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ſitzer,“ ſagte Schubart.„Er hat Feld genug in der Nähe ſeines Hofes und läßt ſogar die Aecker neben dem Holze zu Lehden liegen, wie Du ſiehſt.“—„Und man nennt Mitteldeutſchland übervölkert?“ ſagte Löhr mehr im Tone des Vorwurfs als fragend, und ſetzte hinzu:„Wie lange Zeit kann noch vergehen, ehe hier an Auswanderung ge⸗ dacht zu werden braucht!“—„Und doch wandern ziemlich häufig Leute von hier aus,“ entgegnete der Freund. „Bauern, die eben ſo viel und mehr Land als jener Mann haben und Land wüſt liegen laſſen. Dieſe thun es aus reinem Uebermuth, und es kann ihnen nicht ſchaden, wenn es ihnen in Amerika, oder wo ſie ſonſt hingehen, recht ſchlecht geht.“
Unterdeſſen hatten ſich die Freunde dem Ziele ihrer Reiſe genähert. Die Gegend war eine Art Hochebene, von der nach einer Seite mehrere Thaleinſchnitte ausliefen. Zwiſchen zwei ſolchen Thälern befand ſich ein anſehnlicher mit einigen knorrigen Eichen und Kiefern bewachſener Hügel. Auf dieſe Stelle führte Schubart den Freund und ſagte, auf die vor ihnen ausgebreitete Gegend zeigend:„Iſt das nicht ein hübſches Stück Wildniß? Das drüben gerad vor uns iſt das„Grüne Holz,“ unſer einträgliches Erbe. Ich wollte, ich könnte es einige Meilen weiter weg wünſchen.“
Die Ausſicht war in der That ſchön und ſehr mannig⸗ faltig. Vor ihnen in der Tiefe lag ein von ſteilen bewal⸗ deten Höhen eingeſchloſſenes Thal, durch deſſen hellen Wieſengrund ſich ein anſehnlicher Fluß in vielen Windungen krümmte. Man konnte das Silberband ſeines Laufes mehrere Stunden weit verfolgen, dann, ungefähr eine Meile von dem Standpunkte der Beobachter, trat er in die Ebene und berührte in kaum erkennbarer Ferne eine viel⸗ thürmige Stadt. Das„Grüne Holz,“ welches bedeutend in das Thal vorſprang, lag den Beſchauern gegenüber, ſcheinbar über dem Fluſſe, in Wahrheit aber auf der näm⸗ lichen Thalſeite und nur durch eine bedeutende Thalkrümme von ihnen getrennt. Um dahin zu gelangen, mußten da⸗
Rovellen Zeilung.
her die Wanderer einen bedeutenden Bogen auf der Höhe weg machen. Bald gelangten ſie an das Holz und ſuchten ſich unter einer am Waldrande ſtehenden ſchönen Buche einen Platz zum Frühſtücken aus.
Nachdem der Leib geſtärkt und von dem frühen Mor⸗ genmarſch etwas ausgeruht war, ging es an die Beſich⸗ tigung des Waldes. Die Flächen auf der Hochebene, wo der Wald am ſchönſten ſein konnte, waren dünn bewaldet und beſtanden nur noch aus einzelnen Laubholzſtämmen; darunter waren große Gebüſche von Schlehendorn und Wachholder, die hie und da einen freien, mit hohem Schmielengras bewachſenen Platz umſchloſſen. Hie und da ſtand ein Hoſt(Trupp) Fichten oder Kiefern oder küm⸗ merlicher Stockausſchlag oder Gebüſch von Haſelnuß, wil⸗ den Birnen und rothem Hollunder. An einer etwas feuchteren Stelle ſchoſſen Wurzelausläufer von Espen und Korkrüſtern auf, und an der näſſeſten ſtand ein Trupp Erlen mit weißen Weiden untermiſcht. Eine kleine Ver⸗ tiefung mit gutem Boden war dicht mit jungen zwölfjährigen Fichten beſtanden, dagegen trug der gegenüberliegende Bergrücken, obgleich mit gutem Boden bedeckt, nur ein dünnes Birkenwäldchen mit Wachholderunterholz und brauner Haide. Was ſoll ich weiter beſchreiben: das Holz befand ſich in dem traurigen Zuſtande der meiſten Privat⸗ waldungen und ſchien nur da zu ſein, um Haſen, Rehen und Füchſen als Aufenthalt zu dienen und den Boden der Feldeultur zu entziehen. Am beſten war noch der nördliche und öſtliche Abhang beſchaffen, denn dieſer war mit ſchönen zu Bau⸗ und Schneidholz geeigneten Fichten beſtanden. Löhr meinte, daraus müßte eine hübſche Summe auf ein⸗ mal zu gewinnen ſein, und wunderte ſich, als Schubart erzählte, daß im vergangenen Winter 56 Klaftern Holz geſchlagen worden wären, die für nur 108 Thaler verkauft. werden konnten. Schubart meinte, die Bauern der Um⸗ gegend hätten näher Holz und kauften nichts. Zum Stehlen ſei es indeſſen nicht zu weit, und der Diebſtahl ſei ſo arg,
