Jahrgang 
27-52 (1856)
Seite
647
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. lll Jatrg Nr. 41.] Dritte folge. 647 V ſehen einander der Mode, und das iſt das Schlimmſte, was einemLion einen ſchönen Ort der Welt zum Schlachtopfer auserſehen paſſiren kann. haben, iſt er für die deutſche Civiliſation ſo gut wie ver⸗ Die Saiſon nimmt faſt alljährlich einen andern Cha⸗ loren. Daß der Engländer im Auslande ein ſo ganz V erwähnte aber rakter an; die Scene wechſelt, je nach den Tonangebern, anderer iſt, als zu Hauſe, iſt leicht erklärlich, wenn man paar Nonaten welche die Geſellſchaft aus den Vertretern der europäiſchen die Verhältniſſe kennt. Den wirklich feinen und vornehmen meiſter v. Abig Ariſtokratie ſich erwählt. Es kommt auch viel darauf Engländer, die echte Ariſtokratie Alt⸗Englands, bekommen V nahm das nict an, welche Nation ſich das Luxusbad zur Saiſon auser- wir nur ſelten zu ſehen. Sie bleibt in ihrem Lande, auf ehme aber auch koren hat. Auch hierin wechſelt die Mode. In dieſem ihren Gütern, lebt in dem herrlichen Schottland, oder ziert r auf. Meine Jahre zum Beiſpiel ging der Zug der reichen und vorneh⸗ den königlichen Hofhalt. Wenn die engliſche Ariſtokratie 1, ich muß die men Ruſſen, welche ſonſt Baden vorzugsweiſe lieben, nach aber reiſt, geht ſie nach der Schweiz, nach Italien, nach ann, muß mein Wildbad und Stuttgart, weil dort die Kaiſerin von Griechenland und ſelten nach Deutſchland. Sie bleibt ten Gedankens Rußland Hof hielt. Erſt als ihre Kaiſerin Deutſchland auf Reiſen auch ſo ſeparirt, als in ihren Schlöſſern, reiſt nderer mitleben verlaſſen hatte, lenkte der Strom der Ruſſen nach dem ge⸗ in eigenen Wagen, wohnt in eigenen Hoôtels, hat eigene ſeinen Schluß; liebten Baden⸗Baden zurück, das ſie während des orien⸗ Dienerſchaft und verkehrt mit Niemand direct. liebe Hand ſetze taliſchen Kriegs nothgedrungen miſſen mußten. Seit Was wir aber in Deutſchland(und jetzt auch in der der Kaiſerzeit iſt Baden mehr noch als früher zu einem Schweiz) von Engländern zu ertragen haben, iſt mit wenig franzöſiſchen Badeort erhoben worden, und den Ausſchlag Ausnahmen nur engliſcher Ausſchuß. Was auf den

für die franzöſiſche Neigung gab der Kaiſer Napoleon ſelbſt, Bahnhöfen alle Welt bei Seite ſtößt, in den Coupés die der vor einigen Jahren(1852) zum Beſuch der Groß⸗ Füße auf die Sitzbänke, in den Hôtels die Füße auf die herzogin Stephanie hierher kam, wie man ſagt, mit Hei⸗ Stühle legt; was mit allen Wirthen, Kuſchern und Hand⸗ rathsplänen, die ſich zerſchlugen. Napoleon brachte ſeine werkern wegen der Preiſe zankt, Nichts als Thee und Miniſter mit; Conferenzen wurden hier gehalten, die ſich Beefſteak verzehrt und doch die großartigſten Prätenſionen

Baden in ſpäteren Jahren wiederholten, ohne die traurige Be⸗ macht; was auf den ſchönſten Touren in die rothen Reiſe⸗ 4 rühmtheit derKarlsbader Beſchlüſſe erlangt zu haben. bücher ſtarrt, oder denGalignani lieſt, oder permanen⸗ Journaliſten. Die Diplomatie gab den Ton an, und ſeitdem iſt Baden ten Kaſſenabſchluß macht und ſich doch nie ins Geld finden das Modebad der Kaiſerzeit ganz im Sinne von kann; was jeden Deutſchen für ſeinen Kammerdiener an⸗ . Benazet, der unglaubliche Anſtrengungen macht, Baden ſieht und Grobheit für vornehmen Ton hält: das iſt nicht ſicht dieſes Renommée zu erhalten, Paris hierherzuziehen und der Repräſentant Alt-Englands mit ſeinem Comfort, fſout yrolla⸗ den Glanz der Kaiſerzeit in ſeine Salons zu übertragen. ſeinen feinen Sitten, mit ſeinen Rückſichten gegen die Da⸗ gurus⸗Geſetze, In Folge deſſen bemerkt man mit Vergnügen, daß die men, wie gegen das Geſetz das iſt im Gegentheil der die man ſch reiſenden Engländer Baden mehr und mehr verlaſſen und reich gewordene engliſche Schneider oder Bierbrauer; das Grund, ihren den Franzoſen Platz machen. Ich ſage mit Vergnügen iſt der Sohn des engliſchen Fabrikanten, den man auf er ſie ſund unn) weil ein Badeort, wo die Engländer dominiren, für Reiſen ſchickt, weil er daheim Nichts taugt; das iſt der vis ein neuet uns Deutſche unausſtehlich iſt. Die Arroganz, die Lange⸗ V engliſche niedere Landadel, der in Deutſchland polirt wer⸗ langit Bleibt weile, die Rückſichtsloſigkeit des gemeinen Reiſe⸗Engländers V den ſoll; das iſt der jüngere Sohn ohne Erbtheil, der nach nun chnelluus ſind wahrhaft unerträglich, und wenn die Engländer ſich Deutſchland geht, um zu ſparen, und mit ſeinen wenigen ... 4 3. nal de Sclach mit dieſem undurchdringlichen Schleier bedeckt. Auch auf dem Zeiten der Mangel an Schauſpielerinnen dazu nöthigte, ſie für Tkrecht erchte Theater ſelbſt gehörte dieſe Maske zu dem Coſtüm gewiſſer Schau⸗ gewiſſe Rollen, wie z. B. die Ammen und die Soubretten, durch fen ls authentiſch ſpieler. 4 1. Schauſpieler zu erſetzen. Uebrigens waren in den älteren Stücken ie wälce auf Die, welche in der Poſſe ſpielten, theilten ſich in zwei Claſſen: dergleichen Rollen, um das Auditorium zu ergötzen, meiſtentheils

