Damit verließ ſie heiter das Zimmer. Was blieb
mir übrig, als geſchehen zu laſſen, was ich nicht ändern konnte?
Meine Couſine hat ſich mit dieſer Elwire ſehr befreun⸗ det. Sie ſehen ſich täglich und berathen, wie ſie ſagen das Wohl der Welt. Elwirens Steckenpferd iſt die Bühne, ſie ſchwärmt dafür, nennt ſie das ſchönſte menſchliche In⸗ ſtitut und erwartet alle Geſittung und alle Moral von ihren Leiſtungen.— Sie beſucht jeden Abend das Theater, um die Schauſpieler zu ermuthigen, hat meiner Couſine zugeredet, für die Bühne zu ſchreiben. Beide ihre Manuſcripte zuſammen, die zu meinem Erſtau⸗ nen aus ganzen Ballen Papier beſtanden. Elwire hatte die ihrigen von ein paar Chaiſenträgern zu uns bringen
Rede über das Geſetz des Fortſchrittes, Natur unterthan ſei, beſtimmung, über Philoſophie und Moral und ſchloß mit einem Ausfalle gegen das Frauenleben, das ſich ſo gerne von dem Großen und Gemeinſamen aller Beziehungen abſchließt.— Ich fühlte wohl, ſein ſollte, that aber, als ob ich es nicht bemerkte. wozu auch? wie ſie ſagt. Sie uns gegenſeitig nicht. mit ihr gemeinſchaftlich etwas Richtung, Bei der Gelegenheit brachten Pfad führen, ſo werden auch meine Worte es nicht thun.
mit meiner Drama, das ſie bei der Direction einreichen möchten, und
III.
Sie wurde purpurroth und hielt mir eine ſehr lebhafte.
dem die ganze über Stoffwechſel und freie Selbſt⸗
daß das ein Stich auf mich Denn Qui s'excuse s'accuse. Aendern werden wir Ich folge meiner echt weiblichen und kann mein Beiſpiel ſie nicht auf den gleichen
Sie blieb zum Thee bei uns, um noch einige Arbeiten Couſine durchzugehen. Sie ſprachen von einem
laſſen, und beide Männer ſeufzten dermaßen über die Bürde, von den möglichen Schwierigkeiten es angenommen zu ſehen.
daß ich ihnen ein Glas Landwein reichen ließ.— Einen ganzen Tag lang ſonderten und ſuchten ſie gemeinſam, ver⸗ V glichen, notirten Stoffe und wählten aus. Ich konnte nur immer bewundern, daß ein ſo kurzes Leben hingereicht, um ſo viel zu ſchreiben. „Hier iſt eine Verbeſſerung des Geſangbuches,“ ſagte Elwire, mir ein Manuſcript hinreichend.„Ich habe alle die abgeſchmackten Lieder umgearbeitet und Sinn hinein⸗ gebracht. Es hängt nun nur davon ab, in welchem Lande dieſe Verbeſſerungen am leichteſten eingeführt ſind.“ „Bei uns gewiß nicht,“ ſagte ich muthig;„die Sach⸗ ſen ſind ein gutes, treues Volk, die dem Alten anhängen.“ „So!“ erwiderte ſie und ſah mich herausfordernd an. „Für dieſe iſt alſo die Welt wie ein alter Käſe? Je mehr Maden darin, je beſſer! Es fehlte dann nur noch, daß die Welt für ſie auch ſtill ſtände.“ „Das thut ſie in gewiſſem Sinne auch, mein liebes Fräulein. Sie geht nur für den, der mitgehen will, und wir gehen nicht mit. Wir bleiben gerne bei dem ſtehen, wo wir uns ſo lange wohl befunden.“
beſchaut.
