Jahrgang 
27-52 (1856)
Seite
649
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1.

Jahrg. unheim reſi⸗ Lalais an der mit Pavillon * Dir Frau ſvolle Fürſtin, d Wiſenſchaft Nittelpunkt des of⸗Cirkeln die le erſteren als hie für Frank⸗ hine) und die m Herzog von fenthalt gleich⸗ ausgezeichnete tzogin Zutritt, uch der Künſt⸗ f. d von Baden, ßten Theil ver⸗ lebte Baden⸗ Schloß pracht⸗ on theils hier, rſtein. Daß nach ſich zog, t, Friedrich rlsruhe und es in Baden⸗ nzeſſin oulſe du fofen, daß en; wieder in

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von Baden geworden iſt. Auch die Prinzen Friedrich und Karl von Preußen hielten ſich in dieſem Sommer hier auf.

Der König von Würtem berg kommt alle Sommer zwei Monate hierher. Er bleibt zwar incognito und reiſt unter dem Namen eines Grafen von Teck, iſt aber Veran⸗ laſſung, daß auch der würtembergiſche Adel hierher kommt.

Der regierende Fürſt von Fürſtenberg mit Familie lebt alle Sommer hier. Er hat ſich ein prachtvolles Hötel in der Stephanien⸗Straße erbaut und dadurch ſein Bleiben der Saiſon garantirt.

Früher verweilte auch der regierende K urfürſt von Heſſen jede Saiſon in Baden und beſaß hier ſein eigenes Hôtel. Er zog ſich aber ſpäter nach Homburg, um das Geld ſeinem Lande zu erhalten.

Außerdem verweilten an fürſtlichen Häuptern in dieſer Saiſon noch hier: die Königin der Niederlande, als Gräfin von Büren, die Herzogin von Cambridge und der Großfürſt Michael von Rußland. Wollte ich die übrigen hohen Herrſchaften hier namentlich anfüh⸗ ren, ſo müßte ich den vierten Theil der Badeliſte copiren.

Nur ſei noch bemerkt, daß die ſämmtlichen Geſandt⸗ ſchaften auswärtiger Mächte am großherzogl. badiſchen Hof, ſo wie zum größten Theil die Geſandten am königl. würtembergiſchen Hof, ihre Sommer⸗Reſidenzen nach Ba⸗ den⸗Baden verlegen.

Der reiche Bürgerſtand Deutſchlands iſt hauptſächlich durch Badener, Würtemberger und Preußen vertreten. Doch befindet ſich der echte Berliner hier nicht beſonders in ſeinem Element, denn er ſpielt keine ſeinen Wün⸗ ſchen entſprechende Rolle. Dem Süddeutſchen iſt der Ber⸗ liner Witz fremd, der Berliner Ton durchaus nicht ſym pathiſch, die BerlinerBildung undIntelligenz mehr komiſch als imponirend.

Man erkennt die Berlinerinnen oft an ihren überla⸗ denen Toiletten; Gerſon wird hier nach Möglichkeit

Dritte folge.

ausgetragen, aber Gerſon macht in Baden⸗Baden nicht die Moden, ſondern nur in Berlin. Wenn man wiſſen will, was modern iſt, ſo muß man hierher kommen, um die Pariſerinnen zu ſehen, zu denen ſich die Berliner Toiletten höchſtens wie karikirte Copien verhalten. Es iſt hinlänglich anerkannt, daß keine Damen geſchmack⸗ vollere und graziöſere Toiletten zu machen verſtehen, als die Pariſerinnen. Ihnen bleibt daher auch das unbe⸗ ſtrittene Recht, Gebieterinnen der Mode zu ſein. Zu be⸗ ſchreiben iſt es nicht, bis zu welchem Grad der Pracht und

Verſchwendung hier die Toiletten getrieben werden; aber

der große Luxus der Pariſerinnen beſteht nur in der Wahl der koſtbarſten, allein von Kenneraugen zue ſchätzen⸗ den Stoffe, nicht in Ueberladung mit einer Maſſe von Putz⸗ oder Schmuckſachen, die auffallend, herausfordernd oder geſchmacklos genannt werden könnte. Man ſieht hier auf der Promenade Toiletten im Sande ſchleifen, die auf dem Parguet eines deutſchen Hof⸗Balles Senſation machen würden. Schleppkleider von himmelblau oder roſa Moiré antique werden zu Unterkleidern degradirt und dienen nur als ſchimmernde Folie für einen ſcheinbar einfachen weißen Rock, der aber von oben bis unten mit der koſt⸗ barſten engliſchen Stickerei bedeckt iſt. Der Begriff der Mantillen iſt völlig umgekehrt worden. Früher waren es Ueberwürfe von Sammet oder Seide, die mit Spitzen⸗ Streifen garnirt wurden. Jetzt ſind es Ueberwürfe von ellenbreiten Brüſſeler Spitzen, die durch Sammetſtreifen zuſammengehalten werden. Wohin dieſer Luxus noch füh⸗ ren ſoll, iſt ſchwer zu ſagen, und da ich nicht Redacteur eines Mode⸗Journals bin, zerbreche ich mir auch nicht den Kopf darüber.

