Jahrgang 
27-52 (1856)
Seite
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hatte früher an Epilepſie gelitten ſeine Aufregung war ſo groß, daß das alte Uebel mit erneuerter Heftigkeit zu⸗ rückkehrte. Albert konnte den Anblick des unglücklichen Advocaten nicht ertragen; er verließ das Zimmer und ſchickte einen Diener zu dem laut heulenden Herrn. Er hätte vielleicht weniger Schmerz über den Verluſt ſeines Vermögens empfunden, wenn nicht alle ſeine Pläne mit Erneſtine geſcheitert wären. Die Liebe zu dem ſchönen deutſchen Mädchen erfüllte ſein ganzes Herz, und man kann die Gemüthsverfaſſung, in der er ſich jetzt befand, mehr Trauer als Schmerz nennen, die Trauer darüber, daß er Erneſtinen nicht das Vermögen bieten konnte, was ihre uneigennützige Neigung verdiente.

Nun bin ich wirklich der arme Mann, als den ſie mich

Novellen⸗ Zeitung.

[II. Jahrg. in den Hôtels wohnt und am Spieltiſch ſich begräbt. Was könnte man dieſer kranken Zeit Beſſeres anrathen, als eine Badereiſe? Nicht zur Heilung, denn unſere

Zeit will nicht geheilt ſein. Sie zieht es vor, ſich für unverbeſſerlich zu halten, Geſundheit zu affectiren und lächelnd zu verbluten. Aber zur Abwechſelung vom ewi⸗ gen Einerlei des Genuſſes in den bekannten, heimiſchen

Reſidenzen; zur Erholung von den Strapazen, welche das

Suchen nach Vergnügen leider mit ſich zu führen pflegte!

Zur Luftveränderung! Ein treffliches Wort, das für Alles paßt und deſſen geheimnißvollem, vieldeuti⸗ gem Sinne alljährlich Millionen zum Opfer fallen nämlich Gulden, nicht Menſchen. Denn im Bade ſtirbt bekanntlich Niemand. Man frage nur die Badeärzte.

kennen und lieben gelernt hat! dachte er ſeufzend.Die Die verheißen Allen ein ewiges Leben, die ſich ihrer weiſen

Täuſchung iſt die traurigſte Wahrheit geworden.

botſchaft an. (Schluß folgt.)

Eine Saiſon in Baden⸗Baden. Tagebuch⸗Blätter eines deutſchen Journaliſten.

l. Eine Badereiſe. Eine Badereiſe!

Allmächtige Parole unſerer blaſirten Welt, die kein

Bu Hauſe, keinchez soi mehr kennt, die auf den Bahnhöfen ſich verſammelt, in den Coupes ſich kennen lernt

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Führung gläubig anvertrauen. Er warf ſich in ſeinen Wagen und ließ ſich zu Crosby ſichtbaren Kirche von dieſer Welt, und ihre Gemeinde iſt fahren. Ueberraſcht hörte der Bilderhändler die Unglücks⸗ ſehr groß und ſehr gottlos!

Sie ſind die Prieſter der

Badereiſe! Süßes Zauberwort, dem kein weibli⸗ ches Herz widerſtehen kann, die Herzen der Frauen noch weniger, als die jungen Mädchenherzen. Dieſe wiſſen ja in ihrer Unſchuld(ich ſpreche von ſehr jungen Mädchen) noch nicht, was in dieſem Worte Alles enthalten iſt: wie viel ſüßes, verborgenes Gift, wie viel Champagnerſchaum der Lebensgenüſſe, wie viel Luxus, Intrigue, Coqguetterie und Verführung.

Iſt es da zu verwundern, daß die Badereiſe der Schrecken aller Ehemänner iſt? der geizigen, der beque⸗ men, der pedantiſchen, der hypochondriſchen, der ſoliden, der eiferſüchtigen, der freiheitsliebenden, der leichtſinnigen, der guten und ſchlechten und aller übrigen? Wie viel Wohl und Wehe ganzer Familien, wie viel Vergangenheit und Zutkunft ganzer Geſchlechter faßt dieſes Wörtchen nicht mit einem Griff! Bei ſeinem Klange iſt der Eine himmelhoch jauchzend, der Andere zum Tode betrübt; aber Jeder denkt dabei an etwas beſonders Intereſſantes, Außer⸗