„Wenn nur eine Frau angeſtellt würde,“ bemerkte
meine Couſine,„wenn man nur in eine weibliche Hand die Stelle eines Dramaturgen legte.“
Elwire ſprang auf und maß mit großen Schritten das
Zimmer.„Sie haben einen gewaltigen Gedanken in meine
rief ſie mit vor Bewegung zitternder
Stimme.„Eine Frau, ja, eine Frau muß über die Kunſt⸗ ſchule des Lebens wachen, ein weibliches Weſen muß den Spiegel halten, in dem Vor⸗ und Nachwelt ſich prüfend Es iſt ein Wink der Vorſehung. Theure Ba⸗ Sie uns geſchenkt, um meinen
ronin, der Himmel hat Schritt zu lenken. Aus Ihrem Munde erging der Ruf beſtimmte.“
an mich, welcher Aufgabe der Himmel mich
Meine Couſine verſtummte vor ihrem wilden Feuer. Sie ſchien über etwas nachzuſinnen.„Ich glaube, meine Theure,“ begann ſie endlich überlegend,„daß ein ſolcher Poſten ein ruhiges Temperament erfordert, und das haben Sie nicht. Darum wäre es wohl beſſer, wenn ich mich der Aufgabe unterzöge und Sie mir als Gehülfin zur Seite ſtänden.“
Seele geworfen!“
Feuilleton.
—oSen
grunerk's Beſuch in Leipzig.
Es iſt doch eine wunderbare Kunſt— die Schauſpielkunſt!— Da tritt der einfache, ſchlichte Mann zu mir ins Zimmer, der, eher klein als groß, eher eckig als graciös, eher ſchüchtern als impoſant, in ſeinem unſcheinbaren grauen Rocke, mit den ernſten, etwas verdrießlichen Mienen, ſo ganz und gar nichts an ſich hat, durch das er als etwas Ungewöhnliches auffallen könnte, ſo daß man ihn nur für einen thätigen, aber trockenen und einſeitigen Geſchäftsmann halten könnte. Der Mann redet mich an, und in
Organe ſpricht zuerſt etwas Ueberraſchendes; auch das Auge belebt, und wie er bei dem Händedruck dicht vor mir ſteht, ſehe ich, daß das ein Mann iſt, in dem große, charakter⸗ volle Energie lebt, ein Mann, der alle Eitelkeit und Sucht des genialen Scheins verſchmäht, weil ſein ganzes Sein und Denken auf einen Zweck außer und über ſeiner perſönlichen Erſcheinung ſich richtet. F
Und nun wieder,— wir ſitzen im Theater, an Kopf, die letzten
Kopf drängt ſich
an dreitauſend bewaffnete und unbewaffnete Augen richten
dem tiefen, ohne alle Anſtrengung voll aus der Bruſt tönenden bei den Worten blitzt
Spätkommenden zwängen ſich in ihre Plätze, in die Ouvertüre geht zu Ende, der Vorhang rauſcht in die Höhe und Stuttgart, der uns in dieſem ſich auf Jahren, hier in Leipzig durch
die dunkle, ritterlich teufliſche, Caliban und Mephiſtophes ver⸗ einende Geſtalt, die dort den großartigen introducirenden Monolog⸗ ſpricht mit den Worten: —— Und darum, weil ich nicht als ein Verliebter Kann kürzen dieſe fein beredten Tage, Bin ich gewillt ein Böſewicht zu werden.
Shakespeare's Richard III., dieſe Schreckgeſtalt des mittelalter⸗
lichen Regentenehrgeizes in ihrer äußerſten Entartung, die keinen
Zweck des Staates, keine Bande der Familie, keine Gebote der
Sittlichkeit und Liebe kennt, ſondern nur die eigne unbegrenzte
Sucht zu herrſchen, dieſe Dichterfigur, die ganze Jahrhunderte
hier in ihrer Quinteſſenz auf drei Stunden concentrirt, geht an
uns vorüber,— und der wirkliche Menſch, der gewaltige Dar⸗
ſteller, der dieſe Erſcheinung in ihrem erſchreckend raſchen Empor⸗ wachſen, in ihrer grauenhaften Größe und endlich in ihrem erſchütternden und doch erlöſenden Zuſammenbrechen zur An⸗ ſchauung bringt, iſt Niemand anders als der Mann im grauen Rocke, den wir heute Morgen als einen unſcheinbaren ſchlichten Bürger unſres Jahrhunderts ſahen,— Karl Grunert aus Sommer wieder, wie erſt vor zwei
einen Gaſtrollencyklus erfreute.
Die
überliehe der Natt ſie mir des Mor Genius. lieben z und ds ſtellen, ich meu mir, we 3 Couſin nahm! „1 Pathos haben Sie m Phaſen Sie di empfin auskoſt durften. nicht ho der Ein die ſdige Sälſten Farden⸗ ditſene Ihrer — A Franz lalung Jeman declam den R rakteri Lo vie Ratt ſ ſpieler Dawiſ wie di unterſe fr


