Jahrgang 
27-52 (1856)
Seite
650
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Quelle iſt, wo die Modejournale entſtehen. Faſt jede Woche taucht eine neue Erſcheinung auf, der man anſieht, daß ſie eine Erfindung iſt ein neuer Mantelſchnitt, ein neuer Chale, eine eigenthümliche Hutform, eine beſondere Combination der Toilette. Die ſtolze Trägerin wandelt eine Stunde am Arm ihres Cavaliers auf den Promenaden auf und ab, und verſchwindet. Am folgenden Tag be⸗ gegnet ihr ſchon eine Copie, die ſich an jedem folgenden Tag in geometriſcher Progreſſion vervielfältigt. Und wenn die Woche zu Ende iſt, beſitzt Europa eine Mode mehr. Sie wird den Pariſer Journalen mitgetheilt und kommt, oft auf großen Umwegen, endlich auch in die deutſchen Mode⸗Journale und in die Ateliers der Marchandes de Mode, durch Gerſon nach Berlin, durch Meyer nach Dres⸗ den, durch Pflugrath nach Leipzig. Die Redacteure der Muſter⸗Zeitungen wiſſen das ſehr wohl und haben hier ihre eigenen Correſpondenten, die beſtändig in Athem er⸗ halten werden.

Im Allgemeinen ſind die Moden jetzt ſchöner, graziöſer und ungezwungener, als in den letzten Jahren mit Ausnahme der häßlichenCrinolines, die leider an Um⸗ fang noch zu⸗, anſtatt abnehmen, ſo daß die Karikaturen, welcheKladderadatſch und dieFliegenden Blätter davon gegeben haben, zur vollen Wahrheit geworden ſind. Es ſind wahre Luftballons, welche die Damen zu unnah⸗ baren Gegenſtänden erheben und das Tanzen nächſtens unmöglich machen werden. Ihre Entſtehung iſt bekannt. Nachdem aber dasKind von Frankreich endlich das Licht der Welt erblickt hatte, hoffte man ſtark, daß die allge⸗ meineHoffnung Frankreichs, welche die Crinolines ſym⸗ boliſch ausdrückten, ſich mäßigen und beruhigen würde. Keineswegs. Dieſe Mode iſt für gewiſſe geſellſchaftliche Zuſtände ſo bequem und für die Sitten unſerer Zeit leider auch ſo bezeichnend, daß man dieſe abſcheuliche Tracht zu behalten geneigt iſt, ſo lange als nur möglich. Das feierliche Proteſtiren der geſammten Männerwelt hilft da

Noveſſen⸗Zeitung.

gegen Nichts. Haben doch ſogar die Prediger von den Kanzeln vergeblich dagegen geeifert. Einer hat vor Kur⸗ zem in Paris gepredigt:Meine Damen! Bedenken Sie, daß die Pforte des Himmels ſehr eng iſt, ſo eng, daß Sie mit Ihren Crinolines nicht hindurchkommen können! Aber es hat Alles Nichts geholfen. Die Damen zogen ihre Crinolines der Himmelspforte vor, und die Kirche kam zu der Erkenntniß, daß ihre Macht, die ſchon Kaiſer beugte, die Mode doch nicht bezwingen konnte.

Die kleinen, nur am Hinterkopf wie ein Schwalben⸗ neſt hängenden Damenhüte werden zwar immer noch ge⸗ tragen, doch mehr in Folge der Friſuren à la Eugenie und à la Valois, die ſehr kleidſam und ſelbſt maleriſch ſind. Gegen die kleinen Hüte hat ſich bekanntlich eine ſehr wohl⸗ thätige Reaction von großen runden Strohhüten mit Macht erhoben. Seitdem dieſe aber von aller Welt getragen werden, hat die feine Damen-Welt eine neue Tracht erfun⸗ den: kleine, höchſt kleidſame, niedrige Herren⸗Strohhüte in Schwarz, Braun oder Grau, die mit Federn, mit Spitzen und einem Schleier ſehr graziös garnirt ſind, eigentlich eine Amazonentracht, die aber jungen und ſchönen Geſichtern ganz reizend ſteht. Hiermit ſind die breiten Schooß taillen und Jacquets und die paletotähnlichen Ueber⸗ zieher in Harmonie; Stulphandſchuh, Schnallenſchuhe und kleine Mäntelchen, oder echt afrikaniſche Burnus vollenden die Toilette und geben den Damen ein etwas herausfor⸗ derndes, phantaſtiſches Aeußere. Wird die Tracht über⸗ trieben, ſo wird ſie allerdings kunſtreitermäßig und thea⸗ traliſch. Aber das rechte Maß zu halten iſt eben die große Kunſt der Dame comme il faut.

