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hänge blieben zugezogen, ich horchte auf das Geräuſch eines Wagens, der meine Couſine dem Ziele ihrer Beſtimmung entgegenführen ſollte. Sie hatte das Beſte erwählt, indem ſie ging, Mutter das Rechte ergriffen, ſo durfte ich mich gewiß nicht beklagen, daß Alles gekommen war, wie es nun eben war. — Jetzt hörte ich Räder rollen. Mein Herz pochte, ich faltete meine Hände und ſtärkte mich durch ein Gebet; dann hüllte ich mich feſter in meine Decke ein und verſuchte meinen Gedanken eine andere Richtung zu geben. Erinne⸗ rungen, der Troſt ſpäter Tage, tauchten auf und umſpiel⸗ ten mit buntem Flitter mein Lager, bis ich unter ihrem Gaukeln entſchlummerte.
Als ich das Auge wieder öffnete, war Alles vorbei, im Hauſe war es ſtill, Mittag war vorüber, meine Jungfer ſaß im Nebenzimmer und arbeitete, die Katze ſonnte ſich in dem Strahle, der durch die geſchloſſenen Läden fiel, die Uhr tickte laut. Ich legte die Hände über mein Geſicht und weinte.— Cordelie, Cordelie! ſo ſchwach warſt Du!
So traf mich mein Arzt.—„Wie? was?“ ſagte er. „Welche Stimmung, meine verehrte Freundin! Ich kenne Sie ja gar nicht mehr.“
Ich lächelte wehmüthig.—„Ich komme mir verlaſſen vor,“ ſagte ich traurig.„Man ſcheidet im Alter nicht gern. Und doch fühle ich, daß das geräuſchvolle Treiben jüngerer Perſonen mir nicht wohl thut.“
„Das fühle auch ich,“ ſagte er ernſt;„doch iſt das nun nicht mehr zu ändern. Wir Beide wiſſen, daß es anders mit uns hätte ſtehen können, wenn wir es anders gewollt hätten; aber nun iſt es zu ſpät.“
„Ja wohl, zu ſpät,“ ſagte ich und legte meine Hand in die ſeinige,„zu ſpät, um die Vergangenheit wieder auf⸗ zunehmen, aber nicht, um zu erkennen, was uns die Gegen⸗ wart Gutes gewährt.“
„Da haben Sie ein wahres Wort geſprochen,“ ſagte
mußte ich mir ſagen; ſie hatte als Frau und als
Novellen⸗Zeitung.
[II. Jahrg.
er, meine Hand warm drückend,„und wir ſtehen einander doch nahe, das iſt die Hauptſache.“
Ich erholte mich. Elfride ſchrieb mir, erwähnte aber nichts von dem bärtigen Modell. Nach ein paar Monaten zeigte ſie uns ihre Verlobung mit dem Rittmeiſter v. Abig an und lud mich zur Hochzeit ein. Ich nahm das nicht an. Ich verlaſſe mein Haus nicht mehr, nehme aber auch Niemand mehr in meinem Hauſe bei mir auf. Meine Ruhe darf nicht mehr unterbrochen werden, ich muß die Welt entbehren lernen, die mich entbehren kann, muß mein Herz loslöſen von Dingen, die keines ernſten Gedankens werth ſind, und nicht mehr das Leben Anderer mitleben wollen.— Mein Tagebuch erreicht damit ſeinen Schluß; die Hand, die mir das Auge zudrückt, die liebe Hand ſetze ihr Amen dazu.
Eine Saiſon in Baden⸗Baden. Tagebuch⸗Blätter eines deutſchen Journaliſten.
v. Eine Art von Modebericht.
Die feine Welt hat ihre Geſetze, die ſie ſofort procla⸗ mirt, wo ſie erſcheint. Es ſind zwar nur Luxus⸗Geſetze, es iſt nur Hof⸗Ceremoniell und Etiquette, die man ſich freiwillig auferlegt, ohne daß man ihren Grund, ihren Zweck, ihre Entſtehung angeben könnte. Aber ſie ſind nun einmal da und werden ſo lange reſpectirt, bis ein neuer
Alleinherrſcher der Mode einen anderen Ton angibt. Bleibt
man nicht immer„au courant“, ſo kommt man ſchnell„aus
bildet. Die Kapelle St. Jean Baptiſte iſt ſehr merkwürdig. Das Gitter iſt aus dem 13. Jahrhundert; das Holzſchnitzwerk ſtammt aus dem Schloß Gaillon. Germain Pilon hat das Basrelief gemeiſelt, welches den heiligen Johannes in der Wüſte darſtellt.
