Jahrgang 
27-52 (1856)
Seite
575
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Nr. 36.]

Drilte folge.

(Zweck aber erſcheint ihm dabei die Hauptſache, und wir

Literariſche Beſprechungen.

Girandola. Novellen von Bernd von Guſeck. Vier Bände. Leipzig. Hermann Coſtenoble. 1856.

Es iſt eine nicht ganz freie Situation, über einen Scchriftſteller aburtheilen zu ſollen, der zu den anerkannten Specialitäten unſrer Literatur gehört, der von einem gro⸗

ßen Publicum der Damen namentlich für einen Lieblings⸗ autor erklärt iſt, nach deſſen Arbeiten alle belletriſtiſchen Zeitungen größtes Begehr haben, dem wir ſelbſt für jede Mittheilung, die er uns für unſer Blatt machte, im höch⸗ ſten Grade dankbar ſind und fernerhin dankbar zu ſein hof⸗ fen, und bei dem wir doch vom rückſichtsloſen Standpunkte der Kritik nicht leugnen können, daß er allen unſeren eig nen Anſprüchen nicht völlig nachzukommen im Stande iſt. Bernd von Guſeck nennt die Sammlung ſeiner Novellen Girandola, und wenn er darunter das Girandolfeuer, den ſpringbrunnenartig in die Höhe gehenden Raketenbund meint, ſo können wir nicht anders, als dieſe Bezeichnung außerordentlich zutreffend zu finden. Eine Rakete, ein raſch und brillant ſich entwickelndes, ſchließlich plötzlich zer⸗ platzendes geiſtiges Feuerwerk iſt faſt jede ſeiner Erzäh⸗ lungen zu nennen. Es handelt ſich darin nicht ſowohl um vollkräftig gezeichnete, offen dargelegte Charaktere, deren innere Entwickelung und gegenſeitige Begegnung den Leſer in Theilnahme und Spannung verſetzte; hier beruht das Intereſſe faſt immer auf der Neugier, die durch geheim⸗ nißvolle Situationen und ſeltſame Verwickelungen ange⸗ regt und ſo hoch wie möglich geſteigert wird, bis der Ver⸗ faſſer am Schluſſe endlich die Verhältniſſe, wie ſie in Wahr⸗ heit ſind, erklärt, wobei er denn, um immer noch zu überraſchen, durch ſehr gewagte oder faſt ganz unglaubliche Combinationen nicht ſelten noch enttäuſcht.

Es ſei fern von uns, das Verdienſt auch dieſer Art von Novelliſtik verkennen zu wollen; in ihm beruht jeden⸗ falls die eine weſentliche Seite der erzählenden Poeſie,

deren Mangel manchem Autor Erfolge, durch tiefere Ten⸗ denzen wohl verdient, verkürzt. Es iſt ja gar keine Frage, daß die Poeſie nicht nur die Wahrheit und Innerlichkeit

lung auch anregen, unterhalten, ſchimmern und blenden ſoll. Dieſen romantiſchen Reiz zu bewirken iſt Guſeck's hervorragende Fähigkeit, und das, was man Erfindungs⸗ gabe nennt und nur zu oft nicht genügend ſchätzt, das beſitzt Ner dazu in vollſtem Maße.

G Die ſeltſamen, oft wahrhaft poetiſchen Situationen,

V des Lebens darſtellen, daß ſie eben ſo durch dieſe Darſtel⸗

äußern Technik zu arrangiren und zu ſteigern verſteht, ha⸗

der in Verhältniſſen unſrer vornehmen modernen Geſell⸗ haft. Da, wo das Erſtere der Fall iſt, wie hier z. B. in in ErzählungenDer Odalbauer, die um 1350 in chweden,Die Feſtkönigin, die um 1560 in Neapel,

dDie Brüder von Allgrund, die unter Margarethe uultaſch in Tirol ſpielt, da überall entwickelt der hter eine umfaſſende Kenntniß der geſchichtlichen That⸗ Wen und weiß es vortrefflich, Sitten und Geſetze aller

zu romantiſchen Vorgängen auszubeuten; letzterer

die er zu erfinden und mit der ſicherſten Kenntniß der

ben ihren Hintergrund entweder in hiſtoriſchen Zuſtänden

können nicht ſagen, daß es ihm gelänge, hiſtoriſches Leben im Detail und in ſeiner ſpecifiſchen Färbung ſo täuſchend