die Maskirten und die Bemalten. Dieſe Letzteren waren die zahl⸗ ſo frei geſchrieben, daß ſelbſt die mindeſt⸗zartſinnigen Schauſpiele⸗ fwer Gelahlin, reicheren; ſie beſtanden aus allen Denen, welche von Natur ein rinnen daran Anſtoß nehmen mußten. Die Maske ſowohl als

f ih de bewegliches und komiſches Geſicht hatten. Jean Farine, Jodelet, die Fiſtelſtimme waren daher für den Schauſpieler unerläßlich, der

e befindet ſ Gros⸗Guillaume gehörten zu ihnen, und der Geſchichtſchreiber des die Ammen ſpielte. Dieſer Gebrauch endete aber mit Corneille, aat, it ucht théatre frangais verſichert, der Letztgenannte habe die koſtbare der die Ammen vom Theater verbannte und ſie durch die Diene⸗ ar liegi⸗ und des Geſchicklichkeit beſeſſen, durch eine Bewegung ſeines Kopfes, ja rinnen oder, wenn man will, durch die Vertrauten erſetzte. Da⸗ '5 X) 1 gekelt durch ein bloßes Zucken ſeiner Augenbrauen ſeine Mitſpielenden durch ſahen ſich die Schauſpieler, welche bis dahin die Soubretten nan hier auſg 8 mit Mehl zu bedecken, worüber dann natürlich das Publicum laut und die Ammen geſpielt hatten, auf die komiſchen Alten beſchränkt. und Narie line lachte. Dieſe Mode, ſich das Geſicht mit Mehl zu beſtreichen, war, Erſt mit dem Ende des 17. Jahrhunderts hörte der Gebrauch auf, ichſpiel Mad wie man ſieht, dem ähnlich, was noch heut der Pierrot der italieni⸗ Frauenrollen durch Männer geben zu laſſen, en wurdn, e ſich ſchen Komödie thut. 1 V In England gab es ehedem gar keine Frauen bei dem Theater die iinien iony⸗ 1 Andere Poſſenreißer, nicht minder berühmt als die Genannten, und ihre Rollen wurden durchweg von Männern geſpielt. Eines Der hälte d auf aber wahrſcheinlich nicht mit gleicher Beweglichkeit ihrer Züge oder Tages nun wurde König Karl II. ungeduldig, daß man ſo lange nſih, Vig der mit eben ſo komiſchem Geſicht begabt, zogen es vor, beim Spiel mit dem Anfange eines Stückes zögerte. Er ließ den Director hatte Ludw 1 eine komiſche Maske vorzunehmen, die dem Charakter ihrer Rolle rufen, um ihm Vorwürfe zu machen, dieſer aber entſchuldigte ſich 3 antſprach. Zu dieſen gehörten z. B. Guillot⸗Gorjü, Gautier⸗ mit den Worten:Sire, die Königin muß erſt raſirt werden. a. Gargullle und der berühmte Turlugin, deſſen Name die Ehre ge⸗ f noſſen hat, gewiſſermaßen zum Sprichwort zu werden. Es geſchah r⸗ znch wohl, daß Schauſpieler einer böheren Ordnung ſich der Ein Frühſtück auf dem gardaſee. 1 ügungen des ein NM aske bedienten, wie dies Molidre that, als er die erſten Male Aus demWanderbuche eines literariſchen Handwerksburſchen. Von 6 lall emeine die die Rolle des Mascarille in les Précieuses ridicules ſpielte. E. Koſſak. Berlin, Franz Stage. 1856. vung nie ai u Scarron ſagt von dem Schauſpieler la Rancune:Zu den Amcsk bede 3 Zeiten, als man auf die Stücke Hardy's beſchränkt war, ſpielte er Die Mägen, grauſam wie die heidniſchen Götzen des Alter⸗ 1, ſie die R mit Fiſtelſtimme und der Maske die Ammen⸗Rollen. Dieſe thums, forderten Fleiſch zum Opfer und ich begab mich mit dem

rug hatz un aln Stelle wird denen nicht auffallen, welche wiſſen, daß in früheren Obriſtlieutenant auf die Entdeckungsreiſe nach dem Vorderplatz.