Jahrgang 
27-52 (1856)
Seite
674
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674 Noveſlen⸗Zeitung.(II. Jahrg. n. 45

AàLBIMI.

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Julius Sturm.

Die(etzten Meiſterſänger.

Im Jahre 1830 gab es in ulm noch zwölſ alte Singmeiſter; 1839 waren nur vier von ihnen noch übrig, das Gemerk: der Büchſenmeiſter, Schlüſſelmeiſter, der Merkmeiſter und der Kronmeiſter. Am 12. October 1839 beſchloſſen ſie feierlich den Meiſtergeſang und übermachten ihre Lade, 8 ihre Schultafel, ihre Tabulatur, Sing⸗ und Liederbücher dem Liederkranze zu Ulm. So ſprach der Kronenmeiſter, Des Schloſſes Riegel klingen, Ein Kränzlein in der Hand: Sie reichen ſich die Hand: Bald winken uns die GeiſterNun mögen Jüngre ſingen Ins ferne Heimathland. Im deutſchen Vaterland.

Es ſchließt der Ring ſich enger, Von zwölfen blieben vier; Als letzte Meiſterſänger

Sind wir verſammelt hier.

Dort, wo die Fahnen wehen Im hellen Sonnenglanz, Soll unſre Lade ſtehen

Im jungen Sängerkranz.

Drauf ſchreiben ſie:Beſchloſſen Iſt unſer Meiſterwerk;

Nehmt hin, ihr Sangsgenoſſen, Die Lade vom Gemerk. n.

Was unſre Väter ſangen, Die Meiſter echter Art, Wir haben's wohl empfangen Und haben's treu bewahrt. vor ſen Nehmt hin den werthen Todten, und ni Den alten Meiſterſang, zittern Der einſt ſich ohne Noten e Von Mund zu Munde ſchwang.2

Der kunſtverſchlungnen Weiſen Sind uns noch viel bekannt: Gemerk ſind wir geheißen

Und ſo mit Recht benannt.

vend der . A,. 2. Doch ſind beim Büchſenmeiſter Er hat mit frohen Tönen Schon längſt die Kaſſen leer Gelabt des Volkes Herz Reit Und hat der Schlüſſelmeiſter Und wußt' es zu verſöhnen Nichts zu verwalten mehr. Auch mit dem tiefſten Schmerz.

Er ſang von heilgen Dingen Ihm fromme Lieder vor

Und trug's auf ſeinen Schwingen Zu Gott dem Herrn empor.

Auch hat an Sangeswerken, Wie ſie die Zeit jetzt bringt, Merkmeiſter nichts zu merken, Weil Alles fremd ihm klingt.

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Und wollt' ich Einen krönen, In Mainz ward er geboren, Weil mir ſein Lied gefiel, In Nürnberg ward er groß, Sie würden mich verhöhnen Hat dann ſich Ulm erkoren I Und nenntens Kinderſpiel. Und hier erfüllt ſein Loos. 1 1 n di Ein neuer Sängerorden Er ſtarb und ruht beſchloſſen die L Bringt neuen Sang und Klang; Nun ſanft in dieſem Schrein; Die Zeit iſt anders worden, Laßt den euch, Sangsgenoſſen, Ko Es ſtarb der Meiſterſang. Ein heilig Erbe ſein. de gema Drum auf! Eh' wir ermatten, Das Kleinod ſoll euch mahnen, uccht Laßt ihn, den wir bewahrt, Daß ihr den Preis erringt, Spie Uns feierlich beſtatten Wenn ihr gleich euern Ahnen Prin⸗ Nach echter Sänger Art. So fromm als fröhlich ſingt.. n ¹ 3:..0 4.. 1 Da ſangen die vier Greiſe Ja, weiht durch eure Lieder an. 5 E.. 4. 2 4 Ein Lied aus alter Zeit, Die Freude wie den Schmerz m un Das klang in ernſter Weiſe Und ſingt dem Volke wieder. Von alter Herrlichkeit.. Echt deutſchen Muth ins Herz. in . Dann legten ſtumm ſie nieder So krönten ſie hienieden 1 In einen feinen Schrein Mit frommem Wunſch ihr Werk m Tabulatur und Lieder Und ſind dann ſtill geſchieden Und bunte Schilderein. und löſten ihr Gemerk. I, 4 nicht Luge Reue Gedichte von Julius Sturm. Leipzig: F. A. Brockhaus. 1856.. auf A * 5.