Jahrgang 
27-52 (1856)
Seite
660
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Jahren die Bedürfniſſe und die Verdauungskraft eines der

Gciitelkeit, irgendwelche Störung zu erleiden.

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welches er mit ganzer Seele verfolgt und dem er näher rückt? Ob ſein Ziel ein richtiges oder ein falſches iſt, das i*ſt bloß Gegenſtand meiner zweiten Frage! Es handelt ſich demnach hier um ein kleinesmenſchliches Pasquill, nicht ohne poetiſches Intereſſe.

So zweifelhaft und falſch auch Vieles in Caglioſtro's Lebensgeſchichte iſt, ſo ſteht doch außer allem Zweifel, daß er, von dem tiefſtent Punkte von Fortuna's Rad ausgehend, zu einer ſtaunenswürdigen Höhe emporſtieg; daß er ohne äußere Hülfsmittel, ohne Geld, ohne Schönheit, ohne Tapferkeit, ja faſt ohne geſunden Menſchenverſtand oder irgend welchen erkennbaren Werth, eine lange Reihe von

gefräßigſten Leiber und eines der gefräßigſten Gemüther

verſchwenderiſch befriedigte, ohne äußerlich an ſeinen fünf

Sinnen und innerlich an ſeinem ſechſten Sinn, dem der

Klar genug iſt, wie viel auch Erfundenes unterlaufen mag, daß dieſer glänzend lackirte Wagen, der unter Staub⸗ wolken und mit lautem Geraſſel, mit der Schnelligkeit von vier Rennern und hoch mit Gepäck beladen durch die Welt rollte, eine Exiſtenz hat. Die ſechs galonnirten Lakaien, welche ihm vorausreiten und ſeine Ankunft verkünden, ihn ehrenvoll escortiren und gehorſam bedienen ſind ſie nicht wirklich vorhandene Perſonen? Fortwährend muß die Börſe ſich öffnen, Chauſſeegeld, Gaſthofsrechnungen, Trinkgelder und die tauſendfältigen Bedürfniſſe eines ſol⸗ chen Geſpannes zu bezahlen. Und dennoch ſtrömt ſie unab⸗ läſſig wie ein Füllhorn und nach kurzer Ruhe beginnt der Wagen wieder zu rollen.

Hieraus ergiebt ſich die ſehr naheliegende wiſſenſchaft⸗ liche Frage: Wie geht das zu? In dieſer wunderbaren Maſchinerie von Pferden, Rädern, Gepäck und galonnirten Lakaien ſitzt bloß ein dickes unterſetztes Individuum von ziemlich ſtumpfem Ausſehen und neben ihm eine Seraphina von zweifelhaftem Rufe. Wie kommt es, daß die Mittel

Zeitung.

fortwährend ausreichen und daß nicht die ganze Maſchine, wie ein Dampfwagen, dem die Kohlen ausgegangen ſind, ſtehen bleibt, verſtummt und ſtückweiſe in den Straßen⸗ graben fällt?

Dieſe Frage ſtellte die Wißbegier des Verfaſſers dieſer Skizze ſehr oft, aber lange vergebens.

Auch ſtehen wir damit, wie Jeder weiß, der in der Literatur bewandert iſt, in dieſer Sache nicht vereinzelt da. Der große Schiller zum Beiſpiel, auf den ſowohl die poetiſchen, als auch die wiſſenſchaftlichen Phaſen dieſes Gegenſtandes tiefen Eindruck machten, geſtattete den Ein⸗ flüſſen der erſtern, ſich in ihm neu zu formen, und bemühete ſich mit ſeinem gewöhnlichen Ungeſtüm, die Geheimniſſe der letztern, da ein Aufſchließen unmöglich war, zu ſprengen. Auf dieſe Weiſe erblickte ſein unbeendigter RomanDer Geiſterſeher das Licht. Nicht weniger berühmt iſt Goethe's DramaDer Großkophta, welches, wie er uns ſelbſt mittheilt, ihn von einem Gemüthszuſtande erlöſte, welcher für gewiſſe Freunde beunruhigend geworden war, ſo ſehr hatte ſich dieſer Gegenſtand zu einer gewiſſen Epoche ſeiner bemächtigt. Es iſt dies eine dramatiſche Fiction, auf die genaueſten hiſtoriſchen Studien und Forſchungen gegrün⸗ det, worin vielleicht das treueſte Bild des hiſtoriſchen Fac⸗ tums, welches noch in irgend einer Form vorhanden iſt, als künſtleriſches Miniaturgemälde vor uns liegt.

