Jahrgang 
27-52 (1856)
Seite
508
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lichſten Ton des Lebens ſelber an und ſchien nur wohl zu ſein im vollſten Tumult geſelliger Freuden. Sie mußte ihre Schule dergroßen Welt vollauf durchgemacht ha⸗ ben, denn, ſo jung ſie im Ganzen auch noch war, die vollendete Weltdame ließ in ihr Nichts mehr zu wün⸗ ſchen übrig. Daß Alles ſo kommen konnte, das wurde mir einigermaßen klar, als ich erfuhr, daß der alte General todt war und die ſchöne Enkelin ſein ganzes Vermögen geerbt hatte. Ein ſolches Vermögen mit einer ſolchen Schönheit im Bunde konnte natürlich nicht verfehlen, alle

Künſte in Thätigkeit zu bringen, um das junge Herz

mit den Wünſchen und Leidenſchaften zu entzücken, welche das glänzende Leben großer Städte in Bewegung ſetzen. Aber noch mehr; die überraſchte Badewelt hatte auch bald herausgebracht, wie Maria⸗ ſchon zu Lebzeiten des Generals keineswegs die Heilige wirklich geweſen, die ſie geſchienen habe, man wollte jetzt von allerlei Abenteuern der geheim⸗ nißvollſten Art wiſſen und zeigte zum Beweiſe dieſer Be⸗ hauptung auf das Leben, welches die ſchöne Dame gegen⸗ wärtig führte. Dieſes Leben, wenn es auch nichts gegen die Vergangenheit bewies, war doch wirklich ſo beſchaffen, daß es unmöglich gebilligt werden konnte. Die junge Dame war mit zahlreicher Dienerſchaft erſchienen, hatte Wagen⸗ und Reitpferde mitgebracht und ſchien ſich wenig um die öffentliche Meinung zu kümmern, da in ihrem Ge⸗ folge einige junge Männer als ausgezeichnete Günſtlinge auftraten. Zwar hatte ſie auch eine alte Dame zur Seite, welche unter dem Namen einer fernen Verwandten dem ausgelaſſenen Leben ihres Hauſes eine beſſere Folie geben ſollte, allein das half nur wenig, um den äußerſten Lärm übler Nachreden und die Verzweiflung derer zu beſchwich⸗ tigen, welche, wie ich, eine ſo heilige Verehrung für das vom Himmel begünſtigte Weſen im Herzen hatten. was half's? was man ſah, und man ſah mehr als man ſehen wollte.

Noveſfen⸗Zeitung.

ungeheuern Mitteln für nichtswürdige Freuden, dieſes raſende Hinwegfahren über alle Sitte und Meinung der Menſchen hatte meinem Herzen bald den Reſt gegeben; ich floh, um dieſe traurigen Verirrungen nicht länger zu ſehen,

aber ich kam wieder, um mich zu überzeugen, ob ich denn

wirklich nicht bloß geträumt habe. Umſonſt; das Leben der jungen Dame fuhr fort, wie es angefangen, ja ſuchte, da auch die Fähigkeit zur Freude ſich abnutzt, immer un⸗ natürlichere Reize. Sechs tolle Wochen waren endlich herum und eines Tages jagte die reizende Badekönigin mit ihrem Gefolge und Anhange lärmend davon, wie ſie ange⸗

kommen war...

Aber Es war nicht zu leugnen und zu verbergen,

Dieſes Jagen nach Genüſſen, dieſes Verſchwenden von

Der Erzähler ſchwieg einen Augenblick, dann fuhr er mit bewegter Stimme fort:

Seit jener Zeit ſind mehrere Jahre vergangen; ich habe dieſen Badeort gemieden und durch Erkundigun⸗ gen nur erfahren, daß auch die ſchöne Enkelin des Gene⸗ rals nicht wieder hier erſchienen ſei. Dies war gut und ſchlimm; gut, daß ſie nicht durch neues Auftreten hier be⸗ wies, wie ſehr ein ſolches Leben zum Abgrund führen müſſe; ſchlimm, daß ſie nicht durch die öffentliche Meinung ſpäter eines Beſſern über den Werth ihres Herzens belehrt wurde. Denn, Freund, die Neigung, welche man einmal gefaßt hat, will auch von den Fallenden und Gefallenen nicht gerne laſſen... Da auf einmal heute, o Freund

Perſcheint die faſt Vergeſſene plötzlich auf dieſem früheren

Schauplatz wieder und in einer Weiſe in einer Weiſe, o Freund Er konnte, was er auf den Lippen hatte, nicht vollenden.

Was ſagſt Du? rief der überraſchte Reiner ge⸗ ſpannt,Sie hier? Und wie, wie haſt Du ſie wieder ge⸗ funden?

