Jahrgang 
27-52 (1856)
Seite
568
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568. Novellen⸗Zeitung.

Der Maler ſah noch einen Augenblick durch das Fenſter, dann flüſterte er: S Jener Menſch wäre Henry Newton? 123 ſah Henry, der indeß eingetreten war, Sei auf Deiner Hut es iſt Lord Derby! Erneſtine erbleichte. Unmöglich! flüſterte ſie kaum hörbar. Ich bin Maler, und die Maler haben ein gutes Auge. würdevoll ſagte ſie: Derſelbe Mann wollte mir geſtern Abend zehn Pfund durchIch bitte, treten Sie ein, Mylord Crosby zahlen laſſen, damit ich noch acht Tage auf die Der junge Mann zuckte zuſammen. Anſtellung in ſeiner Galerie warten könne. Die arme Erneſtine war einer Ohnmacht nahe; ſie mußte ſich an einem Möbel halten, um nicht zu Boden zu Maske länger zu tragen.

ſinken.

Haben Sie ſich auch nicht getäuſcht? flüſterte ſie noch bei Ihnen. einmal, denn ihr Herz ſträubte ſich, Alles, was ſie beſaß, geopfert haben würde, den Verdacht der Täuſchung zu werfen.

Ich verbürge es mit meinem Kopfe, daß jener Mann hat mich derſelbe Lord Derby iſt, dem ich in Crosby's Laden vor⸗ nicht, daß ich ferner in e geſtellt ward.

So werden Sie Zeuge der Unterredung ſein mit ihm haben werde. Schließen Sie daraus, wie meine ſich mir Stellung zu ihm geweſen iſt.

O mein armes Kind, ich werde Dir auch zu Hülfe auf meiner Sezle brennt. kommen, wenn es nöthig ſein wird!

Erneſtine öffnete eine Thür und ihr Schlafzimmer treten. Gleich darauf ließ ſich ein Klopfen an der Ausgangsthür vernehmen. Die Malerin ſandte ſeine Entſchuldigung in ſich trägt. einen flehenden Blick und einen tiefen Seufzer gen Himmel, dann forderte ſie zum Eintreten auf. Henry's Kopf ward

in der halb geöffneten Thür ſichtbar. Verzeihung, flüſterte er,ich traf Niemanden im Hauſe, der mich anmeldete erlaubt mir Miß Erneſtine, daß ich eintrete? Ich komme aus London und bringe Nach⸗ für Ihr Glück compromittirt. richten von Crosby.Und Henry Newton 2

Lord Albert Derby.

ließ den Greis 2Erneſtine, rief Albert bewegt,

ſchuldigung?

4(II. Jahrg. Rr. 36]

Bei dem Klange der wohlbekannten, befreundeten Stimme erbebte Erneſtine; ſie liebte zu rein, zu um ſofort dem Geliebten mit Kälte entgegenzutreten. Ja! unwillkührlich an.

Da erinnerte ſie ſich ſeiner Aehnlichkeit mit dem Lord. Der letzte Zweifel ſchwand, und das Gefühl gekränkter Ehre

trug den Sieg davon. Mit ſchwankender Stimme, aber

Mylord? wiederholte er kaum hörbar.. Ich hoffe, Henry Newton wird es nicht wagen, ſeine

Nein, Erneſtine, Henry war geſtern zum letzten auf Henry, dem ſie ‚Und wer gibt mir heute die Ehre? & 7 7 g 7

Mylord, flüſterte das junge Mädchen zitt über meine wahre Lage aufgeklärt.

iner Abhängigkeit bleiben werde,

die meine Ehre verletzt. Hätte ich ahnen können, daß man

, die ich nicht meine Kunſt bezahlt, daß Sir Crosby aus Eigennutz

als Wohlthäter zeigte, ich würde keins von den

Goldſtücken angenommen haben, deren Beſitz jetzt wie Feuer

Ich würde die tiefſte Armuth

einem entehrenden Reichthume vorgezogen haben. man hat Sie von

einem Geheimniſſe unterrichtet, das wirklich eriſtirt, aber Wie, Mylord, Sie bekennen und ſ Erneſtine, ſagte Albert mit bewegter Stimme,i bin ſtrafbar, ſehr ſtrafbar, o, ich begreife es jetzt!

