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Novellen⸗Zeitung.
ſein Einkommen, die er beide unter der Gutmüthigkeit des am anderen Tage bei der Toilette von ſeinem treuen Kam⸗
Reichsgrafen bis ins Unerlaubte geſteigert hatte, mit all' ſeiner Schlauheit und Gewiſſenloſigkeit vertheidigen wollte und deshalb all' die erwähnten Intereſſen und Sympathien aufs Möglichſte aufzuſtacheln und auszubeuten ſuchte. Zufälliger Weiſe war vor ungefähr fünfzig Jahren von Seiten der reichsgräflichen Familie der Verſuch ge⸗ macht worden, jenen Erbverbrüderungsvertrag aufzulöſen. Noch lagen über die desfallſigen Unterhandlungen Corre⸗ ſpondenzen vor; über das Reſultat derſelben aber gab es keine Belege; ſo viel nur war als beſtimmt anzuſehen, daß die Sache nachher durch die Vermählung des Kurfürſten mit einer Schweſter des Reichsgrafen für erledigt angeſehen wurde. Dazu kam der Umſtand, daß ſeit einer Reihe von
Jahren im kurfürſtlichen Archiv das betreffende Document
nicht aufzufinden war. Unvorſichtiger Weiſe hatte man von dorther darüber Etwas verlauten laſſen, und ſo war es kein Wunder, wenn auch im reichsgräflichen Archiv— ſicher durch ſehr einfache Manoeuvre des Herrn Kanzler— daſſelbe Document ebenfalls nicht zu finden war.
Dieſes war die Situation, in deren Entwickelung dem Herrn von Kotzenau plötzlich ein ſo unerwarteter, geheim⸗ nißvoller und wunderbar mächtiger Bundesgenoſſe ent⸗ gegenkam, als der Marquis de Belmont bei jener Be⸗ gegnung in der Vorhalle des Schloſſes ſich ihm kund that.
Beide benutzten ihre Zeit und ihre Mittel auf das Beſte, ſo daß, als Prinz Maximilian am andern Abende ſpät wirklich eintraf, der Marquis durch ſeine Allwiſſenheit und die Verſprechungen ſeiner Wunder ſich des Reichs⸗ grafen, der Comteſſe und der Prinzeß Amelie völlig be⸗ mächtigt hatte.
Prinz Max war gekommen, um dem Onkel Reichs⸗ grafen zum morgigen Geburtstage zu gratuliren und dabei zugleich gelegentlich nach dem Stande ſeiner Anſprüche an die Erbſchaft deſſelben ſich zu erkundigen. Welche ent⸗ täuſchenden und erſchreckenden Eröffnungen mußte er da
merdiener vernehmen!
„Kurfürſtliche Durchlaucht können ſich ganz auf mich verlaſſen,“ ſo rapportirte Friedrich,„ich habe ſeit unſerer Ankunft jede Minute angewandt, um zu horchen, um die Conſtellation der Thatſachen zu fixiren, wie unſer aimabler Attaché von Velſen zu ſagen pflegte,— ach, wo mag der in aller Welt hingekommen ſein!“
„Ein Teufel— der Velſen!“ unterbrach ihn der Prinz.„Doch weiter im Rapporte!“
„Die Dinge für uns ſtehen ſchlimmer,“ fuhr Friedrich fort,„als wir geahnt. Nämlich Erlaucht Reichsgraf Ehrenfried ſelbſt fangen an, Euer Durchlaucht Wünſchen. entgegen geſtimmt zu werden.“
„Wie? Mein Ohein ſelbſt?“
„Er iſt jetzt völlig in den Netzen der Camarilla von Sayn-Sayn-Kiffhauſen, die alle Mittel aufbietet, um die
Selbſtſtändigkeit dieſer Reichsgrafſchaft aufrecht zu erhal⸗
ten, damit ſie nicht durch Erbſchaft mit dem Kurfürſten⸗ thum Eurer Durchlaucht vereinigt werde.“
„Wer will das hindern?“
„Der Kanzler von Kotzenau ſteht an der Spitze nebſt dem Hofrath Profeſſor Wagner. Sie haben der Comteſſe Mine entetirt, ſie ſei die natürliche und rechtmäßige Erbin, die Erhalterin der Grafſchaft und gräflichen Linie von⸗ Sayn⸗Sayn⸗Kiffhauſen.“
„Die alte närriſche Jungfer!“
„Die bald eine junge geſcheute Frau werden kann.“
„Jung und geſcheut niemals!“
„Aber daß ſich Jemand gefunden hat, ihr zur Frau zu verhelfen, das iſt ja—“
„Was?“ rief der Prinz aus,„wer kann es wagen, ſich dem Teufel zu verſchreiben?“
„Jemand, der vielleicht ſelbſt der Teufel iſt,— jener wunderthätige Marquis Belmont, von dem ſo viel Fabel⸗ haftes erzählt wird.“
ihres Sohnes in das kleine Cabinet neben ihrem Zimmer tragen, und vor dieſem Bett auf ihre Kniee niederſinkend und das Antlitz in ihren Händen verbergend, fleht ſie zu Gott, ihr das Leben ihres Sohnes zu erhalten!—
Am Abend dieſes Tages lichtete das nach Corfu beſtimmte
Schiff die Anker. Niemand zweifelte, daß Louis Napoleon ſich
auf demſelben befinde, und Jedermann beklagte die Herzogin,
welche, krank vor Kummer und Angſt, ihren Sohn nicht hatte be⸗
gleiten können.
