Jahrgang 
27-52 (1856)
Seite
675
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I. Jahrg

Büchſenmeiſter,

achten ihre Lade,

eein und glaube nicht ſo leicht.

Dritte Folge.

Novellen-Zeitung.

Wer iſt Caglioſtro?

Memoiren⸗Novelle aus der Geſchichte des vorigen Jahrhunderts.

,(Fortſetzung.)

Während dieſe ſich die Schrift entzifferte, führte er die öffentliche Komödie mit lauter S Pulſiren Deiner Schläfe, mein Kind, fühle ich, daß der Strom jetzt auf Dich übergegangen iſt. Jetzt mußt Du ſehen. Sage, was Du ſiehſt! Siehſt Du den Prinzen?

Ja, ja, Prinz Max ſehe ich er ſchreitet die Treppe vor ſeinem Schloſſe hinab er ſpricht mit ſeinem Vater und nimmt Abſchied von ihm. So las die Prinzeß mit zitternder Stimme!

Wunderbar! riefen Minette und der Hofrath, wäh⸗ rend der Kanzler mißtrauiſch den Kopf ſchüttelte.

Kann ſie nicht hören, was ſie ſprechen? frug der Reichsgraf neugierig..

Der Marquis erwiderte, ſich mit dem Kopfe zu ihm wendend, dabei aber, ohne hinzuſehen, ein neues Blatt be⸗ ſchreibend:Dieſe Art der magnetiſchen Procedur iſt die Clairvoyance, das Hellſehen, in ihr kann man nicht in die Ferne hören. Das Hören fordert einen an⸗ deren ſchwierigeren Proceß. Und wieder wandte er ſich an die Prinzeß, ihr ein neues Blatt gebend:Was ſiehſt Du ferner, mein Kind?

Die Prinzeß, muthiger geworden, las weiter:Er iſt in die Equipage geſtiegen, der Poſtillon ſetzt das Horn an die Lippen, die Equipage rollt fort.

Ob er aber hierher kommt? ſo fing der Kanzler von Kotzenau, durch Belmont's Macht über die Prinzeß ängſtlich zemacht, an.Seine Durchlaucht kommen wahrſcheinlich ſiicht hierher und dann entſchuldigt der Marquis ſeine Spiegelfechterei damit, der Prinz ſeien aus hren, und Prinzeß Amelie haben nicht geſagt, daß er hierher fahre!

Richtig geſagt, Kotzenau! ſtimmte der Reichsgraf ein.Ihr ſeid vorſichtig! Recht ſo! Ich will es auch Und er redete Amelie an:Wohin fährt der Wagen? Fährt er bei dem Spring⸗ brunnen oder bei der Marmorſäule vorbei?

Mein Blatt iſt zu Ende! Helfen Sie weiter! lispeite die Princeß ganz luſtig.

Teufel, ich kenne die Gegend in dem deutſchen Neſte

erwache! Und zur Verſammlung ſprach er:Nun iſt's vorbei. Ein Wort zur Seherin aus fremdem Munde bringt ihr Gefahr. Niemand als ich durfte mit ihr reden.

Prinzeß, erheben Sie ſich. Ich übrigens kann Ihnen, Er⸗

laucht, aus meiner eigenen Wiſſenſchaft hinzuſetzen: Prinz Maximilian folgt Ihrer Einladung und wird morgen Abend hier eintreffen.

Das läßt ſich gut ſo ſagen. Ebenſo gut kann ich Durchlaucht wird nicht kommen! ſo ſprach der

ſagen:

timme fort:Am mehr und mehr beſorgte Kanzler dazwiſchen.

Dort aber kommt eben ein Brief, der dem Prinzen vorausgeeilt iſt und ſeine Ankunft anzeigt, erwiderte der Marquis, auf einen Kammerdiener weiſend, der in der That im ſelben Augenblicke dem Reichsgrafen einen ver⸗ ſiegelten Brief überbrachte.

Er kommt! ſagte der Reichsgraf, nachdem er das Couvert erbrochen.Marquis, Ihr habt wunderbare Kräfte. Wollt Ihr mir damit dienen, jenen dunklen Punkt in den Schickſalen meiner Familie klar zu machen?

Erlaucht, laſſen Sie mich zu meiner Schutzbefohle⸗ nen eilen, die unten im elenden Gaſthof der Stadt meiner harrt

Sie ſind nicht allein gereiſt? frug die Comteſſe Minette, wie enttäuſcht.

Nein, eine Schülerin meiner Wiſſenſchaft, ein ſchöner, ſanfter, unglücklicher Engel, begleitet mich, und ſie darf ich keinen Augenblick verlaſſen, weil ſie, im Begriffe, in die höchſte Claſſe der mir untergebenen Geiſter einzutreten, jeden Augenblick meiner Pflege und Aufmerkſamkeit bedarf. Wenn ich für dieſe in der Stadt ein paſſendes Unter⸗ kommen finden kann, ſo bin ich gern bereit, Erlaucht die Zeit zu widmen, die ich zur Erforſchung der Exiſtenz des verſchollenen Prinzen Gottfried brauche!

Dieſe Antwort betrübte die Comteſſe, aber die Neu⸗ gier auf den ſchönen, ſanften, unglücklichen Engel machte den Reichsgrafen nicht wenig zugänglicher. Er befahl ſo⸗ gleich, den Marquis mit ſeiner Begleiterin in ſeinem eige⸗ nen Schloſſe einzuquartieren, und frug denſelben dann, was er für die Anwendung ſeiner Wiſſenſchaft, die er verlange, ihm zu erſtatten habe.

Sie wollen mir Geld bieten? fragte der Marquis. Was iſt mir Gold, der ich es jeden Tag in meinen eignen Pfannen und Retorten brauen, der ich jede Nacht verbor⸗ gene Schätze aus der Erde heben kann!

Sie ſind auch Goldmacher?

Erlaucht brauchen nur über meine Kunſt zu befehlen.

icht! ſo fluchte der Marquis, aber er hatte im nächſten Leider hat mein Gold nur eine Eigenſchaft, es bringt

Augenblicke einen Ausweg gefunden, und die Hand wieder den Armen keinen Segen. Wollen Erlaucht mir für Al⸗ auf Ameliens Stirn legend, rief er raſch:Erwache, Kind, moſen eine Summe anweiſen laſſen?