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Nr. 42.]
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Dritte folge.
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Rovellen-Zeitung.
Wer iſt Caglioſtro?
Memoiren⸗Novelle aus der Geſchichte des vorigen Jahrhunderts.
Die Geſchichte eines originellen Menſchen iſt ſtets werth, daß man ſie kenne. Der in einem mit uns gleich geſchaffenen Weſen verkörperte Wille iſt etwas ſo Prächtiges, daß wir herbeilaufen, um Zeugen aller Kundgebungen deſſelben zu ſein. Von jedem Menſchen, der ſich einen beſonderen Lebenspfad bahnte und dieſen Weg mit Erfolg wanderte, wünſchen wir ganz beſonders zu wiſſen, wie er dieſen Weg wanderte und was ihm auf der Reiſe begegnete. Wäre nun auch der betreffende Menſch ein Schurke, ein Schurke vom reinſten Waſſer, ſo hindert dies doch nicht die Frage: wie führte er ſeine Schurkereien durch? Ja, eine ſolche Frage wird gerade recht intereſſant und nothwendig; denn eigentlich iſt nichts ſo ganz verächtlich und gleichzeitig des Abſcheues und Vergeſſens würdig, als ein halber Schurke, der weder wahr noch falſch iſt, der niemals in ſeinem Leben etwas Wahres ſagte oder that— denn ſein Geiſt lebt in einem Dämmerlicht mit Katzenaugen, die nicht im Stande ſind, die Wahrheit zu erkennen— und der doch auch nicht den Muth hatte, eine entſchiedene Lüge zu ſagen oder zu thun, ſondern ſein ganzes Leben damit zubrachte, das Wahre und Falſche zuſammenzukleiſtern und daraus das Plauſible zu fabriciren.
Einen ſolchen Menſchen haben unſere Philoſophen als eine moraliſche Chimäre und deshalb vom moraliſchen Ge⸗ ſichtspunkte aus als eine Unmöglichkeit und ein trügeriſches Richts definirt, und wie viele Millionen ſolcher Geſchöpfe ſehen wir dennoch auf dieſer Welt, durch alle Abſtufungen hindurch, vom Träger eines Hermelins an bis zu dem Verkäufer von Schwefelhölzchen, an Theetiſchen, Senats⸗
tafeln, hinter Ladentiſchen, auf Kanzeln, unaufhörlich und
überall!
Glorreich, heroiſch, fruchtbar für ſeine eigene Zeit und für alle Zeit und alle Ewigkeit aber iſt der Mann, welcher unverbrüchlich die Wahrheit ſagt und thut. Wenn uns nun in der gegenwärtigen Generation kein ſolcher Mann wieder beſchieden iſt, ſo wollen wir uns wenigſtens das taurige Vergnügen machen, einen entſchiedenen Lügner zu hetrachten. Unglücklicher Sterblicher, der Du mit einem Auge nach dem Rufe eines„achtbaren“ Mannes ſchielend
ber und ewig daſitzeſt und zwei unvereinbare Dinge
ſammenflickſt, die keine Stunde zuſammenhalten, ſon⸗ ern fortwährend neuen Leim und neue Arbeit nöthig
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machen, wird es Dir denn ſelbſt nicht durch die längſte Erfahrung, durch keine gütige Schickung der Zeit oder des Zufalles offenbar werden, daß die Wahrheit dem Himmel und die Lüge der Hölle entſtammt; daß, wenn Du nicht die eine oder die andere von Dir wirfſt, Deine Erxiſtenz weiter nichts als eine Illuſion und ein optiſches, fühlbares Phantasma iſt, daß Du eigentlich gar nicht exiſtirſt? Achtbar! was ins Teufels Namen nützt die Achtbarkeit, wenn Du innerlich ein erbärmlicher Kerl biſt? Ich wollte, Du wäreſt entweder kalt oder warm.
Eins dieſer wünſchenswerthen Surrogate, vielleicht das brillanteſte von allen dergleichen, finden wir in dem Grafen Aleſſandro di Caglioſtro, Schüler des weiſen Althotas, Pflegeſohn des Sherif von Mekka, wahrſchein⸗ lichem Sohn des letzten Königs von Trapezunt, auch Acha⸗ rat und unglückliches Naturkind genannt; von Profeſſion Heiler von Krankheiten, Entferner von Runzeln, Freund der Armen und Entkräfteten, Großmeiſter der egyptiſchen Loge zur hohen Wiſſenſchaft, Geiſterbanner, Goldkoch, Groß⸗ kophta, Prophet, Prieſter, Taſchenſpieler und Schwindler, Lügner erſter Größe und in allen Gebieten des Lügens heimiſch, ſo was man einen König der Lügner nennen kann.
Mendez Pinto, Baron Münchhauſen und Andere haben ſich auch, und zwar nicht ohne gegründeten Anſpruch, Ruhm in dieſer Kunſt erworben, aber dennoch muß es zweifelhaft erſcheinen, ob einer von dieſen verhältnißmäßig mehr war, als ein Lügner von den ⸗Zähnen an aufwärts. Ein vollkommener Charakter der fraglichen Species, der nicht bloß in Worten log, auch nicht bloß in Thaten und Worten, ſondern fortwährend, in Gedanken, Worten und Thaten und ſo zu ſagen vollſtändig in einem Element des Lügens lebte und von ſeiner Geburt an bis zum Tode nichts weiter that als lügen— ward immer noch vermißt.
Ein ſolches Ideal verwirklichte Graf Aleſſandro, wenn auch nicht vollſtändig, doch vielleicht inſoweit, als die be⸗ ſchränkten menſchlichen Fähigkeiten es geſtatten. In der „ganzen neuern Zeit und wahrſcheinlich auch in der alten— obſchon dieſe ihren Autolykus, ihren Apollonius und genug Andere hatte— iſt keine vollſtändigere Geſtalt dieſer Art aus dem Chaos und der alten Nacht hervorgegangen, als dieſe— eine erhabene Geſtalt, die mit der Miene ruhi⸗ ger Kraft herantritt, mit dem ſichern Bewußtſein der Vollkommenheit in ihrer Kunſt, der das Herz ſich mit Be⸗ wunderung und einem gewiſſen Willkommen öffnet.
„Das einzige Laſter, welches ich kenne,“ ſagt Jemand, „iſt die Inconſequenz.“ Wenigſtens, antworten wir, muß der, welcher ſein Werk thut, nach ſeinem Werke beurtheilt werden.„Eine erſte Frage,“ ſagt ein großer Philoſoph,
„thue ich in Bezug auf jeden Menſchen: hat er ein Ziel,
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