Jahrgang 
27-52 (1856)
Seite
676
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676 Novellen

Meine Kaſſe ſteht Ihnen offen!

So bitte ich nur um 10,000 Thaler!

Sie ſcheinen ſehr wohlthätig zu ſein, erwiderte der alte Herr, etwas überraſcht,aber wenn Sie mir die ge⸗ wünſchten Aufſchlüſſe geben, ſo daß ich mein Teſtament mit ruhigem Gewiſſen machen kann, ſo ſoll es mir auch auf das Doppelte nicht ankommen.

Mit ſehr verſchiedenen Gefühlen ging die Verſamm⸗ lung auseinander. Hofrath Wagner war entzückt, endlich einmal einen Mann der neuen Wiſſenſchaft kennen gelernt zu haben, aber er war beunruhigt, von dieſem ſo völlig überſtrahlt zu werden. Prinzeß Amelie war glücklich, Je⸗ manden zu finden, der ihr die Zukunft ihres Schickſals vorausſagen und das Glück ihres Herzens verſchaffen wollte, aber ſie war tief ſchwermüthig über die Erfahrung, die dritte Dapingung des Zauberers nicht erfüllen zu kön⸗ nen. Comkeſſe Minette ferner, die in dem Marquis end⸗ lich den Rechten zu ſehen meinte, der ſie ganz verſtehe und der ihr Herz ganz befriedigen könne, war beſorgt darüber, daß er einen ſchönen, zarten und glücklichen Engel zur Begleiterin hatte. Reichsgraf Ehrenfried konnte noch im⸗ mer nicht ganz darein ſich finden, all' ſeine bequemen, alt⸗

gewohnten Anſchauungen aufgeben zu müſſen, und das,

was er von dem Zauberer erfahren würde, verſetzte ihn in nicht geringe Spannung, Hoffnung und Sorge zugleich.

Nur Einer der Anweſenden war von einem einzigen Gefühle ganz beherrſcht: Kanzler von Kotzenau war in Wuth über den Abenteurer, der ſich an den Hof hier

drängte und die Abwicklung der Erbſchaftsverhältniſſe in

einem Sinne in die Hand nahm, der ſeinen und ſeiner Partei ſeit Jahren ſtreng verfolgten Abſichten ſchnurſtracks entgegenzugehen ſchien.

Kotzenau hatte den Fremden die Treppe hinab an den Wagen zu geleiten. Unten im Portal nahm er wenige unbewachte Augenblicke wahr, um dieſem in's Ohr zu flüſtern:Monſieur, ich habe mit Ihnen zu ſprechen.

Und ich mit Ihnen, Monſieur! erwiderte der Mar⸗ quis entſchloſſen..

Aber nicht hier, denn ich brauche viel Zeit!

Warum nicht hier, denn wir ſind bald fertig.

Mein Herr Marquis, ich durchſchaue Sie.

Mein Herr von Kotzenau, ich kenne Sie längſt!

Was wollen Sie damit ſagen?

Daß wir gemeinſchaftliche Sache zu machen haben.

Ich komme in Ihrem Intereſſe hierher.

Sie ſcheinen ſich in mir zu irren. Au contraire, Sie irren ſich in mir. Worte: ich bin hier, damit Erlaucht, wie Sie wünſchen, das Teſtament zu Gunſten der Prinzeß Minette aufſetze! Das iſt Ihr Zweck? rief der Kanzler freudig er⸗ ſtaunt aus.Ich begreife Sie nicht. Sie ſollen mich begreifen lernen. Wenn dieſer Zweck erreicht iſt, zahlen Sie, die Comteſſe und Ihre Freunde am Hofe und in der Verwaltung mir 50,000 Thaler aus.

Herr!

Nicht wahr? Ich verſprach es Ihnen. Und ich meine, wir verſtehen uns beide!

