Jahrgang 
27-52 (1856)
Seite
611
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en! dverkündet! undet beſcheeret! zret.

boren! inne, n.

Schnees,

von Wanzed,

macht? n? Grab, en heben.

Reden ſterben; Weſen erſtehen.

inetwillen, ſe,

llen;

jer 5 nimmer.

hängen, nachſt drängen. zudrängen, engen, zujwülgen, drinlen. Maid,

tirn, eid.

Göttin, Leben⸗

Dritte Folge.

Novellen-Zeitung.

Ein Duell mit meinem Schwiegervater.

Capriciöſe Geſchichte aus den Memoiren eines Berliner Referendarius. Mitgetheilt von O. M. (Schluß.)

Er ſah mich ſo verwundert an, wie etwa ein Arzt einen Wahnſinnigen bei dem plötzlichen Ausbruch des Paroxys⸗ mus anſehen würde.

Sein Blick machte mich noch wüthender, ich haßte ihn

um ſeiner Tochter willen und rief mit vor Aufregung zit⸗

ternder Stimme:

Ja, Herr General, ich habe nicht die Ehre, Sie ſo

genau zu kennen, um einen derartigen Scherz von Ihnen als Scherz zu nehmen, ich wiederhole es, ich finde Ihr Be⸗ nehmen taktlos und unpaſſend!

Mein Herr, ſagte der General ruhig,da Sie, wie es ſcheint, mich beleidigen wollen, ſo werden Sie die Fort ſetzung unſeres Geſpräches durch einen meiner Freunde vernehmen.

Ich erwarte ihn mit Ungeduld, rief ich, eilte mit einer kurzen Verbeugung davon und ließ den alten Herrn noch mehr verwundert als erzürnt ſtehn.

Ich kam in eines der Nebenzimmer.

Hier war der Ball in das Stadium unſrer gegenwär⸗

tigen Zeit getreten. 4 Mehrere Sophas waren um einen Tiſch in der Mitte

geſchoben, auf denſelben lagen einige Herren meiner Be⸗ kanntſchaft, welche den Cotillon nicht mitgetanzt hatten,

in bequemen Stellungen, die Beine auf herangezogene

Stühle geſtützt, und ließen dem köſtlichen Inhalt einer

auf dem Tiſche ſtehenden Ananasbowle Gerechtigkeit wider⸗ fahren, deren feines Aroma ſich mit dem Duft einiger Ha⸗ vannah⸗Cigarren vermiſchte. Wie die Welt jetzt in das Zeitalter der Formloſigkeit, der Genußſucht und Faulheit getreten iſt, ſo daß Schönheit ſowohl als Galanterie ver⸗

ſinnigen Reden aus demſelben Munde, der Euch vorhin ſo

ehrbare Grundſätze enthüllte, daß Ihr ſchon mit Freuden

einen herrlichen, wohldreſſirten Schwiegerſohn vor Euch zu ſehen glaubtet, Ihr würdet ſtarr vor Entſetzen da⸗ ſtehen und mit Hamlet rufen:

There are more things in heaven and earth,

Than are dreamt ofin our philosophy.

Ich ſetzte mich zu meinen Freunden, zündete eine Ci⸗ garre an und ſtürzte einige Gläſer des eiskalten Frucht⸗ weins herunter. Ich bemühte mich, meiner Aufregung Herr zu werden, und es gelang mir ſo weit, daß Keiner bemerkte, in welcher Stimmung ich mich befand.

Habt Ihr wohl geſehen, ſagte einer der Herren, der Graf Arthur hat den Cotillon mit der Tochter des Generals B.... getanzt, ſie ſprachen recht angelegentlich mit einander; da wird denn die lange erſehnte Partie wohl

auch zu Stande kommen. Meinſt Du, daß der Alte nachgibt? fragte ein An⸗ derer.

Wenn ſeine Tochter es will, kann er nicht lange wi⸗

derſtehen.

Mein Herz ſchnürte ſich zuſammen. Ich hatte nicht den Muth, nach Näherem zu fragen, und verwünſchte den abſcheulichen Streich, den mein vertrauendes Herz mir geſpielt hatte.

Da fühlte ich mich leicht auf die Schulter geklopft.

Der Cotillontänzer meiner Geliebten ſtand vor mir,

von welchem man ſo eben als Graf Arthur geſprochen hatte. Mein Herr, ſagte er,ich bitte um ein Wort. Ich ſtand auf und folgte ihm in ein Nebenzimmer. Ich komme von Seiten des General B...., ſagte er,den Sie vorhin beleidigt haben. Der General hofft, daß die Sache auf einem Mißverſtändniß beruht, und will mit der einfachen Erklärung zufrieden ſein, daß dies der Fall ſei..

Ein Mißverſtändniß, ſagte ich, dieſen Menſchen,

den ich ſo glühend haßte, wüthend anblickend,ein Miß⸗

ſchwindet und, wo ſie noch da iſt, ſich verbergen muß, um verſtändniß war nur auf Seiten des Generals vorhanden, nicht von der Mode geächtet zu werden, ſo löſt ſich der denn er verſtand es nicht, für ſeine Scherze die rechte Form Ball auf in ein Gelag der Blaſirtheit, wenn die Muſik und die rechte Perſon zu finden, das habe ich ihm bemerk⸗ ſchweigt und die Damen verſchwunden ſind; an der Stelle, lich gemacht. Ich werde keines meiner Worte zurückneh⸗ wo zarte und fröhliche Romantik blühte, fahren nur noch men und in jeder Weiſe für dieſelben einſtehen. die mediſtrenden Reden der modernen jungen Herren um⸗Ich will nicht mein Urtheil darüber ausſprechen, her und der Tempel der Grazien wird zu einem Tummel⸗ ſagte Graf Arthur,daß Sie einen alten Mann gewaltſam platz der Satyrn. zu einer blutigen Vertheidigung ſeiner Ehre zwingen.

O könntet Ihr ſie hören, Ihr jungen Damen, alle dieDie Geſchicklichkeit, erwiderte ich,gleicht die Jahre boshaften Bonmots, die aus demſelben Munde ertönen, V aus, ich überlaſſe dem General alle Bedingungen. der Euch kurz vorher ſo ſüße Worte zuflüſterte, könntetWohl, der General liebt das Zögern nicht, belieben Ihr ſie hören, Ihr wändebedeckenden Mütter, die leicht⸗ Sie ſich morgen früh um neun Uhr an der verfallenen

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