Jahrgang 
27-52 (1856)
Seite
655
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dn.

gkeit entgegen Modewelt mit nere Herzens⸗ nem anmuthi⸗ Sprache der das ſind Weltmannes. c zu fragen, als die Unbe⸗ eangeborenen rrordnen. Du oué. , während die gige Kränkung eiht, bald eine Vorten und ten Welt unter nt und heimiſch er Rede unter⸗ erzen damit zu vergeſſen, den Durch Nach⸗ näherung, und t Du unſchul⸗ ffel oder Arg⸗ umerkſamkeiten Reuige kommt ur noch effrlhel nehmen kuͤnſt⸗ da läſſeſt Du t ſorglos falſchen Gluth dem Diumphe

Deinem Herzen, benden Händen den Dotnen der ſtluft velt iin zufte des Früh⸗

Nr. 41.]

Citerariſche Beſprechungen.

Aus dem Wanderbuche eines literariſchen Handwerksburſchen. Von E. Koſſak. Berlin, Franz Stage. 1856.

Unſern Leſern ſind Koſſak'sStereoſkopen aus Pa⸗ ris und ſeineHiſtorietten aus Berlin bekannt; dieſe Wanderbuchblätter ſchildern eine italieniſche Tour von Botzen nach Trient, über den Gardaſee nach Verona, Ve⸗ nedig und Trieſt. Den Titel erklärt der Verfaſſer:

Mir begegnet nie etwas unterweges, ſagte einmal ſeufzend ein dicker Herr zu mir, als wir Nachts im Waggon von Reiſen und Reiſeabenteuern ſprachen.Mir begegnet ſtets etwas unterweges, ſagte ich neulich zu mir ſelber, als ich ältere Notizen in meinem Wanderbuche durchblät⸗ terte und vor meinem inneren Auge von den vergilbten Blättern Berge und Thäler ſich erhoben, Städte und Bur⸗ gen aufſtanden, Menſchen und Thiere luſtig umherſprangen und meine Einbildungskraft weit davonflog aus der engen dunkeln Stube. Es begegnet Einem immer Etwas auf Reiſen, wenn man mit dem nöthigen demüthigen und luſti⸗ gen Sinn, ohne Zorn und Verdruß, unter Menſchen zieht, und dieſer Sinn iſt der Handwerksburſchenſinn, der nichts von Extrapoſt und Bedienten weiß, nicht auf dem eigenen Zimmer ſpeiſt und die Leute ſchlechtweg nimmt, wie ſie ſind. Niemand hat etwas vom Reiſen, der nicht ſein Ränzel eigener Erfahrungen auf dem krummen Buckel, den Stab der Beobachtung in der Hand und das Wanderbuch jedes Tages in der Taſche trägt. Ob er viel oder wenig Geld hat, es liegt nichts daran, wenn nur jene drei Bedingun⸗ gen erfüllt ſind. Was die Börſenorientaliſten vom Gelde ſagen, gilt auch von der Unterhaltung; ſie liegen beide auf der Straße, man muß ſie nur zu finden, aufzuheben und feſtzuhalten wiſſen. Und ſo will ich denn getroſt einige Seiten aus meinem Wanderbuche zur Prüfung ähnlicher fahrender Geſellen und Schüler ausarbeiten, daß ſie daran erkennen, ob ich mit Nutzen auf der Wanderſchaft gewe⸗ ſen bin.

Der naive Handwerksburſche, der mit dem Ranzen

auf dem Rücken, ohne hiſtoriſche und ethnographiſche Ten-

denzen, ohne äſthetiſche, cultur⸗ und kunſtgeſchichtliche Bil⸗ dung, die ſtaubigen Straßen entlang von einer Stadt zur andern wandert, die Wunderwerke der Induſtrie und der Künſte verſtändnißlos anſtaunt, pflegt wohl in ſeinem Tage⸗

buche die großen Städte nur dem Namen nach kurz zu ver⸗

zeichnen, während er für die Schilder der Herbergen, für die Güte und die Preiſe des Bieres, für die Collegen, die er getroffen, und für die Fahrten, die Bruder Schleſinger unternommen oder die Gevatter Straubinger erzählte, zu ausführlichen Berichten Raum findet; E. Koſſak, der

geiſtreiche Berliner Feuilletoniſt, trägt äſthetiſche und cul⸗ turgeſchichtliche Kenntniſſe und Tendenzen vollauf mit ſich herum, aber er will für ſich ſelbſt einen neuen Standpunkt

gewinnen, und nachdem die Touriſten alle Muſeen und Landſchaften ſo ausgebeutet haben, will er in ſeinen Skiz⸗ zen originell ſein, er wird mit Abſicht, mit Bewußtſein ein wandernder Handwerksburſche, ein reflectirter literariſcher Handwerksburſche, dem kbenfalls die großen Erſcheinungen

