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Nr. 38.]
„Es brauſet die Woge bei Blitzesſchein,
Sie brandet und ſchäumet am Felsgeſtein, Sie ringt mit den Stürmen in toſender Flucht Und ſpaltet der Berge wildblickende Schlucht.
Doch alle die wüthende, jähe Gewalt, Wie zähmt ſie ein freundlicher Sonnenblick bald, Es bietet die Welle ſo friedlich und klar Dem Lächeln des Himmels zum Spiegel ſich dar. Was oben der ſonnige Schimmer verſpricht, Erblüht ihr im Grunde ſo friedlich und licht; Sie rieſelt ſo ſtille durchs blühende Thal, Es ruht ihr im Buſen der himmliſche Strahl.
Ich bin wie die Woge gar wüſt und wild Vom Nebel des feindlichen Lebens umhüllt, Doch bei Deines Auges mild leuchtendem Blick Da ſpiegelt mein Herz Dir den Himmel zurück.
Es ruhet die Brandung, ſo willig beſiegt, Als klarer Kryſtall Dir zu Füßen geſchmiegt; O laß meine Sonne nicht untergehn, O laß mich Dir ewig ins Auge ſehn!“ Ich faltete das Papier klein zuſammen, kehrte in den Säaal zurück und während ich an den Tiſch in der Mitte trat und mich ſtellte, als ob ich ein Bouquet ſuchte, brachte ich geſchickt mein Billet in eines derſelben. Mit dieſem Bouguet trat ich zu meiner Schönen und überreichte es ihr. „Sie wollen ſich revanchiren,“ ſagte ſie lächelnd. „Aber die Revanche bleibt weit zurück,“ erwiderte ich. Das können Sie nicht wiſſen,“ ſagte ſie halb flüſternd und noch einmal ſchwebte ich mit ihr freudetrunken durch den Saal. Endlich war der Cotillon zu Ende.
Die Damen hüllten ſich in ihre Enveloppen, die Müt⸗ ter verließen die Wände, die Väter die Spieltiſche, der Saal füllte ſich mit bunten Gruppen.
Ich näherte mich meiner Schönen, welche noch mit ihrem
Dritte folge.
Tänzer ſprach. Ohne es zu wollen, hörte ich die letzten Worte ihrer Unterhaltung.
„Alſo darf ich morgen mit Ihrem Vater ſprechen?“ fragte der junge Mann freudeſtrahlend.
„Ich werde ihn vorbereiten,“ erwiderte ſie,„er iſt ſchon halb erweicht und wird ſeine Einwilligung geben.“
„O, Sie ſind ein Engel,“ rief er begeiſtert,„wenn es ſich ſchickte, möchte ich Ihnen um den Hals fallen.“
„Warten Sie, bis Alles in Ordnung iſt,“ ſagte ſie lächelnd und wandte ſich um, ihren Vater zu ſuchen.
Ich ſtand erſtarrt. War es möglich, daß eine ſolche
Verſtellung in einem Körper leben konnte, der die Woh⸗
nung eines vom Himmel geſtiegenen Engels zu ſein ſchien? War es möglich, daß eine ſo ſchauderhafte Koketterie un⸗ geſtraft auf Erden wandeln konnte?
Oder hatte mich meine Eitelkeit genarrt, waren jene Blicke, jene Worte, in denen ich eine zarte Sympathie,
ein liebevolles Entgegenkommen zu fühlen geglaubt hatte,
Täuſchungen geweſen?
Nein, das war nicht der Fall. Es ſtand feſt, unwider⸗ ruflich feſt, daß ſie mit mir, dem harmlos Vertrauenden, ein Spiel der Laune getrieben hatte, während ſie mit einem Andern ſich auf ewig verbinden wollte und die ſüßeſte Zu⸗ kunft mit ihm verabredete.
„O Weib,“ dachte ich,„du biſt ewig verwandt mit der Schlange des Paradieſes,“ und ohne weiter auf irgend Etwas zu achten, riß ich die Schleife von der Bruſt und ſtürzte aus dem Saal.
Im Vorzimmer ſtieß ich auf den alten General, der von ſeiner Partie kam, da der Ball zu Ende war. Sein Anblick war mir verhaßt um ſeiner ſchändlichen Tochter
willen.
