[II. Jahrg.
finden wußten, möchten wir dann nicht bisweilen einer An- will, dachte der bei weitem praktiſchere Waverley der lei⸗ wandlung der Verzweiflung uns hingeben über jene Civi- denſchaftlichen Flora gegenüber daran? Schnell würde liſation, von der man ſagt, ſie berge die Keime der Zukunft ſich der romantiſche Zauber löſen, der ihrem Lebenslaufe in ſich? In Maxvel's Büchern finden wir einen Troſt in unſeren Augen ſo viel Anziehendes verleiht, wenn wir dafür, eine Zuverſicht, daß echt menſchliche Bildung, daß glauben könnten, daß dieſe Frage der Alltäglichkeit die germaniſche Denkungsart auch jenſeits des Oceans noch Herzen berührte, die in höheren Regionen ſchwelgten. eine weite Heimath haben. Was haben die gewöhnlichen Zielpunkte unſerer bürger⸗ Wir wollen auch aus dieſem Werke wieder einige Aus- lichen Exiſtenz mit einer Leidenſchaft zu thun, die allen züge hier wiedergeben, und zwar ſollen dieſelben an das unſern Fähigkeiten eine erhabene Färbung verleiht und den früher Mitgetheilte ungefähr anknüpfen. verliebten Träumer in eine ideale Sphäre entrückt, wo nur Der Leſer wird ſich erinnern, daß im erſten Buche als Güte und Schönheit ihm entgegen ſtrahlen? Gegenwart unter dem Bilde des Mittags die Liebe des Nelly iſt zu bemitleiden, daß ſolch ein Gedanke ihr in Helden zu einem ſchönen, vornehmen Mädchen geſchildert dieſem Augenblicke kommen kann; und doch iſt Nelly ſo wird. Nimmſt Du dieſe, lieber Leſer, für die in dem neuen gut und freundlich. Aber alle ihre Herzensempfindungen Buche auftretende„prächtige“ Miß Dalton, ſo biſt Du gehören der ihres Schmuckes beraubten Heimath an; nie
mit der Situation bekannt, und wir führen Dich in Dei⸗ hat ſie eine andere, tiefere Liebe empfunden— ja wohl nen, vom Dichter Dir inſpirirten Träumen weiter: niemals geahnt, daß es eine ſolche gebe. —— WwW——————— Ach Clarence, wie jung biſt Du noch!
Deine ſüße Schweſter Nelly fragte Dich:„Ob dieſe— Später im Leben wirſt Du erfahren, daß ein ſanf⸗
Laura Dalton wohl eine gute Gattin würde, die Du un⸗ tes, demüthiges Mädchenherz ſelbſt für einen Bruder ein wandelbar lieb hätteſt?“ ſchwer zu erforſchendes Räthſel iſt, die zarteſte und doch Dieſe Bemerkung erweckte eine neue Traumfolge, die unnahbarſte Feſtung. Ganze Armeen von Gefühlen halten eigentlich keinen recht geeigneten Platz zwiſchen den Rhap⸗ mit ihren Batterien den Einzug; aber keiner der Mannſchaft ſodien eines jugendlichen Liebhabers finden. Grade die läßt ſich außen blicken. Es iſt rein und ſtill wie der Po⸗ Benennung, eine gute Gattin, fällt wie kaltes Waſſer auf lar⸗Schnee, aber tief unter dem weißen Bette, wohin keines die romantiſchen Phantaſien der erſten Leidenſchaft. Das Menſchen Tritt gelangt und kein Auge außer einem einzi⸗ Ideal unſerer Seele wird mit einem gar zu praktiſchen gen blickt, ruht die warme, pulſirende Erde. Maßſtabe gemeſſen. Alle die entzückende Unbeſtimmtheit Deute Dir das leichte, zitternde Erröthen und einzelne des erſten zauberiſchen Liebestraumes wird hinweg ge⸗ unbewachte Aeußerungen, wie Du kannſt,— mehr Licht ſcheucht und eine trübſelige, genaue Abſchätzung des wirk- wird Dir nicht werden. Die Liebe, wovon ein zart füh⸗ lichen Werthes an die Stelle geſetzt. Die Leidenſchaft lendes Mädchen ſpricht, iſt eine nicht tief gehende, äußer⸗ verwirft jede Zergliederung und jedes Urtheil, ſie verdankt liche Empfindung der Sinne; aber die Liebe, die ſie ohne ihre Folgerungen der inneren Eingebung. Wort oder Zeichen wie ein Heiligthum im Schreine des Dachte Petrarca je darüber nach, ob er in Laura eine Herzens bewahrt, iſt ein Leben ſpendendes Gefühl, das gute Gattin finden würde; fragte Oswald danach, wenn er aus den geheimen Trieben der Seele und aus ihren heiße⸗
