Jahrgang 
27-52 (1856)
Seite
562
Einzelbild herunterladen

Novellen⸗Zeitung. I

Adolf Bube.

Der Auswanderer am Orinoßo.

Ich ſtand auf einem Berg im Abendſtrahle Und ſchaut' hinab auf Feigenbaum und Palme, Auf Mais und Blumenpracht im nahen Thale Und auf des Orinoko Bambushalme,

Und weit und weiter über die Savannah, Wo ſchimmernd wogten tauſendart'ge Pflanzen, Bis zu dem Urwald, bis nach Uruana,

Um deſſen Saum des Stromes Fluthen tanzen.

Viel Kolibri's und andre Fittigſchläger Umkreiſ'ten farbenreich mich im Gewimmel, Und leuchtend flattert' ein Laternenträger

Mir dicht um's Haupt und ſchwang ſich auf zum Himmel.

Dort las mein Blick im höchſten Glanz der Sterne:

Fern biſt du hier vom Vaterland im Süden! Dort ſtand voll Gluth der Mond in dunkler Ferne Und winkte majeſtätiſch Ruh' dem Müden.

Da plötzlich hört' ich brüllen eine Heerde und ſanft⸗harmoniſch läuten ihre Glocken. Es war, als weh' ein Hauch von deutſcher Erde Den Klang herüber, mich zurück zu locken.

Ich ſah im Geiſt mich in der Waldung Schatten, Die ich ſo oft durchſtreift als munterer Knabe, Sah meiner Heimath Heerd auf grünen Matten Und bei ihr ſteh'n den Hüter mit dem Stabe;

Sah all' die Theuren, die ich ſchnöd' verlaſſen, Die wohl ſich oft in Trauer mein erinnern; Da konnt' ich mich in Wehmuth nicht mehr faſſen, Ich weint' und fühlte mich zerknirſcht im Innern.

Nun ſind ſo öd' mir all' die prächt gen Räume, Wo ich geglaubt des Daſeins Glück zu finden; Nach Morgen ſchau' ich, wo der Kindheit Träume Wie Epheu ſich um traute Pfoſten winden.

Hierher, ihr Schiffer, ſteuert eure Maſten, Führt mich zurück zum vaterländ'ſchen Boden! Gern will ich tragen dort die alten Laſten,

Um nur zu ſchlummern einſt bei lieben Todten.

Haideritt.

Ich ritt vom Uferſchilf der Theiß Durch eine ſtille Haide; Wie weit ich ſpähte, rings im Kreis Nicht Eine Augenweide!

Ein Wall von grauen Wolken ſchloß Sich an die leere Wüſte; So zeigt, wenn Nebel ſie umfloß, Sich die entfernte Küſte.

Naturbilder, Gedichte von Adolf Bube.

Dritte vermehrte

Auflage⸗

Da ſprang weit auf das Wolkenthor, Und, wie vom Wind gehoben, Schwebt' eine Elfenſchaar hervor,

Von ſelt'nem Glanz umwoben.

Wie blitzgeſchwind ein Wagenzug Auf Eiſen fliegt vorüber, So rauſchte ſie im Geiſterflug Herüber und hinüber.

Bald ſah ich ſtaunend himmelan Die Lichtgeſtalten ſteigen, Bald wieder unten auf dem Plan Sich wiegen und verneigen.

Dann drückten ſie ſich Arm an Arm, Von jäher Wuth getrieben; Alsbald war von dem dichten Schwarm Nur Wirbelſtaub geblieben.

Als endlich ſich der Staub geſenkt Auf die verbrannte Fläche, Da ſchien vom Himmel ihr geſchenkt Die klare Fluth der Bäche.

Da glaubt' ich mich in engem Raum Von Wogenſchwall umſchloſſen,

Daraus o Wunder! Strauch und Baum

Und Wald emporgeſchoſſen.

Auch Tempel, Thurm und Pavillon Sind rings der Fluth entſtiegen; Ich ſah ein ſtolzes Babylon Mit prächt'gen Gärten liegen.

Und nah' hat mich ein Rieſenſchloß, Weit offen, eingeladen; 2 Ich trieb mit ſcharfem Sporn mein Roß, Zum Hauptportal zu waten.

Ich ritt wohl eine Stunde weit Und konnt' es nicht erreichen; Zuletzt mußt' all die Herrlichkeit Dem Strahl der Sonne weichen.

Da lag im Sand ein niederes Haus Mit einer Pferdetränke; Es rief Geſang und Klang heraus: Das Haus iſt eine Schenke.

Ich ſprang vom Roß und ſchritt geſchwind Hinein zum Tiſch der Zecher; Dort bot ein ſchönes Ungarkind Mir einen vollen Becher.

Den bracht' ich dar der Phantaſie, Die freundlich führt durch Oeden; Die Kleine glaubt', ich meine ſie, Und lächelt' im Erröthen⸗

Gotha. Druck und Verlag der Stollbergſchen Buchdruckerei.

1856.

4

Das es für kei oft geſag finden, ſo geboten. Schweſter, Henry mie

3 ſo ruhig. an das neſtinen es heutte

Myf Erneſtine

Was

Das 830 foſen, es mälne Ga auf deT

N bleibt hält. löſen, Eriſter mehr? die kle Sälen

40 Freun .

wirklie