Jahrgang 
27-52 (1856)
Seite
506
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hat, da die Börſe wohl gefüllt iſt und das Mittagseſſen Appetit auf ein Dutzend andere macht.

Eines ſchönen Morgens während des eben nicht be⸗ ſonders ſchönen vergangenen Sommers hatte unſer Freund eben wieder ſeine Frühſtunden in gewohnter Weiſe hinge⸗ bracht, als Schlag elf Uhr ſein getreuer Berichterſtatter undWonnegenoſſe, wie er ihn bezeichnete, Frohwetter, eintrat.

Dieſer, von Natur ohnehin etwas lebhaft, war heute noch um Vieles aufgeregter, legte Hut und Stock wie ein Verzweifelnder bei Seite, eilte auf das Sopha zu und warf ſich, die Augen mit beiden Händen bedeckend, in eine Ecke.

Unſerm Freund Reiner wurde bei dieſem Anblicke ſo⸗ fort unwohl. Denn wenn er auch ſonſt zur Noth ein tra⸗ giſches Ereigniß anhören oder auch mit anſehen konnte, ſo warf ſich doch während ſeines Aufenthalts im Bade leicht jede heftige Bewegung, wie er klagte,auf die Verdauung und ſtimmte ihn einen Tag lang wie eine alte Bratſche herunter.

Deshalb war er über den Anblick desWonnegenoſ⸗ ſen, der doch ſonſt ſeine Stimmung gerne ſchonte, eben ſo erboſt als erſchrocken.

Nun, das muß ich ſagen, rief er endlich ziemlich herbe, als der Wonnegenoſſe weder die Hände von den Augen thung noch reden wollte,wenn mir heute Jemand Steine mit Streuſand zu verdauen gibt, ſo biſt Du es, Frohwetter! Was haſt Du denn? Wirfſt Du denn alle Schonung für den Freund bei Seite?

Frohwetter blieb noch eine Weile ſchweigend in ſeiner Stellung, ſeufzte einmal ſo tief und ſchwer, als müßte er den Athem aus der großen Zehe holen, und ſagte endlich etwas ruhiger, als ſich erwarten ließ:

Eine Cigarre! Reiner reichte ſie ihm.Eine Taſſe Kaffee! Reiner klingelte dem Kellner. Verzeihung!

Reiner ertheilte ſie ihm. lieber Freund! 4

Frohwetter ſchob nach dieſer ſeltſamen Einleitung ſeine Hände von den Augen, blickte zu ſeinem Freunde etwas verſtört empor und erzählte, nachdem alles Begehrte zu ſeiner Verfügung ſtand, folgendes Erlebniß:

Du weißt, lieber Reiner, daß ich ſchon einige Jahre länger als Du regelmäßig jeden Sommer dies Bad beſuche und mit Allem bekannt bin was ſich hier herum zuträgt. Indem ich Dir bisher treulich berichtet habe, was ich wußte, habe ich Dir doch Eine Geſchichte verſchwiegen, weil ſie bisher nur einen Anfang und kein Ende gehabt hat. Das Ende dieſer Geſchichte iſt aber heute eingetroffen und zwar in einer Weiſe, die mich eben ſo überraſcht als erſchüttert hat. Der Sprecher hielt einen Augenblick an und fuhr dann fort:Es mag jetzt etwa zehn Jahre her ſein, als unter den hieſigen Badegäſten auch ein alter achtzigjähriger General geſehen wurde, der als bekannter Mann aus den Napoleoniſchen Kriegen viele Aufmerkſamkeit erregte. Er war noch ziemlich rüſtig, ein gewiſſenhafter Brunnentrinker, ein großer Liebhaber von kleinen Wanderungen durch den Park, ſonſt nicht ſonderlich geſellig, dagegen ſehr fromm und blind. Er hatte eine Enkelin bei ſich, kaum ſech⸗ zehn Sommer zählend, in holder Jungfräulichkeit erblüht, ſchön wie man Engel malt und, wie es ſchien, eben ſo fromm und gut. Sie war ſtets die einzige Begleiterin und Stütze des alten Generals, wenn er öffentlich erſchien; ſie ging mit ihm durch den Park, führte ihn nach der Kirche, oder fuhr mit ihm über Land; waren ſie zu Hauſe, ſo las ſie ihm aus Zeitungen oder Büchern vor, unterhielt ihn mit heiterer und ernſter Muſik und ſuchte ſo auf jede Weiſe das Leben des alten, blinden Herrn zu leiten und zu ver⸗ ſchönern. Man hat während jenes ganzen Sommers, außer zwei uralten Damen, Gemahlinnen von todten Waffen⸗ genoſſen des Generals, Niemand bei ihm ein⸗ und ausge⸗ hen ſehn und doch! wie viele, viele Herzen klopften

