Jahrgang 
27-52 (1856)
Seite
644
Einzelbild herunterladen

Verläumdung kannſt Du nicht nennen, was die vier Prinzeſſinnen aus dem Fenſter mit angeſehen haben, was jeder Vorübergehende, wenn er wollte, ſehen vermochte. Nichts da! Ihr Ruf iſt hin, iſt hin. Ich muß ſie unter die Haube ſo ſchnell ich kann, ſelbſt mit dem Vermögens.

Du malſt die Sache zu ſchwarz aus. von dem Du redeſt, wird nicht ſo an Deinem Kinde han⸗ deln, denn Du ſelbſt haſt ihn in das Haus gelockt; Du mußteſt alſo von ſeiner Ehrenhaftigkeit überzeugt ſein.

Wohl war ich das, was ſeine äußere Erſcheinung be⸗ traf. Wie konnte mir aber einfallen, daß er, während er uns gegenüber ſaß, meinem Kinde hinter meinem Rücken zu tief in die Augen blicken würde?

Eine erfahrene Frau, wie Du, hätte ſo etwas ver⸗ muthen können, und Vorſicht iſt zu allen Dingen gut. Da Du aber die Schuld trägſt, ſo darfſt Du wenigſtens Dein Kind darum nicht opfern, darſt es nicht zur Ehe mit einem ungeliebten Manne zwingen.

Du verſtehſt das nicht, Cordelie. Du träumſt,

ihre Ehre zu bringen ſuchen, Opfer meines halben

Der Mann,

Die Liebe, von der iſt nur noch in Büchern zu finden. Es iſt ein Traum, ein Rauſch, vorübergehend, wie eine Stern⸗ ſchnuppe. Mein Kind wird erwachen, aber vielleicht, wenn es zu ſpät iſt, darum muß ich ſe bald zwingen, der Vernunft zu gehorchen und Ehre, Namen und Erxiſtenz zu retten.

Warum haſt Du nicht lieber ſchon lange dem Manne mit dem Barte Dein Haus verboten? fragte ich.

Sie ſah mich mit zuſammengezogenen Brauen an.

Das verſtehſt Du nicht, Couſinchen. Wer, wie ich, ſeinem Talente Bahn brechen will, darf mit einem ſolchen Manne nicht brechen. Mein Kind muß ihm aus eigener Einſicht entſagen.

Die Leidenſchaft läßt ſie dazu nicht kommen. Sie muß, ſage ich. Habe doch auch ich im Leben

Rovellen⸗ zeilung.

und ebenfalls zu

Allem vor.

ſuchen, Dir den Schatz meines Herzens aufzuſchließen,

[II. Jahrg.

gleiche Opfer geübt. Wie oft habe ich nicht geliebt und wie oft mich losgeriſſen! Der Mann, den ich wie ein Ideal hoch hielt, der mir wie ein Gott erſchien, dem ich wie eine Magd hätte dienen können, der weilt jetzt hier, und ich ſehe ihn kaum; denn ſeine Richtung ſteht derjenigen entgegen, die ich verfolgen will, und mein Ruhm geht Du wirſt ihn ſehen, dieſen allbewunderten Helden der Salonwelt, und magſt dann beurtheilen, ob die Tochter einer Mutter, die ſolcher Entſagung fähig war, weichlich einer frivolen Neigung nachgeben darf.

Aber, Couſinchen, welch ein Beiſpiel gibſt Du Deiner Tochter! rief ich entſetzt.Wenn Du ſie zur Zeugin unerlaubter Neigungen machſt, wie kannſt Du erwarten, daß ſie ihre Empfindungen zügele?

Unerlaubt? ſagte meine Couſine ſpöttiſch und maß mich mit einem Blicke, der halb Zorn, halb Verachtung ausdrückte.Wie veraltet Deine Anſichten über Liebe und Ehe ſind, Cordelie! Wir können uns nicht verſtehen,

das iſt klar. Darum will ich es auch nicht weiter ver⸗ das

Ich war meine Ver⸗

weit iſt und darum einer großen Thüre bedarf. Gattin, ich bin Witwe und darum berechtigt, hältniſſe nach Neigung zu geſtalten.

