Weber beſchäftigte ſich mit der Gemäldegalerie des
Lords, in der er manches Prachtſtück fand, wie er ſich aus⸗ drückte. Albert ernannte ihn zu ſeinem Galerie⸗Inſpector, und diesmal nahm der alte Maler das ihm gebotene Amt an. Was ihm früher ſeiner Künſtlerehre zuwider ſchien, that er jetzt aus freiem Antriebe: er reſtaurirte die alten Gemälde ſeiner Galerie. Erneſtine's Bilder hing er in
einem Glasſchranke auf, nachdem er„Wärme und Leben“
hineingebracht hatte.
Drei Monate ſpäter war auch Morton aus London verſchwunden; man vermuthete, daß er dem flüchtigen Banquier, von dem man keine Spur entdeckt hatte, nach⸗ gereiſt ſei, denn der Verdacht ſeiner Theilnahme an dem großen Betruge, der manches Unglück bewirkt, trat immen deutlicher hervor. Dieſer Verdacht hatte ihn zur Flucht veranlaßt. Im Winter deſſelben Jahres bewunderte man in Paris eine junge Sängerin— der Theaterzettel nannte ſie einfach Miß Arabella Seyton.
Auguſt Schrader.
Eine neue Somnambule.
Ein Bild aus der Gegenwart*).
Als eine⸗ganz beſondere Fügung habe ich es wohl zu betrachten, daß ſich mir ohne mein geringſtes Zuthun, ja auf die ſcheinbar zufälligſte Weiſe, ein magnetiſcher Verkehr der außerordentlichſten Art eröffnete. Ich hatte bis dahin keine Ahnung von der Möglichkeit eines ſolchen Verkehrs
*) Aus dem Werke: Das geiſtige Doppelleben in einer ſeiner reinſten und merkwürdigſten Erſcheinungen. Leipzig: F. A. Brockhaus. 1856.
für meine Perſon und auch nie Gelegenheit gehabt, meine magnetiſche Kraft irgendwie zu erproben, obſchon ich den Erſcheinungen des Somnambulismus von jeher mit großer Aufmerkſamkeit und dem lebhafteſten Intereſſe, übrigens völlig vorurtheilsfrei— ohne Unglauben, aber auch ohne Aberglauben— gefolgt war und die hierauf bezügliche ältere wie neuere Literatur zur Genüge kannte.
Was den Namen und die nähern Lebensverhältniſſe der Hellſeherin, die in den nachfolgenden Blättern uns be⸗ ſchäftigen wird, betrifft, ſo muß aus leicht begreiflichen Gründen vorderhand hierüber noch ein Schleier ruhen, der erſt ſpäter gelüftet werden kann.
Der Leſer wird jedoch bald ſelbſt gewahr werden, daß ihm hier eine Frau von ungewöhnlicher geiſtiger Begabung, von höchſter Sittenreinheit und edelſtem Herzen und Cha⸗ rakter entgegentritt. Es wird ihm aber auch nicht entgehen, daß dieſer Geiſt in einer Schule großer Leiden und ſchmerz⸗ lichſter Lebenserfahrungen gereift iſt. Schon im faſt noch kindlichen Alter hatten dieſe Leiden ihren Anfang genommen und in kurzer Zeit das ganze Nervenſyſtem auf das trau⸗ rigſte zerrüttet. Die hierauf von ſelbſt, ſpontanerweiſe eingetretenen Erſcheinungen von Somnambulismus mochten wohl für den urſprünglich geſunden und kräftigen, jetzt aber in ſeinem tiefſten Grunde bedrohten Organismus der einzige Ausweg der dawider ankämpfenden Natur geweſen ſein. Denn gewiß nur durch die Wohlthat des magnetiſchen Schlafs konnte das ſo empfindlich geſtörte Gleichgewicht der Kräfte wieder einigermaßen hergeſtellt und dem un- glücklichen Weſen überhaupt noch das Leben gefriſtet werden, ein Leben, das freilich nur in einer Reihe von Schmerzen, Kummer und Sorgen beſtand und deſſen Bedrängniſſe mehr. als einmal zu einer entſetzlichen Höhe ſtiegen.
