658
Novellen⸗Zeitung.
4⁴ ALBUMM. X — e, 6 5. b Heribert Rau. Natur. Und ſprach: Auch mich traf mancher Schmerz, Und manche Qual zerriß mein Herz, Wer ſaget: die Natur ſei todt, Doch mehr noch als der Leiden Der kennt ſie nicht, der hat ſie nie verſtanden; Sind dieſes Lebens Freuden. Sie, deren Lieblingskind wir ſind, Die uns umſchlingt mit tauſend zarten Banden. Denn wie du ſiehſt, ein Roſenmeer Wogt rings um meine Hütte her, Wohl iſt ſie ewig ſtumm für dich, Und alle dieſe künden, V Wenn du dein Ohr gefliſſentlich verſchließeſt; Daß Freuden noch zu finden. 1 d Wohl iſt ſie eiſig, kalt und leer, 1 Wenn du in ihr dich ſelber nur genießeſt. Spo oft ein froher Tag mir ſchwand, Sceetzt dankbar ich mit eigner Hand D Doch gehſt du einſam deinen Pfad, Und zu des Schöpfers Ruhme daß m Durch grüne Waldesnacht, ſo kühl und düſter, Mir eine ſolche Blume. Weſen Dann grüßt dich aus dem Blätterdach IH Der Waldesgeiſter trauliches Geflüſter. Die vielen Leiden ſind entflohn, herbeil Und nichts weiß mehr mein Herz davon, ſei. Es ſpricht zu dir der leiſe Wind, Indeß mit meinen Roſen Lebens Es ruft der Sturm zu dir in wildem Brauſen, Nur Freudenſtunden koſen. e vänſch Es murmelt der geſchwätz'ge Quell ſa Von Kräften, die in Höh' und Tiefe hauſen.—— vande nun au Der Berg erzählt von jener Zeit, Lieben. vom re Da ziſchend, glühend er emporgeſtiegen; wie füh Sie künden die Geſchöpfe dir,. Es iſt ein mächtiges Lieben Fuage) Die— jetzt als Stein— zu deinen Füßen liegen. Ueber Berg und See; dn ſ Es iſt ein mächtiges Lieben, 4 Der Grashalm ſpricht: Kennſt du mich auch? Es iſt ein tiefes Weh. ds Aüſ Die Zellen all', aus denen ich gewoben?. Schurte Schau hin, die Rieſenſchweſter dort, Es iſt ein gewaltiges Lieben ſeinen. Die Eiche, hat ein gleich Geſetz gehoben. Ueber das Grab hinaus; Geiſt „ Löſcht dies gewaltige Lieben Küſ Sieh! ſo belebt ſich die Natur, Doch ſelbſt der Tod nicht aus. lich Verſteht dein Geiſt ihr Weſen aufzuſchließen, der do Und wie ſo ſelig iſt der Troſt,—— zu ſag Den jene Stimmen in die Seele gießen... zubra 3 Das Herz. darau — Du kleines Herz in meiner Bruſt,— 6 Die Welt. Daſt ſo viel Schmerz und ſo viel Luſt hen — Haſt Götterglück und Todespein,— iccht 3nnenmnetene eland, n di srth wit d un ſin nu rzier Häusche⸗— nnſt Oi ſt Hö ſei t Ein Häuschen wie zum Koſen, Kannſt Himmel und kannſt Hölle ſein. ſehen Umgeben rings von Roſen. hindu Der Herr des Hauſes war ſchon alt, Das Leben. Doch nicht für Gottes Segen kalt. Er pflegt voll Lieb und Sorgen,„Das Leben iſt ein Traum!“— ſo ſprechen Viele, Die Blumen jeden Morgen. Mir dünkt es eine wilde Schlacht, 1 In deren heißem Kampfgewühle Als ich nun einſt zum Alten ging Nur Thatenkraft ſich geltend macht. Und ihm mein Trauerlied anfing, Wer froh ſein gutes Schwert nicht ſchwingt, Und klagt' ihm, daß das Leben Und todeskühn ſein Schlachtlied fingt, Mir nur wollt' Leiden geben: Nicht gegen Wahn und Irrthum ſtreitet, — Hat ſich ein traurig Loos bereitet; Da nahm er freundlich meine Hand Denn ſchöner iſt's, in edlem Streit zu ſterben, Und führt' mich durch ſein Gartenland, Als langes Leben von der Trägheit erben!
Wo mit den tauſend Roſen Die Winde lieblich koſen,
Natur, Welt und⸗Leben. Gedichte von Heribert Rau. Leipzig: Verlag von Otto Wigand. 1856.