Vollkommen, mein werther, hochgeſchätzter Herr Mar⸗ quis, rief der Kanzler jetzt laut, des Andern Hand freu⸗ dig ergreifend, und ihn an den Wagen geleitend.

verſtehen, erwiderte der Marquis, die dargebotene Hand mit der Heftigkeit eines Südländers drückend. Er ſtieg

hinten aufgeſprungen waren und die prächtigen Mecklen⸗ burger des Reichsgrafen angezogen hatten, da trennten ſich lachend zwei Männer, die ſich heute zum erſten Male ſahen, mit dem Bewußtſein, einander ſehr nothwendig zu ſein.

Feuilleton.

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Ein Jugendabenteuer Louis Napoleons.

Der jetzige Kaiſer der Franzoſen verlebte bekanntlich ſeine Jugend unter der Pflege ſeiner Mutter Hortenſe, der früheren Königin von Holland, in der Schweiz und Italien. Als die Re⸗ volution des Jahres 1830 auch über dieſe ſüdliche Halbinſel ſich verbreitete, ergriff er ſowohl als ſein Bruder Napoleon Louis die Waffen, wie er ſagte,durch ſeinen Namen verpflichtet, den un⸗ glücklichen Völkern beizuſtehn. 1

Die Revolution ging unglücklich aus. Napoleon Louis ſtarb während derſelben an den Rötheln. Der verzweifelten Hortenſe

Streben war es jetzt, ihren letzten einzigen Sprößling Louis

Napoleon vor den verfolgenden Oeſterreichern zu retten. Wie ihr das gelang, hat ſie in ihren Memoiren(La reine Hortense en Italie, Suisse, France u. ſ. w.) ſelbſt erzählt; L. Mühlbach be⸗ nutzte dieſe Erzählung zu einer lebhaften Schilderung jener Ret⸗ tung in ihrem Buche:Die Königin Hortenſe, ein napoleoniſches Lebensbild(Berlin, Janke, 1856). Wir theilen dieſe Schilderung hier mit.

In Peſaro hatte Hortenſe die Todesnachricht empfangen. Sie befahl ſogleich anzuſpannen und fuhr mit ihrem noch lebenden

Sohn nach Ancona, offen vor aller Welt, damit Jedermann wiſſe,

daß ſie von dort mit Louis Napoleon ſich nach Corfu einſchiffen

wolle.

In Ancona, unmittelbar am Ufer des Meeres, lag das Palais ihres Neffen, und dort ſtieg Hortenſe ab.

Die Wogen des ſtürmenden und brauſenden Meeres ſchlugen zuweilen hoch empor bis zu den Fenſtern des Zimmers, welches die Herzogin bewohnte; ſie konnte von dort aus den Hafen ſehen und die Schaaren der Flüchtlinge, die ſich am Ufer drängten, um ſich auf die kleinen elenden Schiffe zu retten, welche da vor Anker lagen.

Die Oeſterreicher zogen im Sturmſchritt heran; ſie hatten, indem

ſie das päpſtliche Gebiet betraten, eine Amneſtie proclamirt, von

welcher indeß der Prinz Louis Napoleon, der General Zucchi und die Modeneſer ausgenommen waren. Die Fremden, die an der

Inſurrection Theil genommen, ſollten ergriffen und nach der

Strenge der Geſetze gerichtet werden. 8 Auch für Louis Napoleon gab es keinen Aufſchub mehr; jeder verlorne Augenblick konnte die Flucht unmöglich machen! Hortenſe

fühlte ſich krank, bis zum Tode erſchöpft, aber ſie hatte jetzt nicht

Zeitung.

Mit einem

Ah, ich verſtehe, ich verſtehe Sie ganz, mein.

O, es iſt etwas Schönes um zwei Seelen, die ſich ſo⸗

in den Wagen und als der Schlag zugeworfen, die Diener

Und es war für dieſe Armen die höchſte Zeit, ſich zu retten.

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