Im Grunde genommen kann man hier Alles tragen, ſobald es nur geſchmackvoll iſt. Den Damen iſt ohnehin oft genug Gelegenheit gegeben, Toilette zu machen: das Haus⸗Negligée, das Negligée der Morgen-Promenade in der Trinkhalle, das Reiſe⸗Coſtum bei größeren Ausflügen,

die Toilette zu Viſiten, die Toilette zum Diner, die Toilette

dabei ihr Leben aufs Spiel zu ſetzen, durch welchen Entſchluß ſie mich beinahe in großer Noth ſtecken ließen. Nachdem ich nämlich mein Doppelgewehr gehörig geladen hatte, fühlte ich Luſt in die Schranke zu treten, ſo lange die Helle bei meinen verborgenen Feinden noch anhielt, und als das Boot auf den Grund ſtieß, war ich zu dieſem Zwecke ans Ufer gegangen. Ich konnte weder Tiger noch Spuren von ihnen ſehen; Schlangen allein von allen Farben und Größen ſchlängelten ſich zu Hunderten umher, während gewiß ein halbes Tauſend ekelhaft ausſehender Geier ihre Opera⸗ tionen an den beiden geſchoſſenen Büffeln begonnen hatten. Als ich zum Boot zurückkehren wollte, kam ich gerade zu rechter Zeit, um zu ſehen, daß die drei Ausreißer zurückgekehrt und im Begriff waren, ohne mich abzufahren. Glücklicherweiſe waren ſie noch nicht weit gekommen, denn ſonſt hätten zwei von ihnen mir im Sterben Geſellſchaft leiſten müſſen, indem ich dann ebenſowenig Pejögert haben würde, auf ſie zu feuern, als vorher nach den Buͤffeln. Ich geſtattete ihnen jedoch den Hoogly zu erreichen, ehe ich ihnen fühlbare Beweiſe meiner Unzufriedenheit für ihre freundlichen Abſichten gab.

Könnte man dieſe Inſeln mit einiger Sicherheit oder nur ohne die Gewißheit des Todes bejagen, ſo wage ich zu behaupten, daß es auf der ganzen Erdkugel keinen Fleck gibt, wo alle Arten von Wild in ſolchem Ueberfluß zu finden wären. Krokodille habe ich nicht erwähnt, denn ſie ſind in allen indiſchen Flüſſen gewöhnlich.

Der einzige Plan dieſe Orte anzugreifen wäre, ein Corps von funfzig Jägern auf ebenſovielen zahmen Elephanten zu bilden, um von ihnen herab zu ſchießen; aber ſelbſt dann würde das Klima ein fürchterlicherer Gegner ſein als die Thiere, denn es iſt

ſo ſchädlich für den Menſchen, daß ſelbſt Hindus nicht viele Tage dort leben könnten.

Die einzigen Trophäen, die ich von dort mitnahm, waren zwei wunderſchöne Paradiesvögel, die ich ſchoß. Dieſe Inſeln ſcheinen das unbeſtrittene Eigenthum der Thierwelt und ſen dem Anfang der Welt nicht von Menſchen betreten worden zu ſein.

Ich habe gehört, daß der Löwe ebenfalls ein Bewohner dieſer Orte iſt und daß der Elephant allein dort nicht ſeine Wohnung aufgeſchlagen hat. c.

Schwimmende Inſeln.

Man hat viele Fabeln von ſchwimmenden Inſeln erzählt, von denen jedenfalls die Inſel Delos die berühmteſte geweſen wäre, wenn ſie jemals geſchwommen hätte; aber Alles beweiſt im Gegentheil, daß ſie gleich den meiſten Inſeln des Archipels ein vulcaniſches Product iſt, das aus dem Grunde des Meeres zu der Stelle em⸗ porgehoben wurde, die ſie jetzt einnimmt und von jeher eingenom⸗ men hat. Dennoch iſt es vollkommen wahr, daf ſich auf Seen und Flüſſen ſchwimmende Inſeln bilden und zu allen Zeiten ge⸗ bildet haben; ſelbſt auf ſolchen Armen des Neeres iſt dies ge⸗ ſchehen, die gegen heftige Stürme geſchützt ſind, und zwar auf

folgende Weiſe: Nach heftigen oder lange anhaltenden Regengüſſen

reißt die dadurch heftiger gewordene Strömung des Waſſers be⸗ trächtliche Stücken vom Ufer los und trägt ſie mit ſich fort. Sind dieſe Erdſtücken mit Bäumen bewachſen und werden ſie durch ſtarke und zahlreiche Wurzeln zuſammengehalten, ſo widerſtehen ſie der Auflöſung, folgen längere oder kürzere Zeit der Strömung des Waſſers und gelangen endlich, wenn ſie nicht vorher an einem

Nr. 4.

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