Jahrgang 
27-52 (1856)
Seite
576
Einzelbild herunterladen

kann er auf Stunden die Reize ſolches Aufenthaltes vor⸗ 5 zaubern und ſeine Entbehrungen vergeſſen machen.

Die Verwickelungen dieſer Novellen beruhen bisweilen auf Verhältniſſen, wie ſie in allen Ständen und auch in der ereluſiven ſ. g. guten Geſellſchaft vorgekommen ſind, vor⸗

kommen und noch vorkommen werden, wenn gleich ſie vor

dem abſoluten Standpunkt der Sittlichkeit nicht vorkom⸗ men ſollten. dern will, auch dergleichen ſchildert, wird an ſich ihm nicht zum Vorwurf gemacht werden können, wohl aber, wenn er ſie mit einem Maßſtabe ſchildert, der in der Wirklichkeit wohl, nicht aber in der Idealität der Kunſt möglich iſt. Welche Kämpfe gehen den Conflicten der Wahlverwandt⸗ ſchaften voraus! Wie leicht aber macht der Verfaſſer ſei⸗ nen Charakteren einen Fehltritt in dieſer Novelledie Verſuchung! Daß Toinon dabei etwas ſentimental iſt, macht das Verhältniß nur widerwärtiger; wäre ſie in keck ſinnlicher Frivolität gezeichnet, ſo könnte ein tragiſches Ende etwas Erſchütterndes haben; hier aber fehlt die Er⸗ ſchütterung, weil die Fehlende kein Intereſſe erweckte.

Meinung entweder ganz frivol oder ganz tragiſch genom⸗

Drei Geſchichten von Menſchen und Thieren:

1. Der Katzendichter; 2. der Kanarius; 3. das Hunde⸗ fräulein. Erzählungen von Carl von Holtei. Zwei Bände. Leipzig. Heinrich Hübner. 1856.

Schnurrige Geſchichten, welche die leidenſchaftliche

Novellen⸗Zeitung.

Hund wohl auf ſeinen Herrn und läßt ſich einen beſtimm⸗ Daß der Novelliſt, der die Geſellſchaft ſchil⸗

muß es dem Dichter laſſen, daß er fleißige Studien um Doch einen Einwurf haben wir auch hier zu machen.

Jahrg. Liebhaberei für Katzen, Vögel und Hunde ſchildern! Man

dieſe drei Thierarten, ihre Behandlung und ihr Verhältniß zum Menſchen gemacht hat. DerKanarius namentlich enthält ja eine ganze Wiſſenſchaft des Kanarismus! Aber daß Suſannchen mit ihrem Mietz ſpazieren geht, iſt das auch naturhiſtoriſch möglich? So viel wir wiſſen, hört ein

ten Weg führen, ein Kätzchen aber auch? DerKana⸗ rius ſtand im vorigen Jahrgang unſers Blattes. Wir haben daran nur auszuſetzen, was wir ſchließlich bei der Guſeck'ſchen Novelle bemerkten: daß dergleichen Verhält⸗ niſſe, wie auch das zwiſchen Ernſt und Malvina, nach unſrer

men werden müſſen; ſo leicht und gleichgültig wie hier machen ſie nur peinlichen Eindruck. Die letzte Geſchichte endlich,das Hundefräulein, ſpielt in Schleſien und ſein Eingang erinnerte mich lebhaft an ein Haus in Breslau auf der Taſchenſtraße; ſicher iſt dieſe, ſo viel ich weiß, noch jetzt ſo geheimnißvolle Behauſung für Holtei der Anſtoß zu ſeiner Geſchichte geweſen. Im Ganzen ſind dieſe drei Novellen in Holtei's beliebter, anſpruchslos humoriſtiſcher Weiſe erzählt. Die geſammte Idee iſt eine originelle und wird bei dem vielen Unoriginalen, das geleſen wird, ſicher Leſer finden, wenn der Erzähler auch hier und da bis ins Hyperoriginale ſich verſtiegen hat.

R. Giſeke.

Allgemeiner Anzeiger.

Im Verlage von H. R. Sauerländer in Aarau iſt nun vollſtändig erſchienen und durch alle Buchhandlungen zu beziehen:

Voſſſtändiges geographiſch⸗ſtatiſtiſches HandLexikon

der Schweizeriſchen Eidgenoſſenſchaft. Von M. Lutz.

Neu bearbeitet und vielfach vermehrt herausgogeben von A. v. Sprecher. Smei Bände, 67 Bogen in grossem Ortau⸗Farmat mit gespaltenen Seilen. In Umſchlag geheftet 4 Thlr. 5 fl.

Das Werk enthält in alphabetiſcher Ordnung eine geographiſch⸗ ſtatiſtiſche Beſchreibung aller in der Schweiz befindlichen Can⸗ tone, Bezirke, Aemter, Kreiſe, Städte, Flecken, Dörfer, Ortſchaf⸗ ten, Schlöſſer, Klöſter, Bäder, auch Berge, Thäler, Seen, Flüſſe u. ſ. w., die politiſchen und Bevölkerungsverhältniſſe, ferner eine vollſtändige Beſchreibung aller ſchweizeriſchen Eiſenba hnen, ſo weit ſie bis heute vollendet, in Arbeit begriffen oder projectirt ſind. Die Nützlichkeit, ja für Viele ſogar Unentbebrlichkeit eines ſolchen Werkes iſt augenſcheinlich; es darf daher daſſelbe mit Recht Jedermann, namentlich auch den Staats⸗ und Poſt⸗Be⸗ hör den, Beamteten, Gemeindebehoͤrden, Geiſtlichen, Lehrern und Geſchäftsleuten jeder Art ganz beſonders

33 6

Subſcriptionspreis.

Redigirt unter Verantwortlichkeit von Alphons Dürr in Leipzig. Verlag von Alphons Dürr in Leipzig. Druck von Gieſecke* Devrient in Leipe

empfohlen werden. Dieſe Ausgabe enthält über 3000 neue Ar⸗ tikel mehr als die frühere.

Zur Erleichterung der Anſchaffung dauert obiger Sub⸗

ſeriptionspreis noch bis Ende dieſes Jahres; ſpäter

tritt ein höherer Ladenpreis ein.

Im Verlage von Hermann Mendelsſohn in Leipzig erſcheint und iſt die 1. Lieferung in allen Buchhand⸗ lungen vorräthig:

Botaniſche Unterhaltungen 1

zum Verſtändniß der heimathlichen Flora.

Von B. Auerswald und E. A. Noßmäßler.

In 6 Lieferungen mit 48 Tafeln Abbildungen und gegen 300 in den Text eingedruckten Zluſtrationen, gezeichnet von den Verfaſſern und in Holzſchnitt ausgeführt von Ed. Kretzſchmar.

Dreis jeder Lieferung 15 Sgr.; ſein colorirt!] Chlr.

Die ſämmtlichen Lehren der Botanik werden hier in all⸗ gemein verſtändlicher und anſprechender Weiſe an 48 nicht bloß in Deutſchland, ſondern auch in den benachbarten Ländern überall vorkommenden und leicht aufzufindenden Pflanzen angeknüpft, die überdies in treuen, meiſterbaft ausgeführten Abbildungen beigee geben ſind...

Die weiteren Lieferungen erſcheinen in raſcher Folge, ſo daß. das Ganze bis zum Herbſt vollſtändig vorliegt.

4

Fe