Wir gingen perpendiculär eine Reihe beſchädigter ſteinerner Stufen hinab, betraten das Grab und ſchritten durch einen noch immer abwärts ſich ſenkenden Gang. Die Wände waren mit Hieroglyphen bedeckt, friſch wie vom geſtrigen Tage. Ihr all⸗
eemeiner Eindruck iſt der eines lieblichen Zierrathes, obgleich die Einzelheiten immer ohne Anmuth ſind, ausgenommen die Geſtal⸗ tung der Vögel, in welchen alle egyptiſchen Bildhauereien außer⸗ ordentlich lebensreich ſind. In den Wand⸗ und Deckengemälden dieſer Grabgänge iſt der Keim der Arabesken aus der roͤmiſchen Zeit zu ſuchen. Hier erblickt man klar den geläuterten Geſchmack der Decken in den Bädern des Titus und die Lieblichkeit der Loggies. Indem ich auf dieſe rohen, doch mannigfaltigen und friſchen Linien blickte, ſah ich den Beginn von dem, was Rafael vervollkommnete.
Immer weiter gehend ſtiegen wir Stufen hinab und traten in eine Halle. Sie war nur klein, doch die Wände ſehr ſorgfältig bemalt. Die Götter ſind hier und die Helden. Irgend ein ein⸗ faches Heldenleben ohne Zweifel, das wir nicht ganz verſtehen, obgleich wir es ſehr geläufig auslegen. Andere Gemächer und eine große Halle folgten. In dieſer letztern ſind Figuren von vier Racen auf den Mittelſäulen, wie man vermuthet, die vier farbigen Racen der Welt andeutend. Die Mauern und Decken ſind bemalt mit Geſtalten des Königs Oſirei, Vater des Rameſes, deſſen Grab es war, den Göttern Gaben bietend und von ihnen Gnadenbezeigungen empfangend.
Dieſe unterirdiſchen Hallen ſind ſehr feierlich. Der Geiſt wendet ſich beſtändig zu deren Eigenthümer, zu dem einbalſamirten Körper, der in dem Sarkophag eingeſchloſſen war, wie in einem Fels, in Nacht und Stille, umgeben mit der gemeißelten Geſell⸗
Vollendung wartete,
ſchaft der Erde und des Himmels. Es iſt kaum zu glauben, daß dieſe ſo vollendeten Räume dazu beſtimmmt waren, für ewig geſchloſſen zu werden. Auch war dies nicht der Fall, denn die Koͤnige ſollten nach dreitauſend Jahren wieder zur Erde aufſteigen und ihre Augen ſollten zuerſt Licht verbreiten über die Geſchichte und ihr frühes Leben. Wie viel davon war Stolz, wie viel Ver⸗ ehrung vor dem Königthum, wie viel Ehrfurcht vor dem menſch⸗ lichen Körper?
Man zertrümmere einen Sarkophag mit Kambyſes und frage den Inwohner. Während Andere die Antwort erwarten, treten wir in ein viertes Gemach und finden, daß der Tod, zu liebevoll eingenommen für einen König, nicht auf des Grabes denn hier ſind unvollendete Gemälde, vollendete Entwürfe zwar, doch ohne Farbe..
Der Effect iſt größer, als der der ausgemalten Bilder. Die Kühnheit und Kraft der Linien iſt voll Gewalt. Da ſind Boote und Vögel, einfache Linien, die wir noch heute auf jeder Skizze bewundern würden. Dieſer alte egyptiſche Künſtler war ſeiner Hand und ſeines Auges gewiß. Die Färbung iſt rob und aus⸗ druckslos, die Zeichnung des menſchlichen Geſichts beſtimmt, denn die Kirche oder die Prieſter befahlen, wie die menſchliche Geſtalt gezeichnet werden ſollte.
Dann kamen gefährlich hinabzuſteigende Stufen und die Durchſuchung von dunklen Gemächern, deren weiteres Ende einge⸗ ſtürzt war und unſerer Forſchung ein Ziel ſetzte. Ueberall derſelbe Geſang in verſchiedenen Tonarten. 320 Fuß ſchritten wir in die Erde vorwärts und 120 Fuß niederwärts. In dieſem Raum waren alle Götter beiſammen, hätten wir ſie nur gekannt, und wunderbare Geſchichten erzählt, hätten wir ſie nur gehört. Friſch
III. Jahrg.
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