Jahrgang 
27-52 (1856)
Seite
567
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Jahrg,. Nr. 36.] Dritte ntrüſtung er laut,es iſt hier wie bei uns zu Hauſe: man kommt arung zu hinter Alles, was geborgen bleiben ſoll. nd entzog

der Lord bezahlt die Bilder, weil ihm die Malerin gefällt. Er ſchätzt nicht die Künſte, ſondern die Künſtlerinnen.

Weber, rief Erneſtine,ich habe den jungen Lord nur ein einziges Mal flüchtig geſehen!

Und doch ſagt man, daß er Sie täglich beſuche und daß Sie ſein Landhaus bewohnen.

Wer ſagt das?

Die Welt ſagt es, die den Lord beobachtet, und vor Allen Dürocher, ein franzöſiſcher Maler, der mit den Dandies von London umgeht. Lord Derby iſt ein Roué, der von der Kunſt Nichts verſteht.

Großer Gott! Und Crosby?

N in! Wem

mich, der moffenes en allein,

die hätten daß Sie V rzwingen, V

etraurig. ht habe!

i*ſt ſein Unterhändler. Ja, Fräulein, mein Freund Dürocher hat mir geſtern Nachmittag Alles erzählt, als ich von meinen Hoffnungen ſprach, die ich auf den Lord Derby ſetzte. Die deutſche Malerin, die ein reizendes Mädchen ſein ſoll, rief er lachend, wird Ihnen einen Bedientenpoſten, aber keine Honorare verſchaffen! Und bei Gott, ſo kam es. Als ich geſtern Abend Crosby's Bilderladen betrat, fand ich den Lord. Und wiſſen Sie, was er mir, dem Künſtler mit greiſem Barte, anbot?

Nun?

Ich ſollte die alten Bilder ſeiner Galerie reſtauriren.

Der Lord iſt mir völlig fremd.

Erneſtine! rief Weber, deſſen Entrüſtung wieder erwacht war.

me,der iſt, ſollte r ſein u haben; tuur des § und der ter gelobt mit Liebe erachtung,

uche und

d. AlIch ſchwöre es bei dem Andenken an meine Mutter! Rgan Man hat mich verläumdet!

Und Sie empfangen keine Beſuche? Eine peinliche Verwirrung bemächtigte ſich des jungen Mädchens bei dieſer Frage. Weber ſchlug die Arme unter

ſo will e, ſagte

Sie ſagten mir, der junge Lord Albert Derby bezahle Ihre Bilder ſo theuer, weil ſie ihm gefielen? Ich will dieſe Anſicht berichtigen:

Der würdige Crosby, ein Geizhals und Wucherer,

Folge.

einander und ſah ſie forſchend an.Erneſtine, murmelte er,Sie ſchwören bei dem Andenken an Ihre Mutter! Vergeſſen Sie nicht, daß ſie uns ſieht und hört!

Wohlan, ſagte ſie gefaßt,um meine Ehre zu retten, will ich Ihnen das Geheimniß meines Herzens entdecken. Seit einiger Zeit ſehe ich in dem Garten unſern Nachbar,

den jungen Henry Newton; er iſt ein beſcheidener, recht⸗ licher junger Mann, der mich liebt, uneigennützig liebt, und ich darf ihn wiederlieben, ohne den Vorwurf der Eigen⸗ nützigkeit auf mich zu laden, weil er ein armer Mann iſt, der Nichts beſitzt, als das angrenzende kleine Gehöft und auch dies wollen ihm böſe Verwandte entreißen. Ich hatte mir vorgenommen, Sie heute oder morgen mit ihm bekannt zu machen. Wenn Sie ihn kennen gelernt haben, werden Sie ihn ſchätzen, wie ich ihn liebe!

Erneſtine, rief erfreut der Maler,ich bin Ihr Pathe, ich vertrete die Stelle Ihres Vaters ſtellen Sie mich Ihrem Nachbar vor, daß ich mit ihm ſprechen kann. Meint er es nicht ehrlich mit Ihnen, ſo

Und bin ich nun gerechtfertigt?

Wenn ich Henry Newton geſprochen habe.

Er wird heute kommen ſehen Sie, hinter jenen Bäumen liegt ſeine Meierei ſie zog den Maler an das Fenſter und deutete auf ein rothes Ziegeldach, das aus dem V Grün des Wäldchens emporragte.Mein Gott! rief ſie erſchreckt.

Was iſt? Dort kommt Henry Wo?.

Jetzt tritt er wieder hinter dem Strauche hervor.

Weber beobachtete aufmerkſam den jungen Mayn, der ſich mit raſchen Schritten dem Landhauſe näherte.

Wie, wie? murmelte er.Jener Mann wäre

Mein Nachbar, Henry Newton.

Armes Kind, man betrügt Dich ſchmählich!