Und während deß ſaß Hortenſe am Lager ihres Sohnes, der
in wilden Fieber⸗Phantaſien ſich auf ſeinem Krankenbette um⸗ herwarf. Aber ſie fühlte gar keine Schwäche, keine Unruhe mehr, die nervöſe Aufreizung hielt ſie aufrecht und verlieh ihr Kraft und Beſonnenheit. Zwei Gefahren zugleich bedrohten ihren Sohn, eine Krankheit, welche durch das geringſte Verſehen tödtlich werden konnte, und die Ankunft der Oeſterreicher, welche ihren Sohn Louis Napoleon ausdrücklich von jeder Amneſtie ausgeſchloſſen hatten. Vor beiden Gefahren mußte Hortenſe ihren Sohn erretten, — das verlieh ihr Stärke.
So waren zwei Tage vergangen, die letzten beiden Schiffe hatten, mit Flüchtlingen überladen, den Hafen verlaſſen, und jetzt rückte die Avantgarde der Oeſterreicher in Ancona ein.
Der Commandant der Avantgarde, welcher für die nachkom⸗ mende Armee Quartier beſtellte, beſtimmte das Palais des Prinzen Canind, in welchem die Herzogin von St. Leu wohnte, zum Quar⸗ tier für den commandirenden General und ſeinen Stab. Hortenſe hatte das erwartet und ſich ſchon im Voraus auf einige Zimmer beſchränkt, die Salons und die großen Zimmer alle für den Gene⸗
ral bereit haltend. Als man aber verlangte, daß das ganze Palais
geräumt werde, da erzählte die Frau des Schloßverwalters, die Einzige, welche die Herzogin in ihr Vertrauen gezogen, dem öſter⸗ reichiſchen Officier, daß es die Königin Hortenſe ſei, welche da allein, krank und unglücklich in dieſen reſervirten Zimmern wohne.—
Ein wunderbarer Zufall wollte, daß der öſterreichiſche Haupt⸗ mann, welcher für ſeinen General hier Quartier machte, einer von denen war, welche im Jahre 1815 in Dijon die Königin gegen die Wuth der Royaliſten vertheidigt hatten. Er nahm ſich jetzt zum zweiten Male mit regem Eifer der Herzogin an und eilte dem eben einrückenden General en chef Baron von Geppert entgegen, um ihm von der Lage der Dinge Nachricht zu geben.
Dieſer, wie alle Welt überzeugt, daß ihr Sohn Louis Napo⸗ leon nach Corfu entflohen ſei, erklärte ſich gern bereit, der Herzogin die von ihr bewohnten Zimmer zu überlaſſen, und bat, ihr einen Beſuch machen zu dürfen. Aber die Herzogin war noch immer krank und bettlägerig und durfte Niemand empfangen.
Die Oeſterreicher alſo zogen in das Palais ein und nahmen von allen Zimmern Beſitz, und inmitten derſelben, nur durch eine verſchloſſene Thür von dem Zimmer des Generals getrennt, befand ſich Hortenſe mit ihrem kranken Sohn. Das geringſte Geräuſch konnte ihn verrathen. Wenn er huſtete, mußte man ihm den Mund zuhalten und ſeinen Kopf unter Decken bergen, um das Geräuſch des Huſtens zu dämpfen; wenn er ſprechen wollte, ſo durfte das nur flüſternd geſchehen, denn die öſterreichiſchen Wandnachbarn würden erſtaunt geweſen ſein, in dem Zimmer der kranken Herzogin eine männliche Stimme zu vernehmen, und das hätte Verdacht er⸗ wecken können.
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III. Jahrg.
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