dieſer Höhe ſein, dann ebenen ſich die kleinen Hügel d -4

Empfindung von ſelbſt zu ihren Füßen, während ſie, von unten hinaufgeſchaut, Berge bleiben. Lebe wohl. Ich

muß mit meinem Kinde rechten. bis es einem Gatten getenu Sie verließ mich und ich ſank zurück in die Kiſſen mei⸗

Du ſiehſt es nicht wieder,

nes Sopha's. Die Seene hatte mich angegriffen. Wenn man ſein ſiebensigſtes Jahr zurückgelegt hat, hört man

nicht gern den Vorwurf eines verfehlten Lebens, und dieſer ſpricht ſich doch in jedem Worte aus, das meine Couſine ſpricht. Meine Jungfer fand mich übel ausſehend und eilte zu meinem Arzte, der auch bald darauf eintrat. Er fühlter meinen Puls.

Feuilleton.

RNen,

Die Rirche zu St. Denis.

gon der Höhe der Terraſſe von St. Germain ſah Ludwig XIV. am Horizont den Kirchthurm von St. Denis. Er fühlte ſich dadurch an den Tod erinnert. In der Gruft dieſer Kirche erwartete der Sarg ſeines Vaters Ludwig XIII. mit ſchwarzem Sammt bedeckt den ſeinigen. So wollte es der Gebrauch. Nie wurde der Sarg eines Königs in den Sarkophag eingelaſſen, bevor der ſeines Nachfolgers ihn auf dem Geſtelle der Leichenbahre erſetzt hatte. Ludwig XIV. fühlte ſich von Furcht ergriffen und St. Germain wurde verlaſſen.

Gegenwärtig exiſtirt dieſer d drohende T hurm nicht mehr. Der Blitz hat ihn 1837 herabgeſchmettert. Mit großen Koſten wurde er wieder aufgeführt, aber 1846 bemerkte man, daß er ſich ſtark zu neigen beginne, und beeilte ſich, ihn abzubrechen. Dieſe Kirche,

die ein Grabgewölbe iſt, beſitzt eine Geſchichte reich an Kata⸗ ſtrophen.

Anfänglich war ſie nur ein

81 T Ho

Oratorium, an eben dem Orte errichtet, an welchem Denis, Ruſticus und Eleutherus den Martertod fanden. An der Stelle des Oratoriums ließ die heilige Genoveva eine Kirche erbauen. Die Soldaten Siegbert's, Königs

von Auſtraſien,

Karl's X.

der Kleine hier durch Papſt

verheerten ſie 574. Sie wurde 629 wieder auf⸗ geführt und vergrößert. Ein Jahr darauf drohte ſie in Trümmer zu fallen. Pipin der Kleine ließ ſie 754 neu erbauen. Im 12. Jahrhundert genügte ſie nicht mehr für die reiche Abtei, die Suger zugleich mit Frankreich regierte; er erſetzte ſie durch eine neue Abtei⸗ an welche er 1144 die letzte Hand legte. 1249 wurde ſie einge⸗ äſchert. Endlich wurde die gegenwärtige Kirche im 14. Jahr⸗ hundert vollendet. Sie iſt eins der koſtbarſten Monumente got hiſcher Baukunſt in Frankreich. 2 Wenige Kirchen haben berühmtere Annalen, denn ſie um⸗ ſchließ t die Aſche der meiſten Könige von Frankreich von Daſobert bis zu Ludwig XVIII. Der Sarg Ludwig's XVIII., der auf den wartete, ſteht noch auf dem Bahrgerüſte. den großen Ereigniſſen, an welche die Kirche von St. wollen wir nur vier erwähnen. 754 wurde Pipin Stephan III. geſalbt. 1429 weihte Johanne d' Are, bei der Belagerung von Paris verwundet, auf dem Altar von St. Denis ihre Rüſtung und ihr glorreiches Schwert. 1529 führte Franz I., der Karl V. Frankreich zeigte, ſeinen kaiſerlichen Gaſt in die Gruft hinab, in der ſeine Ahnen ruhten, um dieſe dadurch ſeiner Gaſtfreundſchaft gewiſſermaßen

Unter Denis erinnert,

Laß Elfride erſt auf

woh Frel

weiſe

geww eri Ern Abe Nadh belei⸗

goyf ſtans Kinen ſlan beja nlei thei in

ind