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Die arme Erneſtine ward von einer fürchterlichen Angſ ergriffen. Sie ließ ihre erſchreckten Blicke durch den⸗re
vollen Saal ſchweifen, dann lief ſie nach der Thur, durch
die ſie eingetreten war— ſie war feſt verſchloſſen, es half weder Rütteln noch Stoßen, ſie zu öffnen.
„Man hat Böſes mit mir vor!“ rief, Erneſtine.„Ich bin in eine Schlinge gelockt! Oeffnen Sie, oder ich rufe um Hülfe!“
„Warum denn?“ fragte mit einem ſcheußlichen Grinſen die Magd.„Es thut Ihnen Niemand ein Leid an, und Sie wollen um Hülfe rufen? Sieht es bei uns verdächtig. aus? Man hält Miſtreß Eva für eine arme Matrone, aber ſie iſt reich, ſehr reich! Sie bewohnt ganz allein dieſes Haus, deſſen ſich die vornehmſte Lady nicht zu ſchämen braucht. Wollen Sie die andern Zimmer ſehen, ſo kommen Sie, ich werde ſie Ihnen zeigen.“
Erneſtine ſtarrte rathlos die Magd an. Sie erinnerte ſich, daß das Haus in einem Hofe lag und daß man ihr Rufen auf der Straße nicht hören könne. Es ſchien, als ob man auf dieſen Umſtand gerechnet habe, und daß die Frau irgend etwas gegen ſie im Schilde führe, lag außer allem Zweifel. Noch ehe ſie einen Entſchluß gefaßt hatte, ließ ſich in dem Innern des Hauſes das leiſe Klingen einer Glocke vernehmen.
„Miſtreß ruft!“ ſagte die Magd, indem ſie mit der fleiſchloſen Hand nach der Glasthür deutete.„Ich muß fort.“
Sie verſchwand durch dieſe Thüre, ehe ſich Erneſtine deſſen verſah. Das arme Mädchen befand ſich allein. Es war geneigt, die ſchreckliche Perſon für verrückt zu halten und ihren Schrecken für grundlos. Warum aber hatte man ſie eingeſchloſſen? Eine Viertelſtunde verfloß unter bangen Zweifeln. Kein Laut, kein Geräuſch ließ ſich in dem Gebäude vernehmen, obgleich es mitten in der beleb⸗ teſten Stadt der Welt lag. Die Angſt der Gefangenen ſteigerte ſich mit jeder Minute, und unwillkührlich gedachte
Rovellen-Zeitang.
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[II. Jahrg.
ſie des Advocaten Morton, denn weiter kannte ſie keinen Menſchen in der fremden Stadt, der ein Intereſſe haben konnte, ſie zu verfolgen. Von dem bösartigen Charakter dieſes Mannes, der hartherzig ihrer todtkranken Mutter eine ſo ſchreckliche Scene bereitet, ließ ſich Alles fürchten. Dieſer Gedanke ſteigerte die Qual Erneſtinens auf den höchſten Gipfel.
Wir verlaſſen das arme Mädchen, während es in einer fieberhaften Angſt auf dem prachtvollen Seſſel neben dem Kamine lag, und führen den Leſer in ein kleines Gemach, das durch zwei Zimmer von dem Saale getrennt war. In dieſem Gemache befinden ſich zwei Perſonen. Der Leſer kennt ſie bereits. Die eine iſt der Advocat Morton, die andere iſt Miſtreß Eva. Die Letztere war nicht mehr die arme Frau, die den Omnibus zu ihrem Fortkommen durch die Straßen von London benutzt, ſondern eine Dame, deren reiche Kleider der prachtvollen Wohnung entſprachen. Mit den einfachen Kleidern hatte ſie auch den Namen abgelegt, der Advocat nennt ſie Miſtreß Barkley.
„Sie ſind alſo glücklich geweſen?“ fragte der Mann des Rechts, indem er ſich behaglich in dem Sopha ausſtreckte.