Die lange Kapelle, welche an der ſüdlichen Seite des Schiffs liegt und während des Winters zum Chore dient, enthält koſtbare Kirchenſtühle von Holzſchnitzwerk, die aus der St. Lucianskirche zu Beauray und aus dem Schloſſe Gaillon ſtammen.
In der Kapelle der heiligen Jungfrau und der des heiligen Eugen befinden ſich einige Reſte alter Kirchenfenſter.
Die Gräber der obern Kirche ſind die Dagobert’s, der Königin Nantilde, ſeiner Gemahlin, Ludwig's XII. und Johanna's von Bretagne, Heinrich's II. und Katharinens von Medicis, Franz’ I. und Claudinen's von Frankreich.
Das Grab Dagobert's iſt authentiſch. Obgleich oft ausge⸗ beſſert, iſt es doch noch ein koſtbares Stück von der Bildhauerkunſt im Mittelalter. Das Grab Nantildens iſt nur ein Stück, welches 1817 von dem Grab Dagobert's getrennt und durch die Reſtau⸗ rationen ſehr mißhandelt wurde.
Die Kapelle des heiligen Hippolyt an der Nordſeite des Schiffes enthält das prachtvolle Grab Ludwig's XII. in Tours, von St. Juſte im Jahr 1531 gefertigt, und das Heinrich's II. und Kiehndnens von Medicis, ein bewundernswürdiges Werk Germain Pilon’s.
Das Grab Franz'I. iſt auf der andern Seite des Schiffes in der Kapelle des heiligen Michael. Dieſes Meiſterwerk iſt von Philibert Delorme. ie Bildhauereien ſind von Germain Pilon, Pierre Bontemps, Ambroiſe Perret, Jaques Chantrel, Baſtien Galles und Jean de Bourges.
In der Krypte wollen wir nur das Denkmal der Schlacht von Bourines erwähnen, das 1376 durch die Waffenknechte errichtet wurde, die Statue Philipp's des Kühnen, die als authentiſch betrachtet wird, und die Gruft des Hauſes Orleans, welche auf Befehl Ludwig's XII. errichtet wurde. Die Bildſäule des Herzogs von Orleans und die Valentinens von Mailand, ſeiner Gemahlin, ſind der erſten Meiſter würdig. Dicht daneben befindet ſich die Gruft der Condés.
Die königliche Gruft, die unter dem Altar liegt, iſt nicht öffentlich. Hier ſtehen noch die Särge Ludwig’s XVIII. und des Herzogs von Berry. Auch einen Sarg hat man hier aufgeſtellt, der die traurigen Ueberreſte Ludwig's XVI. und Marie Antoi⸗ nettens enthält, die nach ihrer Hinrichtung im Kirchſpiel Madeleine auf einem Gottesacker der Rue d'Anjou begraben wurden.
Die Erinnerungen an den Tod ſind nicht die einzigen, die ſich mit der Baſilica von St. Denis verknüpfen. Der heilige Diony⸗ ſius war der Schutzpatron des Königreichs Frankreich, und auf dem Altar der Kirche, die ihm gewidmet iſt, hatte Ludwig der Dicke die Oriflamme niedergelegt. a.
Mashirt und bemalt.—
Die Maske, in unſerer Zeit für die Vergnügungen des Car⸗ nevals aufbewahrt, war im 17. Jahrhundert viel allgemeiner im Gebrauch. Eine Dame von höherem Range ging nie auf die Promenade, ohne ihr Geſicht mit einer Sammetmaske bedeckt zu haben; aber nicht bloß auf der Promenade trug ſie die Maske, ſondern auch im Theater, in der Kirche ſogar, kurz an allen Orten blieb ihr Geſicht, wenn auch nicht immer, doch ſehr häufig
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