Ihre Ehre zu wahren, habe ich ſie durch die eifrige Sorge

ſüdliches, echt italieniſches Blut pulſen fühlten. Emilia, ſolche Claudia, ſolchen Prinzen und ſolchen Galotti habe ich noch nicht auf der Bühne geſehen.

Der ganze Ertrag dieſer Colonnade oben bei den Gradirwerken beſtimmt, deren Luft für die meiſten Patienten die Hauptbedingung der Cur ſein ſoll. Hoffentlich begrüßen wir ſchon im nächſten Jabre die Daviſon⸗ blaue Augen; er nannte ſie Lucretia. Halle.

nachdem er einen ſchriftlichen Contract,

Findelhauſe, unterſchrieben und ſich gegen

Thomas Day, ein engliſcher Philoſoph(geb. 1744, geſt. 1789), der Verfaſſer der History of Sandford and Merton, eines Werkes, das heute noch in vielen Ausga verbreitet iſt, zeichnete ſich von Jugend auf durch Lebensanſichten ſelbſt unter ſeinen Landsleuten aus.

Er hatte vielleicht in Folge deſſen v das für das Muſter ihres Geſchlechts galt, Aufgebracht darüber, erklärte er: eine Gattin, wie er ſich wünſche, würde er nie finden. Sie müſſe nicht den mindeſten Anſtrich von gelobte, ſie erziehen zu laſſen, in der Ab Wiſſenſchaftlichkeit und Literatur, keine Ahnung von üſ der Welt, das Gift der menſchlichen Geſellſchaft, haben; ſie müſſe d in ihrer Lebensweiſe, ihren Neigungen und Sitten ein unver⸗ ſollte er ſeinen Plan, Eine von i dorbenes Kind der Natur bleiben und ſo furchtlos und keck ſein aufgeben, ſo müſſe er ſie bei irgen

wie eine Spartanerin. 3 Ausſteuer geben.

Er überzeugte ſich, daß er ein ſolches Weſen umſonſt ſuchen zur 2 würde und ihm daher nichts übrig bliebe, als es ſich von der Sobald Day die beiden Mädchen überliefert erhalten ßer er mit ihnen unverzüglich nach Frankreich, ohne einen

damit ſie keine andern B

Wiege an zu erziehen. Dieſe Erziehung wollte er, da er ein großer er mit Verehrer von Rouſſeau war, nach deſen Ideen ausführen. Er Dienſtboten mitzunehmen,

Eine ſolche wandte ſich daher an Sir Bicknell, einen Vorſteher des Findlin hauſes zu Shrewsbury, und erbat ſich von ihm zwei weibe Findlinge. Sein Geſuch wurde ihm gewährt.

und wählte von

Vorleſung war zur Errichtung einer von Bicknell beſuchte er das Findelhaus für Kindern dort zwei Mädchen, jede in einem Alter von z Jahren, beide hübſch. Die Eine hatte blondes Haar und ſe Die Andere, eine Brün mit feurigen Augen, nannte er Sabine. Day erhielt beide Kin augeſchloſſen mit denk 4 Bicknell noch ſchriftlich Chomas Day. verbürgt hatte, dafür zu haften: daß die in dieſem feſt geſetzten Bedingungen genau erfüllt werden ſollten. Dieſe Be⸗ dingungen waren folgende: Day ſollte, nach ben und Ueberſetzungen von dem Tage an, wo ihm dieſe Findlinge hſeine excentriſchen unter die Aufſicht einer achtbaren Frau ſt für Jede zu deren Erziebung zahlen, ihnen, wenn ſie ſich on einem jungen Mädchen, betrügen, ſeinen Schutz nicht entziehen, bis ſie ſich vereheli einen Korb erhalten. oder im Stande wären, ſelbſt für ihre Subſiſtenz zu Außerdem verpflichtete er ſich noch zur Zahlung vo ſicht, Eine den Genüſſen ſeinen Erwartungen am meiſten entſpräche, zu heirathen, i ſſe Unſchuld auch nicht auf die entfernteſte Weiſe zu gefährden, hnen zu ſeiner Gattin zu m d einer achtbaren Familie heten, hundert n

Verlauf eines Jahres, übergeben worden, ſie ellen, hundert Pfund

bringen und Jeder, falls ſie ſich verheirat

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