„Ja, Sir, nach monatelangen fruchtloſen Bemühungen. Wir können nun unſern Handel abſchließen.“
Miſtreß Barkley ſtreichelte einen Kapuziner⸗Affen, der neben ihr auf dem Polſter lag; ſie ſchien dem komiſchen Thiere, das ſcheußliche Grimaſſen ſchnitt, eben ſo viel Auf⸗ merkſamkeit zuzuwenden, als ihrem Gaſte.
„Gut, ſchließen wir ab!“ ſagte Herr Morton nach einer Pauſe.„Was fordern Sie als Lohn dafür, daß Sie unſere Angelegenheit bis zu dieſem Punkte gebracht haben?“
„Fünfzig Pfund!“
„Das iſt viel.“
„Der Doctor Brahem gibt mehr,“ antwortete gleich⸗ gültig die Dame. 5
Feuilleton.
— A.n
Bonmots von Heinrich Heine. (Aus Alfred Meißners„Erinnerungen“. Hofmann& Campe, 1856.)
Nicht fern von Heine, als mein Hausgenoſſe im Hötel Violet, wohnte der deutſche Flüchtling W...... Er beſuchte Heine von Zeit zu Zeit, kannte ihn ſchon ſeit vielen Jahren, aber das Ver⸗ hältniß Beider zu einander war ein geſpanntes. W..... trug eine Unmaſſe Bedenken gegen Heine's Poeſie und Charakter mit ſich herum und Heine ironiſirte den alten Burſchenſchafter und hatte kaum ein Auge für ſein edles Herz, ſeinen ehrlichen Charakter ſeine noble Natur, ſo komiſch waren ihm ſeine Schwächen, die hn fortwährend an die ſeiner alten Commilitonen aus der Studenten⸗ zeit erinnerten.
Viele Stunden täglich ſtand W..... bei ſeinen Pulte und ſchrieb. Außer den Berichten für die Allgemeine Ritung förderte er auch vielbändige Werke politiſcher Gattung in die Welt. Dieſe Bücher waren langweilig und haben, wie ich glaube, nie viel Leſer gefunden. Aber man hat kaum ein Recht ſcharf gegen ſie zu ver⸗ fahren. Die herbe Nöthigung des Lebens hatte den Flüchtling zum Schriftſteller gemacht, und wenn er auch nur ein geringes Maß ſchöpferiſcher Gedanken beſaß, die Geſinnung und das Wollen des Autors waren immer im höchſten Grade edel.
Es war die Zeit, wo Lola Montez damals in München die
ganze Preſſe mit ihren Abenteuern erfüllte. VW..... war entrüſtet.
Er ſah in den Huldigungen, die König Ludwig der ſchönen Spanierin darbrachte, eine Schmach des deutſchen Weſens und fürchtete, daß eine Pompadour Einfluß auf deutſche Männer und deutſche Zuſtände nehmen würde. Heine'’n hingegen amüſirte die Sache, ja ich glaube, er freute ſich über die Macht, die eine leicht⸗ fertige Tänzerin in der Heimath von Görres und Döllinger, in Monacho⸗Monachorum gewann. Er ahnte den bevorſtehenden
Kampf des Balletröckchens mit der Kutte und ging ſogar mit dem
Gedanken um, die ganze Hiſtorie zu einem komiſchen Gedichte in der Art des Atta Troll auszubeuten. 4 In dieſen Tagen ſchrieb W..... überaus entrüſtete Briefe an die Augsb. Allgemeine Zeitung und da dieſe ſie nicht aufnahm, ſtellte er ſie in einem Büchlein zuſammen, das er auf eigne Koſten herausgab. 3 „Haben Sie die neue Broſchüre W..... s geleſen?“ fragte ich eines Morgens. 8. „Welche Broſchüre?“ „Das Büchlein gegen die Lola Montez: † zori 7 rejhezt Tänzerin und die deutſche Freiheit.
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Die ſpaniſche
Nr. 33.]
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