Jahrgang 
27-52 (1856)
Seite
563
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Dritte folge.

V Novellen-Zeitung.

Still, Mylord, ſagte Crosby,dort kommt der deutſche Maler wieder. Ich halte es für gut, daß er von der Veränderung der Dinge Nichts erfährt, eben ſo wenig

Ihr Verhältniß zu Erneſtine. Sie gelten immer noch für

den reichen Kunſt⸗Mäcen, als den er Sie dieſen Morgen

Der Schutzgeifl.

Novelle.

(Schluß.)

Das iſt traurig, es für kein großes Unglück. Wenn Sie, wie Sie mir ſo oft geſagt, Ihr ganzes Glück in der Liebe Erneſtine's finden, ſo wird Ihnen ein reicher Erſatz für den Verluſt geboten. So eben erhielt ich einen Brief von meiner Schweſter, in dem ſie mir ſchreibt, daß Erneſtine den armen Henry mit ganzer Seele liebt.

Ich weiß es, Crosby, und darum finden Sie mich ſo ruhig. Ich habe von jeher keine große Anhänglichkeit an das Geld gehabt; aber es betrübt mich, daß ich Er⸗ neſtinen gar Nichts bieten kann. Ich muß bekennen, daß es heute zum erſten Male einigen Werth für mich hat.

Mylord, Sie ſind immer noch reich genug, um Erneſtine's beſcheidenen Anſprüchen zu genügen.

Was beſitze ich denn?

Das glänzende Hötel, Derby.

Ich werde es verkaufen müſſen, da mir die Mittel fehlen, es zu erhalten. Wie gern hätte ich Erneſtine als meine Gattin in dieſe ſchönen Räume geführt ich muß auf die Verwirklichung meiner Lieblingsidee verzichten.

Verzichten Sie, Mylord, und verkaufen Sie. Ihnen bleibt das Landhaus in Hendon, das man für das meinige hält. Die Summe, die Sie aus dem Verkaufe des Hötels löſen, wird groß genug ſein, um Ihnen eine ſorgenfreie Exiſtenz auf dem Lande zu ſichern. Und was wollen Sie mehr? Erneſtine, Ihre reizende Gattin, verſchönt Ihnen die kleinen Zimmer des freundlichen Landhauſes zu weiten Sälen eines glänzenden Hötels. 1

Crosby, rief Albert entzückt,Sie ſind mein wahrer Freund!

Halten Sie mich dafür, Mylord, denn ich habe mich wirklich beſtrebt, es zu ſein, und werde es auch bleiben.

Im Vertrauen darauf bitte ich Sie um einen Dienſt.

Sprechen Sie, Mylord!

Es muß mir jetzt Alles daran liegen, den kleinen Reſt meines Vermögens zu erhalten.

Ganz recht.

Suchen Sie einen Käufer, der mein Hoôtel ſo theuer als möglich bezahlt.

Verlaſſen Sie ſich darauf. Ich habe den großen Herren Englands ſo oft Bilder verkauft jetzt werde ich ihnen ein Hôtel anbieten.

Vor dem Ladenfenſter ward der weiße Kopf Weber's

Mylord, ſagte er;aber ich halte neſtine's, und es läßt ſich wohl denken, daß er ſich für. ſie

kennen lernte. Wie er mir erzählte, iſt er der Pathe Er⸗

intereſſirt. Wir dürfen die Illuſion nicht zerſtören, daß die Bilder unſers Schützlings theuer bezahlt werden, weil man ſie ſucht.

Weber trat ein. Er trug noch denſelben weißen Makintoſh, dieſelben Nankinghoſen, denſelben zerdrückten Hut und dieſelben abgenutzten Stiefeln. In ſeinen Zügen ſprach ſich eine große Erregtheit aus.

Herr Crosby, ſagte er, nachdem er gegrüßt hatte, ich habe dieſen Morgen meine Bilder bei Ihnen zurück⸗ gelaſſen ſechs Thierſtücke und vier Landſchaften.

Sie ſind wohl verwahrt geweſen und ſtehen zu Ihrer Verfügung. Hier ſind ſie.

Der Kaufmann legte die Bilder auf den Ladentiſch.

Hm, hm, murmelte Weber in ſeinen weißen Bart, als ob er mit ſich ſelbſt ſpräche,was fange ich nun an?

Nach kurzer Ueberlegung nahm er die Bilder unter den Arm und wollte ſich entfernen.

Haben Sie Ihre Landsmännin, Erneſtine Robert,

beſucht? fragte Crosby, der mit dem greiſen Künſtler Mitleiden empfand. Ja, Herr! Ah, ſie wohnt vortrefflich; das gute Kind befindet ſich überhaupt ſehr wohl. Erneſtine liefert den Beweis, daß in England ein hoher Kunſtſinn herrſcht. Ihre Bilder werden theuer, ſehr theuer bezahlt.

Wie ſie es verdienen! fügte Albert raſch hinzu.

Mylord iſt ein Kunſtkenner, ich wage nicht zu wider⸗ ſprechen! antwortete Weber mit einem Anfluge von Ironie, indem er ſich verneigte.

Crosby warf dem Lord einen Blick zu.

Wenn ich nicht irre, habe ich Ihnen dieſen Morgen ſchon den Wunſch ausgeſprochen, die Producte Ihrer Kunſt kennen zu lernen.

Ja, Mylord!.

Ich habe den Ankauf für meine Galerie geſchloſſen, aber gedulden Sie ſich noch acht Tage, und ich werde Ihnen Beſchäftigung geben. Ich habe alte, werthvolle Sachen in meiner Sammlung, die der Reſtauration von kundiger Hand bedürfen 1

Was ſagen Sie da, Mylord? rief erſtaunt der Maler.

Ich werde für Sie ſorgen, und damit ſie warten

können, mag Ihnen Sir Crosby einſtweilen zehn Guineen zahlen. 1

ſichtbar.