Jahrgang 
27-52 (1856)
Seite
654
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Iſt wohl Laura Dalton ſolch ein Weſen? Du mußt die Erfahrung machen, daß ſie es nicht iſt. Deine Hoffnungen auf ſie werden getäuſcht. Das iſt ein Erlebniß, das Dich für ein neues Lebensalter reift.

8 Noyeſlen. Zeitung.

Selten durchlebt Jemand die erſte Periode des männ⸗

lichen Alters, ohne von der Neigung heimgeſucht zu werden für einen Weltmann zu gelten. Dieſe Idee nimmt unter den tauſend Eitelkeiten, welche die erſehnte Zeit der Reife begrenzen, eine ſehr hervorragende Stellung ein.

Clarence's Stimmung iſt nur zu ſehr geeignet, dieſes eitle Streben zu nähren. Die getäuſchte Hoffnung, deren Schatten ſeine letzten Jugendtage verdüſterten, erſtreckt ihren Einfluß über die Morgendämmerung ſeiner Mannes⸗ jahre. Gekränkter Stolz hat ihm wie das ſtets der Fall iſt nicht nur Vorſicht, ſondern auch Zweifel, Miß⸗ trauen und Kälte gelehrt. Ein neuer Stolz erwächſt aus den Trümmern des zerſtörten, eitlen und gehaltloſen Ju⸗ gendſtolzes. Damals war es Prahlerei mit dem Wiſſen oder mit eingebildeter Liebe, jetzt iſt es ein prahleriſches Zurſchautragen kalter Gleichgültigkeit. Damals bewies ſich die Welt ſeinen ſchimmernden Träumen gegenüber öde und theilnahmlos und jetzt folgt er ihrem Beiſpiel und ſucht ſo viel Nutzen wie möglich daraus zu ziehen.

Der Weltmann richtet ſich nach der Art und Weiſe und den Schritten der Welt; er ſtudirt ihre Launen. Er läßt die knabenhafte Idee fahren, daß Aufrichtigkeit im

Verkehre der Menſchen herrſchen müſſe, er lebt um zu ſcheinen. Er beſiegt jede Störung, die ihm das Leben in Geſtalt von Verluſt oder Kummer entgegen wirft, und ſucht ſich zum Herrn der Kämpfe der eigenen Bruſt zu

machen.

Die Träume von Liebe, von romantiſchen Abenteuern, von ſtillem Glücke ſind alle mit den phantaſtiſchen Bildern verſchwunden, die jugendliche Leidenſchaft geſtaltete und ſchmückte. Jetzt wird die Welt wie eine Arena betrachtet, wo Jeder die Künſte des Gladiators nach beſten Kräften zur Schau trägt, eine goldene Ehrenkette und lauter Bei⸗ fall der Zuſchauer ſind der Lohn und die Freuden, die Dir dort winken.

In ſolcher Stimmung kommen denn auch die aufregen⸗ den Träume von Reichthum; nicht nur vom Beſitze des

angehäuften Mammons an ſich, ſondern von dem Glanze

und dem äußeren Scheine, der für unſere weſtliche Welt leider nun mal ſo ſehr viel Anziehendes hat. Du faſſeſt plötzlich bedeutendes Intereſſe für den Geldmarkt und be⸗ achteſt das Fallen und Steigen der Papiere. In Gedanken trägſt Du Dich mit einer Speculation herum, bis ein rieſengroßes Project daraus wird, wo Dir enormer Vor⸗ theil winkt, und wenn das Wageſtück gelingt, läßt Du Dich ſo lange von der Fluth fortreißen, bis ein plötzlicher Um⸗ ſchwung Dich wieder auf die Hülfsmittel Deines Berufes beſchränkt.