anbetend vor Corinna ſtand? Ja, was noch mehr ſagen ſten, zärtlichſten Wünſchen entweder eine Welt voll ruhiger,
Wir haben dieſe anmuthige und lehrreiche Idylle aus den der Menge beſtehender ähnlicher Unternehmen dieſes auf ein be⸗ Memoiren einer Stecknadel jüngſt erſt beim Erſcheinen in der Ur⸗ ſtimmtes Publicum zu rechnen hat. ſprache angezeigt. Es liegt hier eine wohlausgeſtattete Ueber⸗
ſetzung von der Feder eines gewandten und beliebten Schrift⸗
ſtellers vor⸗ Rleine Chronik. Aus Amerika. Geſammelt von F. W. Hohbach.— L. Mühlbach hat aus dem Stoffe der Novelle„Politik
Leipzig, E. Wengler, 1856. und Liebe,“ die wir Anfang dieſes Jahres in dieſer Zeitung
Ein Volksbuch,„allen lieben Deutſchen, welche ſich gern veröffentlichten, ein Drama gearbeitet, das in nächſter Zeit am über Amerika belehren laſſen wollen, gewidmet.“ Das Schrift⸗ Königsſtädtiſchen Theater in Berlin zur Aufführung kommen ſoll. chen iſt empfehlenswerth, denn es iſt ohne parteiiſche Tendenz ge⸗ Die Erzählung ſelbſt ſcheint beim Publicum viel Anklang gefun⸗ geſchrieben, weder um abſchreckende, noch um verlockende An⸗ den zu haben, was wir daraus erſehen, daß ſie ſogleich nach Er⸗ ſchauungen zu erwecken. Dies iſt der Standpunkt, zu dem die ſcheinen von zwei Blättern, einem in Köln und einem in Bonn, Literatur über Amerika faſt allgemein gekommen iſt. Der vor⸗ ſchleunigſt nachgedruckt wurde. Die Verlagshandlung wollte wi⸗ liegende Inhalt iſt bunt und gedrängt, meiſt kurze, deutlich der beide Redactionen gerichtlich ihr Eigenthumsrecht geltend ſprechende Anekdoten und Geſchichten aus dem Leben der Ein⸗ machen, um dieſem Unfug ſo unzähliger Localblätter gegenüber wanderer, der Yankees, der Indianer u. ſ. w. Den Schluß bilden ein Exemplum zu ſtatuiren; doch war die Verfaſſerin ſelbſt ihr Mittheilungen aus der„Chronik des Schrecklichen.“ zuvorgekommen, und ſo haben wir, dieſer das Vorrecht cedirend,
für's Erſte von ferneren Schritten abgeſtanden.
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Der vaterländiſche Hausfreund. Unterhaltungen und Die Baronin von Rheinsberg, genannt Ida von Studien aus dem Natur⸗ und Menſchenleben. Herausgegeben Düringsfeld, verweilte kürzlich in Leipzig. Mehrere Neuig⸗ von Fr. Eduard Keller. Erſter Band, erſtes Heft.— Güters⸗ keiten, dalmatiſche Reiſeſkizzen, dalmatiſche Novellen u. A. ſind loh, Bertelsmann, 1856. von ihr zu erwarten. Auch wir werden in unſerer Zeitung eine
Ein preußiſch patriotiſches Volksbuch in zwangsloſen Heften. der Wirklichkeit entnommene Erzählung aus der Umgegend von Der Standpunkt der Herausgeber ſcheint der zu ſein, von dem Raguſa veröffeatlichen. Die Planloſigkeit, die unſere Kritiker gebildete Volksſchullehrer unterhalten und unterrichten. Das öfters in den großen Romanen der Verfaſſerin tadelten, findet ſich Mitgetheitte iſt zu billigen, aber nicht neu und in dieſer Zuſam⸗ nicht in ihren kleineren Arbeiten; das ſind elegante, fein ausgear⸗ menſtellung von keiner Nothwendigkeit. Wir wiſſen nicht, ob bei beitete Cabinetſtückchen von einer gewiſſen unnachahmlich indivi⸗
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