Ja, Zeitungsleſer von gewiſſen Jahren erinnern ſich noch der egyptiſchen Logen zur hohen Wiſſenſchaft in Lon⸗ don, der blendenden Juwelen und nächtlich ſibylliniſch geheimnißvollen Offenbarungen der Gräfin Seraphina, der Miß Fry, der Herren Priddle und ihrer Collegen, Lord Mansfield's Richterſpruchs, des Grafen von Adhemar, des Diamantenhalsbands und Lords George Gerdon. Denn Caglioſtro, der kometenartig endloſe, unbekannte Bahnen

durcheilte, ließ ſich zwei Mal, vielleicht drei Mal auf Lon⸗ don, lange Zeit auf Paris, auf Petersburg und die be⸗ deutendſten deutſchen Höfe herab und machte überall in

Feuilleton.

Ad.e

Moliere's frau.

Molisre hat mit ſeiner Frau nicht glücklich gelebt. So viel Liebenswürdigkeiten ſie beſaß er hat ſie imBourgeois Gentil⸗ homme(Act III, Scene IX) geſchildert, ſo wenig beſaß ſie Häuslichkeit. Sie ging ihm eines ſchönen Tages durch, und er ſah ſich gezwungen, Troſt bei einer anderen Schauſpielerin, Fräu⸗ lein de Brie, zu ſuchen, bis Madame plötzlich wiederkehrte und dieſe Rivalin vergeblich aus dem Hauſe zu prügeln verſuchte. Nach des großen Dichters Tode erlebte ſeine Frau ein Abenteuer, das für eine Anticipation der berühmten Halsbandgeſchichte mit Graf Caglioſtro angeſehen werden kann. Ein Präſident aus der Pro⸗ vinz ſpielte darin die Rolle des Cardinals von Rohan. Made⸗ moiſelle Boudin, eine Schauſpielerin ſeiner Zeit, erzählt uns die Geſchichte folgendermaßen.

In Paris lebte eine Madame Tourelle, die auf ſo merkwür⸗ dige Weiſe der Madame Nolière ähnelte, daß es ſchwer war, beide nicht zu verwechſeln. Dieſe Dame gab ſich mit galanten Aben⸗ teuern ab und mußte darir nicht Glück genug haben, denn ſie kam auf den Gedanken, ſich dadurch einen Werth zu verleihen, daß ſie ſich für die beliebte Schauſpielerin ausgab. Ein Herr Präſident

aus Grenoble, Namens Lescot, war verliebt in Madamie Molieère und ſuchte in ganz Paris Jemanden, der ihn bei ſeiner Angebeteten einführe, da er ſie bisher nur auf dem Theater geſehen hatte. Er

beauftragte eine Madame Ledoux, die Hinderniſſe einer Bekannt⸗

ſchaft zu beſeitigen und die Gelegenheit von Zuſammenkünften zu Harrangiren, wofür er jedes Opfer zu bringen bereit war. Dieſe Madame Ledoux dachte ſogleich an die Tourelle und ſchlug dieſer vor, dem Präſidenten gegenüber die Rolle der Molière zu pielen. Dieſe ging natüͤrlich, durch die in Ausſicht geſtellten Opfer be⸗

wogen, aufs Schleunigſte darauf ein, und Madame Ledoux zeigte am ſelben Tage noch dem Präſidenten den Erfolg ihrer Unterhand⸗

lungen an. Ein Rendez-vous ward verabredet und der Präſident traf mit Frau Molière bei der Madame Ledour zuſammen. Wel⸗ ches Glück! Melche Exaltation! Die Tourelle erſchien in ein⸗ facher Kleidung, wie eine Dame, die erkannt zu werden fürchtet;

ſie ahmte den beſtändigen Huſten der Molisre nach und ihre ge⸗ ſammten nonchalanten Manieren; ſie ſprach von Verſtimmungen, Theaters und ließ den Präſidenten wohl indem ſie ſolche Zuſammenkunft ſich Er erwiderte, er erkenne die ganze Größe ihres Opfers, er werde ihr ewig dafür dankbar ſein, und Ales was er auf Erden

von der Langweile des fühlen, was ſie für ihn thue, geſtatte.

II. Jahrg.

Nr.

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