gewürzt mit den gemütherweichenden Ingredienzien moraliſcher Tendenz, und ſiehe da, allabendlich ſpielt man auf der Bühne des in der Blumenſtraße freundlich gelegnen Königſtädtſchen Sommer⸗ theaters vor einem ſehr zahlreichen und aus allen Geſellſchafts⸗ kreiſen gemiſchten Publicum jenes Wiener Localſtückder Actien⸗ greißler ab. Geld, Börſe, Agiotage, Actienſchwindel ſind ja nun heutzutage die Loſungswörter der gewinnſüchtigen Menſchheit, ſoll man da das Beſtreben nicht von ganzem Herzen billigen, dem Volte im Spiegelbilde die gefährlichen Seiten der neumodigen Geldſucht vor die Augen zu halten? Und das muß man zugeſtehen, was man auch ſonſt gegen die wohlfeilen Calembourgs und derben Anſpielungen einwenden mag, Kaliſch verſteht es wie kein Zweiter den echten WienerGreißler in einen VollblutberlinerBudiker umzuſetzen.

Herr Auguſt Knetſchke Auguſt deshalb mit Vornamen, damit er im dritten Acte:Ach du lieber Auguſtin, Alles iſt weg ſingen könne Herr Auguſt. Knetſchke lebte ruhig und

ſeinen Stand reflectiren und dies thut er in einer Vergleichung ſeines Stadtviertels, alſo der Frankfurter Linden, mit dem Stadt⸗ viertel der vornehmen Welt, in welchem die allbekannten Berliner Linden liegen.

Herr Knetſchke alſo iſt durch die Erbſchaft ein reicher Mann geworden. Was mit dem Gelde am ſicherſten zu beginnen, wendet er ſich rathfragend an einen Herrn Pipenhagen. Dieſer Herr iſt wüthender Börſenſpeculant, bat all' ſein Geld in fehlgeſchlagenen Speculationen vergeudet und weiß nun nichts Geſcheidteres zu thun, als Knetſchke zum Börſenſpiele durch die Ausſicht auf wer

weiß wie viele Procente Gewinn zu verleiten. Knetſchke geräth

außer ſich vor Freude, es öffnen ſich ihm jetzt natürlich alle vor⸗ nehmen Salons und er könnte höchſt zufrieden ſein, wenn er eben

ſo ſchnell wie ſeine frühere ſpießbürgerliche Kleidung auch gewiſſe

budikenhafte Manieren abzulegen vermöchte und von ſeinen früheren

Bekannten und Nachbarn nicht fortwährend, ſo oft er ihnen zu

Geſicht kommt, verſpottet und als Actienbudiker geneckt würde.

zufrieden als Kellerwurm, oder Budiker, oder Victualienhändler, Natürlich läßt er es an renommiſtiſchem Weſen nicht fehlen.

wie man derartige im Keller wohnende und einen Kleinkram führende Wirthe benennt, unter den Frankfurter Linden, bevor ihm der moderne Teufel in Geſtalt eines Packetes mit 15,000 Thalern in Actien in Folge einer Erbſchaft aus Frankfurt a. M. in den Keller ſpazierte. Seine Budite zeichnete ſich durch nichts vor allen andern dieſer Gattung aus, ſie ſchickte jedem Vorüber⸗ gehenden den die Geruchsnerven über die Maßen beläſtigenden Miſchgeruch von Sand, Butter, Käſe u, ſ. w. entgegen, aber nichts deſto weniger wurde er in der feuchten, nach ungelüfteten Räumen riechenden Behauſung dick und fett. Als echtes Berliner Kind wandelt ihn die Luſt zur Spöttelei an, er muß über ſich und

Allah iſt bekanntlich groß, aber noch größer iſt der Theater⸗

zufall. Er will's, daß ſich Knetſchke eines ſchönen Tages eines

längſtvergeſſenen Herrn wieder erinnert und gerade in dem Momente zu dieſem ins Zimmer ſtürzt, als ſich dieſer, durch Geldſpeculationen ruinirt, eine Kugel vor den Kopf ſchießen will. Knetſchke wird natürlich ſein Lebensretter. Er zieht aus dieſem Vorfall eine weiſe Lehre und beſchließt, das wieder zu werden, was er ehemals war, ein Budiker. Wie ſchön trifft ſich's nicht, daß ſein Sohn die Tochter dieſes Herrn liebt! Er macht das Paar glücklich. Er ſchenkt beiden die Summe von 6000 Thalern, denn ſo ſchlau war Herr Knetſchke wohl, daß er jenem Herrn Pipenhagen nicht all

Nr. 35.)

gevöhnliche dimoniſchen

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