heraufzuzaubern, daß wir, des Romanes und ſeiner roman⸗

tiſchen Fabeln dabei vergeſſend, längſt hingeſchwundenes

Daſein in ſeiner Wirklichkeit herbeſchworen glauben. Herr

v. Guſeck ſelbſt fühlt, daß hierin nicht die Stärke ſeiner

Darſtellung liege, und ſucht ſich, wenn dadurchmanches friſche Farbenſtäubchen der Urſprünglichkeit abgeſtreift wäre, damit zu entſchuldigen, daß er nicht zu denen gehöre, dieJahrelang mit ihm vertraut, im Fühlen und Denken des Volkes, in all' ſeinem Pulsſchlag des Lebens(auch in alter Zeit) heimiſch geworden ſind. Dieſe beſcheidene Selbſterkenntniß erhöht uns den Werth des geachteten Dichters um Vieles und gern geben wir zu, was er an derſelben Stelle(4. Band, S. 19) ſagt:Solche(die im Volke ſo heimiſch ſind) beſitzen wir und rechnen es unſerm Vaterlande und ſeiner Literatur zur Ehre, einen Standvunkt ſollen und können aber nicht Alle haben, de⸗ nen überhaupt die öffentliche Theilnahme eine Stelle darin angewieſen hat: ſei es nur immer eine beſtimmte und die mit ehrenhaftem Streben ausgefüllt wird!

Eine ſolche beſtimmte Stelle, den Werth einer achtungs⸗ werthen Specialität vertritt der Verfaſſer derGirandola und zwar, wenn in keiner anderen Branche, jedenfalls als Novelliſt unſeres Salonlebens. Hier iſt er ganz und gar an ſeinem Orte, und es dürfte kaum ein anderer Schrift⸗ ſteller ihm an die Seite zu ſetzen ſein, der eine gleiche Anzahl gleich ſinnvoller Schilderungen ſolcher Kreiſe dem Publicum geſchenkt hätte. Die Leute, die in den Theatern im erſten Range ſitzen, in eignen Equipagen auf die Bälle fahren, des Winters in der Stadt, im Sommer auf dem Lande wohnen, wie Auerbach ſagt, die teppichunterbreiteten Exiſtenzen, und zwar ganz beſonders vom höheren, ſorgen⸗ freien Beamten⸗ und Officiersſtande bis in den mittleren Adel hinauf, der noch nicht politiſche Bedeutſamkeit hat, und Alles das, was dieſe Leute umgibt, ihre Bedienten, Kammerjungfern, heruntergekommene Vettern, alte, treue Kutſcher, biedere, dumme Forſtknechte u. ſ. w. das ſind die Sphären, in denen Guſeck's Darſtellungen uns faſt immer meiſterhaft, oft unübertrefflich erſcheinen. Dieſelbe Poeſie des Comforts und der guten Geſellſchaft, durch die G. Freitag ſo beliebt geworden iſt, beſitzt auch er, nur daß zer die Ironie vermeidet, die jenem nie fehlt und zeigt, daß derſelbe hier doch nicht ganz und von vorn herein zu Hauſe iſt, ſondern ſich über Mancherlei hinwegzuſetzen hat. Frei⸗ tag iſt ein mehr gewandter und mehr von Geiſt ſprudelnder Führer ſeiner Geſellſchaft, aber der Leſer weiß bei dem Ueber⸗ muthe dieſes Geiſtes nie, ob er mit ſeiner Achtung vor ſeiner Welt es wirklich ſo ernſt meint und ob er nicht trotz dieſer ernſt anſtändigen Miene ein arger Schalk iſt. Bei Guſeck iſt das nicht der Fall; Uebermuth und Ironie hat man bei ihm nicht zu fürchten; er iſt ganz ein Sinn und eine Seele mit dem Geiſte der Kreiſe, die er ſchildert. Wenn er dieſe Landhäuſer, dieſe Wohnungen der Ritter⸗ gutsbeſitzer mit ihren Gärten und Parkanlagen, mit ihren Pappelalleen und gußeiſernen Einfahrten, mit ihren gelben Kiespfaden und den ſteinernen Bänken dabei zeichnet, dann wird ſein landſchaftliches Talent wahrhaft meiſterhaft ma⸗ leriſch, und in Wintertagen, wo ihn Alle entbehren müſſen,