Wer ſich aber auch Zeitlebens nie um Moden beküm⸗ mert hat, wird faſt unwillkührlich hier darauf aufmerkſam gemacht, weil man ſich im Centrum jener unſichtbaren Geſellſchaft mit ihrem geheimnißvollen Treiben befindet, welche die Mode creirt. Man fühlt, daß man an der

wir wieder auf Deck anlangten, hatte die heitere Weltanſicht aber⸗ mals die Oberhand gewonnen; ſelbſt unſer Bureaukrat faſelte etwas von einem Bitteren, der ihm freilich in dieſer Zone nicht ver⸗ abreicht werden konnte.

Zur Länder⸗ und Völkerkunde.

Ein Jagdverſach in den Sunderbunds.

Die Sunderbunds ſind eine Anzahl kleiner Inſeln an dem Zuſammenfluß des Hoogly und des Ganges, bevor ſie ſich in den dengaliſchen Meerbuſen ergießen. Dieſe Inſeln werden ſelten beſucht wegen ihres ungeſunden Klimas und der dort hauſenden ungeheuern Menge von Reptilien und Tigern. Man kann buch⸗ ſtäblich ſagen, daß die Junglen auf ihnen von wilden Thieren wimmeln, und es iſt häufig vorgekommen, daß Tiger aus dieſen Orten nach Booten hinſchwammen, welche in dem Hoogly ankerten, und mehr wie einen von den darinſchlafenden Menſchen hinweg holten.

Wilde Büffel findet man hier ebenfalls in Ueberfluß, während die armen Hirſche verdammt ſind hier zu leben, um den Tigern zur Beute zu dienen. Lebten dieſe Thiere nicht von einander, ſo würden täglich Hunderte vor Hunger ſterben, ſo groß iſt ihre Menge.

Von der Jagd hier einen Bericht zu geben, kann ich nicht unternehmen, denn ich habe mich nur in einer ſehr kleinen Barke in das Innere gewagt und Waghälſe, die mehr unternahmen, ſind nie zurückgekehrt, um von dem Geſehenen zu erzählen.

Boden und gehen nicht über acht Zoll im Waſſer,, ſo hatten ſie

Bei meiner einzigen Excurſion nach dieſen Orten ward ich in meinem Boot durch eine Heerde Büffel angegriffen, und da das Waſſer nicht über zwei Fuß tief war(die Boote haben einen flachen einen außerordentlichen Vortheil über uns. Zwei von den Leuten wurden ſchrecklich geſpießt, die Andern ſprangen ins Waſſer und rannten ans Landaus der Bratpfanne ins Feuer, denn kaum näherten ſie ſich dem Ufer, ſo trieb ſie der Anblick eines niederge⸗ kauerten Tigers in das tiefere Waſſer und ich ward allein gelaſſen mit meinen zwei verwundeten Begleitern, die laut genug ſchrieen, um alle Thiere der Sunderbunds um uns zu verſammeln.

Unſer Boot widerſtand glücklicherweiſe den Bemühungen der Büffel, es zu zerſtören, während ich aus den Fenſtern der hölzernen Ueberdachung ein wirkſames Feuer unterhielt. Als ich zwei der Büffel getödtet hatte, beläſtigten uns die übrigen nicht länger. Hätte ich in dieſer Lage bleiben müſſen, ſo war mein Untergang unvermeidlich. Mir allein war es unmöglich, das Boot vom Flecke zu bringen, und jeden Augenblick trieb es mehr dem Ufer zu; allein wäre es mir auch gelungen, es in der Mitte des Stromes zu halten, ſo hatte ich guten Grund zu glauben, daß mehr Tiger als der eine am Ufer geſehene nur den Abend erwarteten, um ihren Angriff zu machen.

Meine drei unverwundeten Schwarzen') wollten nicht zurück⸗ kommen, ſondern wateten und ſchwammen drei Stunden lang umher, bis endlich das Waſſer zu kalt für ſie wurde, was ſie bewog, es noch einmal zu wagen in das Boot zurückzukehren und

*) Der engliſche Officier, der dies ſchreibt, nennt ſeltfamer Weiſe die Hindus durchwegNiggers.