ſolch einer italieniſchen Tour an ſich ganz gleichgültig ſind

und dem nur das bemerkenswerth erſcheint, was ihm dabei Zufälliges und Kleinliches begegnet iſt, der Schmuz in den Wirthshäuſern, die Prellereien der Lohndiener, die Unver⸗ ſchämtheit der Kellner, vor Allem aber die Sonderbarkeiten und Poſſirlichkeiten ſeiner Gefährten, deren Ungeſchicklich⸗ keit, ſich in die Nothwendigkeiten des Reiſens zu finden, und deren philiſtröſe Stimmungen und Bemerkungen gegen⸗ über dem, was die Reiſe in der That Hinreißendes und Bezauberndes bietet.

Dabei iſt dieſer Handwerksburſche, was aus dem ab⸗ gedruckten Paſſus der Einleitung ſchon hervorgeht, ſelbſt kein grämlicher Philiſter, kein proſaiſcher Nicolai, dem Italien um der Fliegen und Flöhe willen ſelbſt unausſteh⸗ lich geworden iſt, ſondern er iſt in all' ſeiner Ablehnung großartiger Eindrücke denn doch ein Künſtler durch und durch, der nicht nur Reflexionen, ſondern Bilder, origi⸗ nelle, koſtbare, ergötzliche Bilder, faſt von jedem Schritte, den er macht, auf dem Papiere zu verzeichnen verſteht. Wie er jeden Moment mit wenigen Strichen zu fixiren, wie er jeder Perſönlichkeit das Charakteriſtiſche, jeder Lo⸗ calität die Eigenthümlichkeit der Stimmung, jeder Situa⸗ tion das Pikante und Spannende abzulauſchen weiß, darin liegt eine Geiſtesgegenwart und Genialität des Griffels, die Koſſak mit keinem deutſchen Schriftſteller und nur mit wenigen ſehr talentvollen Malern theilen dürfte.

In dieſem Buche mehr als irgend anders erkennt man das eigenthümliche Feld und auch die eigenthümlichen Schranken der Darſtellung unſeres Berliner Dickens. Nicht das Etſchthal, nicht der Gardaſee, nicht die Ebene von Verona, nicht der Marcusplatz und die Architektur der Lagunenſtadt ſind ihm der Gegenſtand ſeiner Schilderung; er zeichnet, wie er es ſelbſt ſagt, diePhiliſter, die ſich hier vergeblich ergötzen wollen, und der Zeichnung dieſes zopfigen Bureaukraten, dieſes ſteifen Militairs und dieſes geſpaßigen Wiener Herren dienen all' jene angeſtaunten Wunder nur als Staffage. Am bezeichnendſten dafür iſt

jene Schilderung der Fahrt von Verona nach Venedig, wo der Verfaſſer, endlich einmal vom Anblick der ſüdlichen V Landſchaft überwältigt, dem Zauber der Natur ſich ganz hingeben zu wollen ſcheint, aber im ſelben Augenblick durch eine Priſe des Bureaukraten auf eine höchſt burleske Un⸗ terhaltung des Oberſtlieutenants mit zwei Veroneſiſchen Juden hingelenkt wird; wir wollen dieſe Stelle in unſerem Feuilleton gelegentlich wiedergeben. Wie hier, ſo faſt im mer beruht Koſſak's Witz auf einer an die Karikatur ſtrei⸗ fenden Uebertreibung der beobachteten Eigenthümlichkeit; ſtets aber vereinigt er mit dieſer hyperboliſchen Auffaſſung auch wiederum die Gutmüthigkeit oder wenigſtens die Höf⸗ lichkeit des guten Berliner Tones, an der karikirten Figur gerade ſo viel Achtungswerthes und Einnehmendes aufzu⸗ finden, daß man ihn, wenn auch für einenSchwerenöther, doch immer auch fürliebenswürdig halten muß.

Im Uebrigen iſt dieſes Büchlein ein merkwürdiger Ausdruck des ſo oft betonten Realismus unſrer Zeit und ihrer wohl immer damit verbundenen Blaſirtheit zugleich. Welch ein Abſtand von der ſchönſeligen Weltbetrachtung und Selbſtbeſpiegelung der romantiſchen Periode! Wenn Jean Paul dieſe Tour geſchildert hätte, wie oft hätte ſich

ſein Auge befeuchtet, wie oft hätte durch dieconcentriſchen,

Wundergläſer der Herzens⸗Thautropfen ſein Blick die