„Nun, mein Lieber,“ redete er mich an,„wie iſt Ihnen das geſtrige Diner bekommen? Ich habe Sie vorhin nur ſo flüchtig geſehen, daß ich nicht fragen konnte, ob Sie wirklich Ihre Flaſche auf Jemandes Kopf geworfen haben.“
Zur Länder⸗ und Völkerkunde. Becaſſinenjagd in Indien.
Will man dies köſtliche und gefährliche Vergnügen zur Genüge
haben, ſo braucht man ſich nicht weit von Calcutta zu entfernen. Das Vergnügen bei dieſer Jagd iſt gänzlich Sache des Geſchmacks; allein ihre Gefahren ſind unleugbar, denn der Jäger muß während der Hitze des Tages bis zur Mitte in kaltem Waſſer und Schlamm waten, Kopf und Körper einer Sonne ausgeſetzt, die in zehn Minuten ein Beefſteak gar machen könnte. Die Folge davon iſt ein immerwährender Durſt, ſo daß die Schnapsflaſche keine Ruhe hat, und man kann unter dieſen Umſtänden trinken ſo viel man will, ohne betrunken zu werden. Die alten Praktiker trinken nur
während des Tages vier Mal in Ohnmacht, da Thee nicht ſo ſtimulirend als Branntwein wirkt, und probirte es nie zum zweiten Mal. Man geht ſelten allein auf die Becaſſinenjagd, ſondern meiſtens zu drei und vier, die auf Schußweite von einander bleiben; die Zwiſchenräume ſind mit Treibern gefüllt(Hunde ge⸗ braucht man nie) und Alles geht in einer Linie vorwärts über unzählige Reisfelder, ringsum Tod und Vernichtung austheilend.
ein Kamerad und ich nach ſechsſtündiger Jagd über neunzig Paar Becaſſinen nach Hauſe und verbrachten den Abend bei einer Schnepfenpaſtete und Fieberklappern.
Bei meiner erſten Becaſſinenjagd gerieth ich in eine Klemme, was für mich leicht hätte ſchlimm ausfallen können, wenn ich allein geweſen wäre. Ich hatte mit einem andern Officier, be⸗ gleitet von zwei eingebornen Dienern, den ganzen Vormittag mit
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kalten Thee; allein ich habe es nur ein Mal verſucht und fiel
Die Schnepfen ſchwärmen buchſtäblich. Mehr als einmal brachten
der Jagd zugebracht und wagte es, in einen gutausſehenden einge⸗ hegten Ort zu gehen, in welchem unglücklicher Weiſe eine Kuh angebunden war. Ob nun die Kuh eine Ahnung davon hatte, daß ich auf unerlaubten Wegen war, das weiß ich nicht, genug ſie faßte einen entſchiedenen Widerwillen gegen mich, zerriß endlich ihren Strick und kam in vollem Rennen auf mich los und ſo plötzlich, daß mein Gewehr ihre Stirn berührte, als ich zu meiner Vertheidigung abdrückte und meine Ladung Becaſſinenſchrot glücklicherweiſe und ganz durch Zufall ihr ins Auge fuhr. In demſelben Augenblick ſtürzten wir übereinander nieder, die Kuh todt, ich außerordentlich erſtaunt und der Schaft meiner Flinte mitten durchbrochen..
Ein Paar Minuten gab mir das Geſchrei eines anreitenden Haufen von wenigſtens zweihundert Hindus Veranlaſſung darüber nachzudenken, daß ich ein„geheiligtes Thier“ getödtet hatte, und dazu kam noch die tröſtliche Betrachtung, daß die Schwarzen oftmals dem Princip„Gleiches mit Gleichem“ huldigen.
Ich band den Schaft meines Gewehrs ſo gut zuſammen, als ich konnte, und war bald mit meinem Kameraden allein, die Ge⸗ ſchichte auszufechten, da meine Diener ſich mit dem Feind ver⸗ einigt hatten.
Nachdem wir eine Kugel auf das Schnepfenſchrot geſetzt hatten, begannen wir einen Rückzug nach den allerbeſten Regeln der Kriegs⸗ kunſt und nach zwei Stunden großer Angſt und mit nicht wenigen Beulen von den feindlichen. Wurfgeſchoſſen erreichten wir das Dorf, als die Menge bis auf etwa Tauſend angewachſen war. Hier ſtand unſer Buggy(eine Art leichter Wagen), an welches wir ſo ſchnell als möglich unſer Pferd ſpannten und mit Mühe und
Noth abfuhren. Man lauerte uns jedoch auf und ich glaube, daß 3
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