Wiederholte, von ärztlicher Seite unternommene Ver⸗ ſuche, nach Erſchöpfung aller andern Heilmittel,* künſtliche magnetiſche Behandlung das abnorme Nerve leben nach und nach wieder in ein normales umzuwandeln,
ſeiner Thronbeſteigung war das Elend entſetzlich in dem himm⸗ liſchen Reiche; Hungersnoth und Krankheiten lichteten die Be⸗ völkerung. Mochten die Familienhäupter auch ihre Arbeit und Anſtrengungen verdoppeln, ſo konnten ſie doch nicht mehr den täglichen Bedürfniſſen genügen. Die Laſt wurde zu drückend, und mehr als Einer empfand das Bedürfniß, ſich derſelben zu entledigen. Da entſchloß ſich der Kaiſer, das berüchtigte Decret zu erlaſſen, welches den Vätern erlaubte, ihre Kinder zu verkaufen. Von dieſem Decret rührt die Exiſtenz der Privatſclaverei in China her. Das Geſetz beſtimmte zu gleicher Zeit, daß alle Sclaven über 60 Jahr von ſelbſt frei ſein ſollten. Der Kaiſer war damals mit den Finanzen, die ſich in dem kläglichſten Zuſtande befanden, zu ſehr beſchäftigt, um dieſe geſetzliche Maßregel einem Gefühl reiner Menſchlichkeit zuzuſchreiben. Er wollte vor Allem den Staat und die Privatleute von Armen befreien, die zur Arbeit untauglich waren. Eine ſo menſchliche und beſonders ſo controlirte Regie⸗ rung wie die China's konnte die Greiſe, welche durch ihr Alter oder ihre Kränklichkeit gehindert wurden, ihren Lebensunterhalt zu gewinnen, nicht verhungern laſſen. Man ſuchte daher alle mög⸗ lichen Mittel auf, zugleich die Finanzverwaltung und das Leben der Menſchen zu ſchonen, und dieſes Problem wurde im Jahre 620 gelöſt. Die Kaiſer aus der Dynaſtie der Tang, die damals
konnten in ibrer erſten Faſſung nicht lange beſtehen.
über Chinaçherrſchten, verwandelten die Strafe der Sclaverei in
die der Deportation. Es gab von jetzt an keine Staatsſclaven mehr, und nur die Privatperſonen fuhren noch fopt, dergleichen zu beſitzen. Die Regierung verwies die Verbannten in die wilden
die arbeitſame Induſtrie in den reichen, doch öden Ländern war eine Erleichterung und eine Wohlthat für die Bevölkerung, die durch ihre Anweſenheit gelitten hatte.
Zu der Zeit, von welcher wir ſprechen, beſtanden daher die Sclaven 1) aus Individuen, welche ſich ſelbſt verkauften, und 2) aus Kindern von Sclaven. Man begreift, daß das Elend allein einen Menſchen zwingen konnte, auf ſeine Freiheit zu ver⸗ zichten und das Eigenthum kines Andern zu werden. Die Zahl dieſer Sclaven hing daher von den öffentlichen Trübſalen ab; ſie war bald unbedeutend, bald beträchtlich. Die eigentliche Claſſe der Sclaven war die der Kinder von Sclaven. Unter ihnen rekrutirte man die Schauſpieler und Schauſpielerinnen; es war ausdrücklich verboten, dieſe aus andern Ständen zu nehmen. Hier allein konnte man auch die jungen Mädchen ſuchen, die dazu beſtimmt waren, den Schmuck der blumenverzierten Boote zu machen. Die Freilaſſung dieſer Sclaven hing lediglich von demn Willen des Herrn ab. Sie konnten ſich nicht durch ihre Arbeit frei kaufen. Dies war wenigſtens der Geiſt der urſprünglichen Geſetzgebung in Bezug auf dieſe rechtloſen Geſchöpfe. Die Be⸗ ſtimmungen, die man barbariſch gegen den Sclaven nennen könnte, waren dem Despotismus des Herrn nur allzu günſtig. Sie ſt Han⸗Vuti, einer der menſchlichſten Kaiſer China's, modificirte den Geiſt der⸗ ſelben weſentlich. Er ſetzte die Verordnung des Tang, die in Vergeſſenheit gerathen war, wieder in Kraft und erklärte alle Selaven nach dem 60. Jahr von ſelbſt für frei. Er verbot unter
Steppen der Tatarei, wo ſie dieſelben zur Ausbeutung der Minen den ſtrengſten Strafen den Herren, ihre Sclaven zu tödten oder
und Hammerwerke benutzte. I entledigte ſo China, das ſchon zu mißhandeln. Ebenſo verbot er es, ſie zu brandmarken, und übervölkert war, einer Menge ſchwer zu ernährender Mäuler, und l.
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[II. Jahrg.
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