Weber, was ſagen Sie?

alle Euren arten und Höpft babt, ſen erzähll kritiſtrende auantitatid

im höchſten Grade repräſentirt. In Bädern, wo eine geſchloſſene

ariſtokratiſche Geſellſchaft an dem beſcheidneren Fremden auf allen

4 Wegen in eignen Caroſſen, mit eignen Pferden vorüberfährt und

rreitet, wo ſie, ſobald er an einen öffentlichen Ort kommt, die beſten

Plätze, die beſten Speiſen, die beſten Weine, die ganze Bedienung

und die einzige Aufmerkſamkeit des Wirthes für ſich in Anſpruch

genommen hat, da kann man ſich von ihr unwillkührlich beſchränkt

ie ndiſen 4 Lund beläſtigt finden. In Köſen hat man zu derartigen Klagen gegen 1000 Zurchaus nicht Veranlaſſung finden können.

ſchon ASon Tßo 4 3 1 emal ſhe Zum großen Theil ſind es auch von vorn herein mit einander tt führende hekannte Kreiſe, die hier die Sommerſaiſon zubringen wollen,

üba dale nachdem ſie in Leipzig, Berlin, Dresden, Halle den Winter über vigeühn Peinſchafdeh ten ein, An kleinen Rivalitäten unter dieſen nut de Landsmannſchaften fehlt es dann allerdings bisweilen auch nicht;

4 1 8. Gegend

da aber hat das männliche Herz ſicher das Recht, den Patriotismus

1nd der verſtummen zu laſſen und in freier Wahl ſeine Fahne ſich zu in der That wählen. Daß übrigens kann Niemand den Berliner Landsleuten abſprechen, daß ſie die glänzendſten Toiletten producirten. Am rgrößeren meiſten unter ihnen zeichneten ſich dadurch die Buben des Herrn zerdrückt, Meier aus.

jeſelligkeit Welcher Meier? wirſt Du fragen, geehrter Leſer. 1 Natürlich Börſen⸗Meier.

Welcher Börſen⸗Meier?

K.

ja doch der verwahrloſte Kindergarten von Berlin und Leipzig genannt, und ein die Saiſon eröffnendes großes Kinderfeſt mit bengaliſchem Feuer und bunten Lampen wurde nicht ganz mit Unrecht ein großes Scrophelfeſt genannt. Jedenfalls verdienen dieſen Namen nicht die öffentlichen Soiréen, die von der thätigen Bade⸗Direction jeden Mittwoch veranſtaltet wurden und Ge⸗ legenheit zur Verherrlichung namentlich zweier vollendeter Schön⸗ heiten, des Fräulein Sch. aus B. und des Fräulein v. P. aus W., darboten.

Mehrfache muſikaliſche Genüſſe auf dieſen Soiréen ſind zu erwähnen, vorzüglich der Geſang der Frau Kriethe aus Dresden und einer auch in Leipzig mit Recht vielgenannten Dilettantin. Der Veteran Herr Blume, der penſionirte Berliner Hofſchau⸗ ſpieler, ſeiner Zeit der berühmteſte Don Juan, machte uns eben⸗ falls ein paar Mal großes Vergnügen durch Geſang und vortreff⸗ liche humoriſtiſche Declamationen. Einen wahrhaft claſſiſchen Genuß endlich bereitete Daviſon, der ſeiner Gattin wegen hier mehrere Wochen verweilte, durch eine Vorleſung der Emilia Galotti. Er faßte die Aufgabe ganz anders, als wir ſonſt von dramatiſchen Vorleſern gewohnt ſind. Es kam ihm nicht ſowohl darauf an, durch Verſtellen der Stimme und durch Auseinander⸗ halten der Stimmlagen die einzelnen Charaktere gegen einander

abzugrenzen und ſomit durch ſein einzelnes Organ eine geſammte theatraliſche Darſtellung zu reproduciren, ſondern er bemühte ſich

Forſche nicht weiter! Hier hören die Unterſchiede auf., H b Weieenn der ſchon citirte Correſpondent aus Baden⸗Baden einzig, mit ſeiner vollen natürlichen Stimme jede Figur zum ſchrieb, es fehle dort nichts, um den Ort zum Paradieſe zu machen, möglichſt mächtigen Ausdruck zu bringen; durch die innere Färbung 3 außer der Unſchuld, ſo kann man von Köſen dagegen behaupten, bezeichnete er dabei allein die männlichen und weiblichen, die AA könne zahlreiche Paradieſe verſorgen durch das, was es in jüngeren und älteren Charaktere. Daviſon's ſcharfer, leiden⸗ 6 ſeberfluß hat, die Unſchuld unter zehn Jahren. Wird es ſchaftlicher Accent bewirkte es⸗ daß wir in allen dieſen Geſtalten X&/* 4 4 K. f 8 2 1

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