Das ſollſt Du ſelber ſehen, erwiderte der Freund nach einer Pauſe.Laß Dich einen Gang und eine auf⸗ geregte Stunde nicht verdrießen; komm, folge mir und

beginnen ſich ſtark zu lichten. Geibel hatte ſich ſeiner leidenden Geſundheit wegen ſchon im Mai beurlaubt, um nach Lübeck und ſpäter ins Seebad zu gehen; Paul Heyſe verlebt den Sommer in der märkiſchen Heimath, mit dem Druck ſeines neuen Gedichtes Die Braut von Cypern beſchäftigt; A. v. Schack unternimmt eine Fahrt nach Damaskus; Andere beſcheiden ſich mit einer Zuflucht im nahen Gebirge, nur noch ſchwankend ob ſie Starnberg, Tutzing, Tegernſee oder Partenkirchen den Vorzug geben ſollen. Melchior Meyr hat ſich in ſein heimathliches Ries zurückgezogen, nachdem er zuvor ſeine eben gedruckte hiſtoriſche TragödieKarl von Burgund(der Kühne), ein ernſtes, kraftvoll gediegenes Werk von höchſter Intentlon, an die größeren Theater verſendet. Während ſo Einheimiſche und Anſiedler in die Nähe und Ferne auseinander⸗ ſtreben, wird der ungemein zahlreiche Durchzug fremder Gäſte, unter denen wir mancher hervorragenden Perſönlichkeit begegnen, täglich bemerkbarer. Mit ganz beſonderer Freude erwähnen wir den Beſuch Varnhagens v. Enſe, der nach faſt achttägigem Aufenthalt heut in der Frühe die Rückreiſe nach Berlin antrat, lebhaft erfüllt von dem Reichthum bedeutender Eindrücke, welche das zuletzt 1834 flüchtig geſehene München einem Geiſte von dieſer unverſieglichen Jugendfriſche und Empfänglichkeit darzu⸗ bieten hatte. In allen geſelligen Begegnungen überraſchte die kräftig⸗heitere Erſcheinung des Einundſiebzigjährigen, deſſen freier, keiner Schwäche des Alters tributpflichtig ſcheinender Sinn nach allen Seiten, wo ihn würdige Gegenſtände anziehen, den geweck⸗ teſten Antheil äußert. Bei ungebrochener Energie der Empfindung und ſicherſter Schärfe der Auffaſſung zeichnet ihn noch immer jene ſchöne Gerechtigkeit aus, die wir in ſeinem T rken von jeher bewundern mußten. Der Reiz ſeines einzig ergib en, die gewähl⸗

teſten Formen mit eleganter Leichtigkeit beherrſchenden Geſprächs hat den Jahren, ſtatt Abbruch durch ſie zu erleiden, nur ſtets volleren Gehalt und geſteigerte Bedeutung abgewonnen. Was können wir Zurückgebliebenen noch Beſſeres wünſchen als Gäſte, die man ſo ungern ziehen läßt!

Aus Weimar.

Als Nachtrag gewiſſermaßen zu dem vor einem Jahre erſchienenenWeimariſchen Jahrbuche für Muſik und Theater liegt uns eine gedruckte Ueberſicht der im großherzoglichen Theater während des letzten Jahres gegebenen Vorſtellungen vor Augen.

Aus derſelben geht vornehmlich ein von keiner andern Bühne übertroffener Eifer in der Aufführung neuer Werke hervor. Zum erſten Male dargeſtellt wurden vom 16. September 1855 bis zum 24. Juni 1856 im Ganzen 32 neue Nummern, von denen 28 auf das Schauſpiel fallen. Von letzteren nennen wir hier: Auf dem Lande von Benedix, Der Liebesleugner von Jordan, Roth⸗ kehlchen von J. Eberwein, Bernhard v. Weimar von J. Moſen (das gleichnamige Stück von Genaſt ſiel ſchon⸗ in das vorhergehende Jahr), Artevelde von Otto Roquette, Muſikaliſche Leiden von

Jean Richard und Fauſt zweiten Theiles erſter Act. 411

Ein rührender Zug. Paris wurde dieſer Tage, wo Groß und Klein miteinander wetteifern, den zahlreichen Opfern der Ueberſchwemmungen zu

(II. Jahrg.

NR. 32.

du ſollſt ſie ſe ar! Frohwette Reiner ſeinen Sie verli eatlang bi n vrunnan in T ein und folgt Vor einen foher Mauer und Frohwette inige Augent Ic wei dner Stunde na der Harhl..) ge gzähl d Minute Die dort Af eine m tt ein dKaactt barm ſentten Hau tend vor ſü man gwar und von je NAktter, noch der Shrit ununterbro Roſenkranz über der Br 1Mein( don der ebe nung ergriff Sdondeit, and eeneuen Sehn ergiffa. Aux fine Gena Menſchenn laufs kenn re ſe Almoſ V bauin d b 4 G zan di Aen Korb!

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