Sich der Sitte des Tages zu fügen, einfache Dinge und Menſchen als nicht vorhanden zu überſehen und wohl erfahren in Allem zu ſcheinen, was Glanz und Schimmer verleiht, das iſt eine Art von Pelhamismus, der für einen Mann in der erſten Blüthe der reiferen Jahre ſehr ver⸗

führeriſch iſt. Seinen Platz bei der Unterhaltung nach

Tiſch anerkannt auszufüllen, Auszeichnung wie etwas All⸗

tägliches und Wohlverdientes mit Gleichgültigkeit entgegen zu nehmen, ſeine Rolle in der Salon- und Modewelt mit Leichtigkeit und Grazie durchzuführen, feinere Herzens⸗

empfindungen ſo weit zu kennen, um ſie zu einem anmuthi⸗

gen Kranze an einander zu reihen und der Sprache der Galanterie eine liebliche Färbung zu geben, das ſind die glänzenden, vielbeneideten Fähigkeiten des Weltmannes. Die Anleitung erhältſt Du, ohne nur danach zu fragen, und keine Unwiſſenheit wird mehr gerügt, als die Unbe⸗ kanntſchaft mit jenen Formen, wodurch unſere angeborenen Triebe ſich den Geſetzen des Weltbrauchs unterordnen. Du verbirgſt den Mann unter der Geſtalt des Roué.

Vielleicht wirſt Du unter ſolcher Leitung, während die noch nicht vergeſſene Erinnerung an die einſtige Kränkung Deinem Geiſte unbewußt einen Stachel verleiht, bald eine Galanterie gegen das ſchöne Geſchlecht in Worten und Weſen zur Schau tragen, die in der eleganten Welt unter dem Namen Courmacherei nur zu ſehr bekannt und heimiſch iſt. Du ſuchſt Dir die glänzende Macht der Rede unter⸗ than zu machen, um die leicht rührbaren Herzen damit zu umgarnen, die in ihrer naiven Natürlichkeit vergeſſen, den

gebräuchlichen ſtählernen Panzer anzulegen. Durch Nach⸗ ahmung ernſter Gefühle gelingt Dir die Annäherung, und durch die kühne Philoſophie der Welt weißt Du unſchul⸗ dige Schüchternheit zu überwinden. Zweifel oder Arg⸗ wohn verletzen Deinen Stolz, Deine Aufmerkſamkeiten tragen den Stempel ſtolzer Demuth, und die Reuige kommt Dir entgegen. Gleichgültigkeit läßt Dich nur noch eifriger dem Ziele nachjagen, Du miſcheſt Deinem Benehmen künſt⸗ lich eine Doſis von Kälte bei, aber hie und da läſſeſt Du die Flamme kühn durchblitzen, Du ſpielſt ſorglos mit dem leuchtenden Funken, der ſich an Deiner falſchen Gluth anzündet, und krönſt das ganze Werk mit dem Triumphe kalter Vernachläſſigung.

Aber ſelbſt jetzt iſt der gute Samen in Deinem Herzen, der unter dem väterlichen Dache von liebenden Händen hineingelegt wurde, noch nicht ganz von den Dornen der Welt erſtickt; durch die ſchwüle Herbſtluft weht ein Hauch, der von den Blüthen und dem Dufte des Früh⸗ jahrs redet.

Ueber Deiner glänzenden Laufbahn als Weltmann, wie gierig auch ſchädliche Eitelkeit und leichtfertige Sinnen⸗ luſt ihre Krallen nach Dir ausſtrecken, flackert dennoch zu Zeiten das Bewußtſein einer beſſeren, reineren Natur auf, die unter der verunſtalteten Hülle kämpft und zum Lichte ſtrebt, wie das Feuer tief in dem Schooße des Veſuvs unter dem rauhen Steingewölbe und der verſteiner⸗ ten Lava ſiedet und raucht. Und wenn Du in der Loge, oder im Ballſaal, mit dreiſtem Lächeln in ſchöne Augen blickſt oder die Hand einer Dame mit feiter Innigkeit drückſt, die demſelben Gotte huldigt wie Du, ſo kommt plötzlich über die öde Steppe Deiner letzten Jahre eine Erinnerung ſchönerer Tage zu Dir herüber und erweckt und kräftigt die von Unkraut überwucherten natürlichen Triebe des Herzens.

Wenn es wirklich noch nicht zu ſpät wäre? Wenn Du den Erinnerungen Deiner Jugend ganz angehören könn⸗ teſt? Verſuche es!

(Fortſetzung folgt.)

III. Jahrg. V

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