Jahrgang 
27-52 (1856)
Seite
556
Einzelbild herunterladen

ſonderlich reſpectirt, doch gehörig bezahlt.

und zwar für eine Taſſe, deren Wand- und Bodendicke eine allen Traditionen der Meißner Porzellanfabrik Hohn ſprechende, wahrhaft bombenfeſte war, natürlich zum gro⸗ ßen Nachtheile des Inhaltes, der völlig als Nebenſache behandelt wurde. Ihr Kleingläubigen, kommt hierher, nach Baden, zum Café Restaurant an der Promenade, for⸗

dertune demie tasse und lernt erkennen, wie ungerecht Ihr gegen Eure Vaterſtadt und gegen Herrn Felſche am

Grimmaiſchen Thor geweſen ſeid! Dieſedemie tasse, Pariſer Stils, iſt in Baden⸗Baden noch dicker im Porzel⸗

lan, als die berühmte Taſſe im LeipzigerCafé Français. . zig

Sie koſtet aber auch neun Kreuzer oder drei Silbergroſchen, alſo das Doppelte. Mithin hat ein guter Sachſe, der ge⸗ wohnt iſt, dreimal täglich ſeine drei Taſſen Kaffee zu trin⸗ ken, die beſte Gelegenheit, täglich einen Thaler für Kaffee auszugeben; denn die drei fehlenden Silbergroſchen ſindpour le garçon.

Aber ſchön iſt es doch hier, ſo ſchön wie die Sünde. Das ganze Großherzogthum Baden iſt ein großer Garten

und Baden⸗Baden iſt das exotiſche Treibhaus in dieſem

fürſtlichen Park. Hier baut auch die Ariſtokratie ihre reizenden Sommerneſter. Eine Villa, ein Marſtall, Kam⸗ merdiener und Maitreſſen gelten nach ihrem vollen Werth, und Wappen und Stammbaum ſind kein überwundener Standpunkt. Hier verträumt auch der Geldbeutel ſein ſorgenvolles Daſein, das ihm der Courszettel bereitet. Und wer ſonſt noch Kummer hat, der verſpielt ihn(oder ſein Geld) am Roulette und im Trente-et-quarante.

Ich habe die ſtatiſtiſche Bemerkung gemacht, daß, außer der haute volée und haute finance, nur noch vier Menſchen⸗ elaſſen hier vollſtändig in ihrem Elemente ſind: diear- tistes célèbres(die natürlich Alle nur aus Paris kommen können), die franzöſiſchen Journaliſten, die Croupiers und dieDemi-monde. Alle Vier werden, wenn auch nicht Die Sänger und Virtuoſen, um die Saiſonglänzend zu machen; ſie

Roveſfen-Zeitung.

[II. Jahrg.

ſind der Lackfirniß derGeſellſchaft, die Viſitenkarte der feinen Welt auf doppelt glacirtem Papier. Die franzöſi⸗ ſchen Journaliſten, um die Saiſon in Proſa und Poeſie zu loben, zu beſingen und auszupoſaunen, aber wohlverſtan⸗ den, nur in franzöſiſcher Sprache, denn hier ſchämt ſich ſelbſt ein Hausknecht und Kofferträger deutſch zu ſpre⸗ ſchen, woraus man ſchließen kann, wie gering die deutſchen Journaliſten angeſehen ſind, die das Unglück haben, das Deutſch ſogar drucken zu laſſen! Daß die Croupiers hier beſſer bezahlt werden, als mancher deutſche Staats⸗ rath, wird Niemand verwundern, da die Badener Bank die größte in Deutſchland iſt und mindeſtens eine Rente von ährlich einer halben Million abwerfen muß. Und was die Demi-monde betrifft, ſo begreift man leicht, daß dieſe V hier eine treffliche Ernte hält und ſich dabei ſehr wohl be⸗ findet. Dieſe geheimnißvolle Geſellſchaft außer der Ge⸗ ſellſchaft hat den beneidenswerthen Vorzug, Niemand be⸗ zahlen zu müſſen und doch von Allen bezahlt zu werden. Daß man ihr dafür die Kleinigkeit abſpricht, die man Ehre oder guten Ruf nennt, kümmert ſie ſehr wenig. Die Tu⸗ gend iſt für ſie nur ein lächerliches Vorurtheil, oder, wie Schiller ſagt,ein leerer Wahn! Wer außer der haute volée, der haute finance, den franzöſiſchen Künſtlern und Schriftſtellern, den Croupiers und der Demi-monde ſich ſonſt noch hier aufhält, kann ſich zwar eben ſo wohl befinden als jene, er muß nur nicht die lächerliche Prätenſion machen, bemerkt zu werden oder eine Rolle ſpielen zu wollen. In kleinen Bädern, wo ſämmt⸗ liche Badegäſte jeden Fremden, der eine Stunde vorher ankam, nicht nur mit Vor⸗ und Zunamen ſchon kennen, ſondern auch ſeinen Stand, Vermögen, Familienverhält⸗ niſſe und ſonſtige Kennzeichen ſofort ausgekundſchaftet ha⸗ ben iſt es ſo leicht und bequem, eine Rolle zu ſpielen. Man braucht nur zwanzig Koffer mitzuſchleppen, Kammer⸗ jungfer oder Bedienten mitzubringen, in erſter Etage mit Balcon zu wohnen, auf dem Zimmer zu ſpeiſen, eigene

