Jahrgang 
27-52 (1856)
Seite
619
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Jahrg.

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Nr. 39.]

Ich geſtehe, daß ich vergebens etwas zu entdecken ſuchte, was einer Barke geähnelt hätte; alle meine Anſtrengungen waren vergebens. Zehn Minuten ſpäter entdeckte ich in⸗ mitten der hohen Wogen einen ſchwarzen Punkt, welcher abwechſelnd größer und kleiner wurde. Dieſe Barke, welche bald auf dem Rücken der Wellen ſchwebte, bald wieder an ihren Seiten niederſchoß, kam dem Ufer immer näher. Es mußte ein guter Schiffer ſein, der ſich in einer ſolchen Nacht durch die Brandung wagen konnte, und ein mächtiger Beweggrund mußte ihn zu dieſem Wagniß antreiben!

Während ich dieſe Bemerkungen machte, folgte ich mit einer unwillkührlichen Beengung des Herzens den Bewe⸗ gungen des in Gefahr ſchwebenden Nachens. Ich ſah ihn

untertauchen gleich einem Waſſervogel, dann plötzlich mit

Hülfe der Ruder, welche ſeine Flügel zu ſein ſchienen, wieder emporkommen und inmitten der ſchäumenden Wogen über dem Abgrunde ſchweben. ich, er würde an dem Geſtade zerſchellen aber er wandte ſich auf folgſame Weiſe und lief unbeſchädigt und wohl⸗ behalten in eine kleine Bucht ein. Da ſtieg aus ihm ein Mann von mittlerm Wuchs, deſſen Kopf mit einem Hute von Kalbsfell bedeckt war, wie ihn die Tataren tragen. Er gab einen Wink mit der Hand, und die drei Perſonen beeilten ſich, Gegenſtände aus dem Nachen zu nehmen, welche ich nicht zu unterſcheiden vermochte. Die Ladung war ſo beträchtlich, daß ich nicht begreifen konnte, wie ſich die Barke auf den Wellen zu erhalten vermocht hatte. Jeder nahm einen Packen auf ſeine Schultern, und dann eilten alle Drei an dem Ufer entlang. Bald hatte ich ſie aus den Augen verloren.

Es handelte ſich darum, in die Hütte zurückzukehren, aber ich bekenne, daß das erzählte Ereigniß einen ſolchen Eindruck auf mich hervorgebracht hatte, daß ich mit Un⸗ geduld den Tag erwartete. Mein Koſake war ſehr erſtaunt, daß er mich angekleidet fand, als er erwachte; aber ich ſagte ihm den Grund nicht.

Dritte Ffolge.

Einen Augenblick ſpäter meinte

Nachdem ich einige Zeit das Azur des Himmels be⸗ wundert hatte, der ſich mit leichten Dünſten überzog, ſo

wie auch das ferne Ufer der Krim, welches ſich gleich

einem leuchtenden Streifen ausdehnt und dann mit einer jähen Abdachung endet, auf deren Scheitel ſich der Leucht⸗ thurm erhebt, begab ich mich nach dem Fort Phanagori, um mich bei dem Commandant nach der Stunde meiner Abfahrt nach Gheleratſchik zu erkundigen.

Leider konnte mir der Commandant nichts Beſtimmtes in dieſer Beziehung ſagen. Die auf der Rhede liegenden Schiffe waren ſämmtlich entweder Wachtſchiffe oder Kauf⸗ fahrer, welche auf ihre Ladung warteten.

Vielleicht! ſagte der Commandant zu mir,kommt das Poſtſchiff in drei oder vier Tagen.

Ich kehrte traurig und unwillig in meine Wohnung zurück. Mein Koſake kam mir mit ganz verſtörten Zügen entgegen.

Das geht ſchlecht, Euer Gnaden! ſagte er zu mir, als ich zu ihm trat.

Und Gott weiß, wann wir unſere Weiterreiſe werden antreten können.

Dieſe Worte ſchienen ſeine Verlegenheit zu ſteigern. V Er näherte ſich mir und ſagte mit leiſer Stimme:

Es iſt hier nicht richtig. Ich traf heute einen In⸗ ſpector, der aus der Gegend iſt und den ich kenne. Als ich ihm ſagte, wo wir herbergten, antwortete er mir: Mein Freund, der Ort iſt verdächtig! Das ſind ſchlechte Wirthsleute! Und dieſer Blinde der geht allent⸗ halben allein hin, holt Waſſer und holt Brod vom Markte.