Und nun gutes Morgen,

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Maſſe wurde in ihre Kapelle aufgenommen, und Mlle. Gautier, die ſich als Nonnenſchweſter Auguſtine von der Barmherzigkeit nannte, ſchrieb an Moncrif einen Dankſagungsbrief, den er der Königin zeigte. Maria Leczinska war fromm, gut, theilnahmsvoll, nachſichtig. Sie ließ die Schweſter Auguſtine ihrer Freundſchaft verſichern und es entſtand ſogar ein kleiner frommer Briefwechſel. zwiſchen der Königin von Frankreich und der ehemaligen Schau⸗ ſpielerin, jetzt Carmeliternonne. Monerif war der Vermittler und Vertraute deſſelben. Zuweilen ſchrieben die Königin und die Nonne ſich auch unmittelbar und dieſe Freundſchaft zwiſchen den beiden im Leben ſo verſchieden geſtellten Perſonen, dieſe Sympathie, die man beinahe geheimnißvoll nennen koͤnnte, dauerte bis zum Tode der Gautier, die noch wenige Stunden vor ihrem

Hinſcheiden an die Köoͤnigin einige Verſe richtete, die zwar von

keinem poetiſchen Werth ſind, indeß doch ihre innige Frömmigkeit darthun.

Ein gleichzeitiger Geſchichtsſchreiber ſagt, daß Mlle. Gautier die ganze Heiterkeit ihres Gemüthes bewahrt hatte, und daß ihre frühere Lebhaftigkeit ſich nur in religiöſen Pflichten verwandelte. Während der letzten Jahre ihres Lebens war ſie blind geworden; dennoch verrichtete ſie alle Dienſte für ſich ſelbſt, da ſie Niemandem im Hauſe zur Laſt fallen wollte. Sie liebte die Beſuche und ſprach ſich gegen dieſelben mit Feuer, Kraft und Klugheit aus. ſprechen, ohne innig gerührt zu werden und den Verſuch zu machen, um durch Vermittlung ihrer Freunde zu helfen. a

inbrünſtige Erfüllung ihrer

Nie hörte ſie von einem Unglücklichen

Aus der Geſchichte. Ein geadelter financier von 1622. Einen intereſſanten Beitrag zur Culturgeſchichte dürfte ein kleines Büchleinder alte iſraelitiſche Friedhof zu Prag, welches binnen kurzem die Preſſe verlaſſen wird, bieten, da es uns einen tiefen Blick in die Kreuz⸗ und Querzüge der Juden, insbeſondere in Deutſchland, thun läßt. Unter vielen andern darin enthaltenen intereſſanten Biographien dürfte aber die eines von dem durch ſeinen religiöſen Fanatismus bekannten Ferdinand II. in den Adelſtand erhobenen Juden füdndas allgemeine Intereſſe die bervorragendſte ſein. Dieſer Mann hieß Jacob Baſſchewi von Treuenberg, vulgo Jacob Schmiles, ſeit 1621 in allen amtlichen Urkunden ſeiner d. k. Majeſtät Diener und Hofhandelsmann genannt. Kaiſer Ferdinand II. beſtätigte nicht nur die Privilegien, die er ſich durch ſeine Verdienſte um das Haus Habsburg in der Regierungszeit Rudolphs II. und Matthias erworben, ſondern fand ſich bewogen, ihn zugleich in den erblichen Adelſtand des hl. röm. Reichs deutſcher Nation mit dem Prädicate von Treuenberg zu erbeben. Dieſes Adelsdiplom, welches ſich bis auf den heutigen Tag im Archive einer Prager Synagoge befindet, iſt von Ferdinand als röm. Kaiſer am 18. Januar 1622 und als König von Böhmen im September 1623 ausgefertigt und vom böhm. Kanzler Popel von Lobkowiz und dem bekannten Geheimſchreiber Philipp Fabricius contraſignirt. Sein weſentlicher Inhalt iſt in Kürze folgender:In Berückſichtigung des redlichen Wandels und der rreuen Dienſte, die Baſſchewi der k. k. Kammer durch allerhand

Eröffnungen in Beziehung auf die Regalien und Intrada bisher

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