Schließlich noch die Bemerkung, daß der Verfaſſer des Wiener Originalſtücksder Actiengreißler, von demder Actienbudiker eine Bearbeitung nach Berliner Geſchmack iſt, Langer heißt.

M.

Literatur.

Volkskalender von Karl Steffens auf das Jahr 1857. Leipzig, Verlag von Voigt und Günther.(Preis 12 ½ Ngr.) Unter den vielen Kalendern aller Art, die jährlich auf den deutſchen Büchermarkt gebracht werden, nimmt Steffens' Volks⸗ kalender ſicher eine der erſten Stellen ein und rechtfertigt voll⸗ kommen ſeine außergewöhnliche Verbreitung, die ſich in einem Abſatz von über 40,000 Exemplaren wohl am deutlichſten aus⸗ ſpricht. Auch der vorliegende Jahrgang empfiehlt ſich durch ſeinen reichen Inhalt und gibt Beiträge von Heinrich Pröhle,

Hoefer, Max Ring, Guſtav Nieritz, Prof. Roßmäßler, W. Hamm u. j. w. Was den artiſtiſchen Theil des Volkskalenders betrifft, ſo erheben ſich die beigegebenen Stahlſtiche und Holz⸗

ſchnitte weit über das Niveau der gewöhnlichen Kalender⸗Bilder.

Welt und Einſamkeit. Novellen von Auguſte Linden. Göttingen. G. H. Wigand. 1856.

Es iſt ein Nachlaß, der hier vor uns liegt. Die Verfaſſerin

war ein junges Mädchen aus den höhern Ständen, die mit Eifer

poetiſcher Thätigkeit nachhing, bis ſie im vorigen Jahre unver⸗ muthet früh ihr Leben ſchloß. Wir haben ſeiner Zeit ihre Novelle

Vier Lebenstage unſern Leſerinnen empfehlen können und dürfen das mit ebenſo gutem Gewiſſen mit den vorliegenden Arbeiten thun. Nicht gerade ſcharfe Charakteriſtik, wohl aber ſinnige Lebensauffaſſung und zartes Taktgefühl geben auch dieſen einen nicht geringen Werth.

Dresdner Galerie⸗Buch. Ein berathender Führer zur Auffindung und zum Verſtändniß der Meiſterwerke in der königl. Gemälde⸗Galerie zu Dresden. Dresden. E. am Ende. 1856.

Die Aufſtellung der Galerie in dem prächtigen neuen Gebäude hat neue Bücher zur Orientirung in demſelben nöthig gemacht. Profeſſor Hettner, Director der königlichen Galerien, hat einen neuen vollſtändigen Katalog herausgegeben. Das vorliegende Heft iſt mehr ein Führer und populärer Erklärer für den Reiſenden, der auf das Bedeutendſte ſchnell aufmerkſam gemacht ſein will. Der Verfaſſer gibt Zeugniß von Kunſtverſtändniß und hat ſeine Aufgabe praktiſch zu erfaſſen gewußt.

Lehre von den Formen und Gattungen der deut⸗

ſchen Dichtkunſt. Für höhere Lehranſtalten ſo wie zum Selbſt⸗

unterricht bearbeitet von Dr. Ernſt Kleinpaul. Dritte ver⸗ beſſerte und vermehrte Auflage. Barmen. Langenwieſche. 1856. Der praktiſche Werth dieſes Werkes iſt anerkannt. Es genügt hier die neue Auflage anzuzeigen.

I

in dem

Nr. 35.]

Equipage; man iſt eir trinken lo zum Tona kenner, er Subſeript Wer I witd ſehr, ritbin von Der, oder ten hier ni lich Nichts um hier heimathlie licſten A Pariſer) hilft ihne ſchwinde zu fragen Man Geſellſcha man kann ſeine Sch ſchaften barn im Jeder lo ſehr reſe dem Ent als daß! Die Wente. häll ihre und ſucht Gaxſehlu bichen ſeldh En

werden

Wahri Entſch innern die pei Nuhigſ

ngere Beſſern arbeitet ganzes! und ſeit D̃r die Sie⸗ rennhe däͤgt, d ſenne doffnan Handla ſie werd d

Liebe d kaft b Ne es