Hat ſich die Hausfrau gezeigt?

Während Ihrer Abweſenheit kam eine alte Frau mit ihrer Tochter.

Von was für einer Tochter ſprichſt du? Sie hat keine Tochter.

Nun, dann weiß Gott, was ſie iſt. So viel iſt ſicher, daß die Alte jetzt zu Hauſe iſt.

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yYou speak English? ſo vorbereiteten Hülfsbücher liegen in neuen Auflagen vor. Sie enthalten die nützlichſten und nothwendigſten Geſpräche, Redensarten und Wörterſammlungen, wie man ſie im Umgange, im Geſchäftsverkehr und auf der Reiſe braucht. Die bisherige Verbreitung zeugt für ihre Brauchbarkeit. In gleicher Einrichtung hat derſelbe Verleger jetzt erſcheinen laſſen: 3

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Rleine Chronik. Von Amely Bölte, der geſchätzten Verfaſſerin desViſiten⸗ buches eines deutſchen Arztes in London u. A. erſcheint nächſtens bei Niemeyer in Hamburg ein RomanEine gute Vorſehung, ſowie zwei Bände Novellen unter dem TitelLiebe und Ehe. Rudolph Gottſchall hat eine TragödieMazeppa vollendet. Als der Dichter ſein LuſtſpielPitt und Fox geſchrieben hatte, ſagte er:Das iſt eine leichte, oberflächliche Arbeit, auf die ich nicht viel gebe, und das Stück machte großes Glück; als er Die Diplomaten vollendet hatte, ſagt er:Das iſt eine Arbeit, die mich befriedigt, in der Charakter liegt, und das Stück machte wenig Glück. An Kraft geſetzt; wir wollen hoffen, daß er diesmal die verdiente Anerkennung finde. In der literariſchen Beſprechung der vorigen Nummer dieſes Blattes hat Referent ſich eines Irrthums ſchuldig gemacht. Er auf eden Verfaſſer derAngelroder Dorfgeſchichten, Hermann

Mazeppa hat der Dichter all ſeine

Jäger, für pſeudonym und wollte Franz Löher darunter erkennen. Dieſe Annahme iſt falſch. Hermann Jäger iſt in der That ein lebender Schriftſteller, der vor circa 15 Jahren ſich in Leipzig aufhielt, größere Reiſen nach Afrika und weiter gemacht hat und über den die Augsburger Allg. Zeitung aus Weimar kürzlich folgendermaßen berichtete:Einer unſerer Landsleute, der auf voltsſchriftſtelleriſchem Gebiete ſehr rüſtige Hermann Jäger in Eiſenach, hat aus Anlaß ſeiner neuen SchriftAngelroder Dorf⸗ geſchichten(Weimar, bei Janſen) jüngſthin vom König von Würtemberg die goldene Medaille für Wiſſenſchaft und Kunſt erhalten. Die Schrift iſt einer brennenden Zeitfrage, den unmo⸗ tivirten Auswanderungen nach Amerika, beſonders ſeitens des deutſchen Bauernſtandes, gewidmet und löst ihre Aufgabe, vor dieſen zu warnen, mittelſt einer höchſt intereſſanten und ſpannenden Dorfgeſchichte in der anſchaulichſten, gelungenſten Weiſe. Die Schrift hat ſofort die Aufmerkſamkeit der deutſchen Regierungen in dem Grade erregt, daß mehrere, als namentlich die heſſen⸗ darmſtädtiſche, badiſche, meiningiſche, rudolſtädtiſche, bernbur⸗ giſche und andere, ſie officiell empfohlen haben, und das Publicum ſcheint, nach der raſchen Verbreitung der Schrift zu urtheilen, dieſe gute Meinung vollſtändig zu theilen.

Miscellen.

Schiller's Bettſtelle. a? den Or

In ſeinem BucheSchillerhäuſer(Brockhaus⸗ Reiſebibliothek, 1856) erzählt Joſef Rank bei Beſchreibung von

haus in Jena:

619

Schiller's Wohn⸗ Aeret

Fin