKäme ſie in mein Altelier, ſagte Titian ergriffen,ſo würde Deg Jungfrau Maria, der Königin der Engel ich ihr zu Füßen fallen und meinen Pinſel zerbrechen. ſang Junaſt 6 9,2 9 ga dſs 6. Und Violante kam in das Atelier Titians, aber er zerbrach der 2 Violante, Violante! ſagte er,Du reine Lilie, aufgeblüht ſeinen Pinſel nicht. Nachdem er mit ihr alle berauſchenden Wohl⸗ in meiner Liebe an den blauen Fluthen der ſchönen Venetia, Dein gerüche einer Morgenröthe der Liebe eingeathmet hatte, malte er alle Ruhm in dieſer Welt wird unvergleichlich ſein! Die Jungfrau, ſie mit Blumen in den Händen, ſchöner als die ſchönſte derſelben. die ich für die Kirche der Erköſung zu malen habe, ſoll Dein treues Giorgione kam, das Portrait zu ſetzen, aber Titian verbarg ddel Bild werden, o meine Violante! Denn Du biſt das Bild der heil. Frau und Bild vor ſeinem Freunde. Jungfrau dort oben im Himmel bei unſerm Gott! Denn das Lange Zeit lebte er in dem entzückenden Geheimniß dieſer firr Gold Deiner Haare iſt vom Himmel herabgefallen wie ein Strahl blendenden und friſchen Leidenſchaft, gleich Sonnenſtrahlen in dem der Liebe; denn die Flamme, die in Deinen Augen leuchtet iſt die Thau. Eines Tages aber beklage die Tochter Palmas= fau göttliche lamme, welche die Engel auf ihrem ſilbernen Dreifuß ſtellte Titian das Bild ſeiner Geliebten öffentlich aus. Alle Welt 7 anzünden! kam, um ſie zu lieben, aber liebte er ſie noch? nes Indem der Maler dieſe Worte ſprach, nahm er ſeine Palette Die Kunſt iſt ein irdiſches Paradies, in welchem die Liebe er⸗ un G. und ſeine Pinſel und malte zum Ruhme der Kunſt und zum blüht, bald wie eine ſchöne Lilie, würdig des heiligen Landes, bald d Ruhme Gottes. wie eine ſchöne Roſe voll ſtolzer Wolluſt.. dinn Die Jungfrau, die läbendig und beſeelt auf der Platte von Nachdem Titian den Venetianern durch die Augen und durch Cedernholz hervortrat, war ein Meiſterwerk, ſtrahlend von Liebe die Lippen ſeiner Geliebten zugelächelt hätte, verwandelte er ſie betne und Wahrheit. beklagt Palma den Vater, der ſeine Tochter nur noch in der Als das Gemälde vollendet war, flatterte die ſchöne Violante Jungfrau der Erlöſung ſah in eine Venus, die nur mit durch⸗ ſie d gleich einem Vogel davon, um ihren eigenen Geſang zu ſingen. ſichtigen Wogen bekleidet aus dem Meere ſteigt. Gold Sie war geboren, um zu lieben, gleich allen irdiſchen Mädchen. Die Kunſt hatte die Liebe erdrückt, doch Violante war ſo Indem ſie ſang, traf ſie auf Titian und deſſen Freund Gior⸗ ſchön, daß ſie ſich mit ihrer Schönheit tröſtete; ihre Herrſchaft gione. 6.. war von dieſer Welt, und ſie herrſchte! aſ Freund Titian, welch ein Meiſterwerk würde aus unſern Eines Abends, zur Stunde des Gebets, trat ſie in die Kirche n